Gemeindevertretung : Paukenschlag in Nieby

Hansen
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Zerrüttung in der Kommunalen Wählergemeinschaft: Bisheriger Bürgermeister Lippert gibt Mandat zurück.

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25. Juni 2018, 13:57 Uhr

Unüberbrückbare Streitigkeiten innerhalb der Kommunalen Wählergemeinschaft Nieby (KWG) haben vorübergehend in der Küstengemeinde zu einem Desaster geführt: Obwohl sie als Bestplatzierte aus der Kommunalwahl hervorgegangen waren, hatten sowohl Bürgermeister Volker Lippert als auch Vizebürgermeisterin Wencke Peutz kürzlich der Amtsverwaltung Geltinger Bucht ihren sofortigen Rücktritt mitgeteilt. Das war ein unerwarteter Paukenschlag. Inzwischen hatten die KWG-Vertreter Raimund Stamm und Dirk Hansen über die Liste die entstandenen Löcher geschlossen. Verschwiegen blieben Details über die Hintergründe der Zerrüttung innerhalb der KWG.

Anlässlich der konstituierenden Sitzung im überfüllten Falshöfter Dorfgemeinschaftsraum wurde Tacheles geredet. „Wir sind nicht nur berühmt als kleinste Gemeinde im Amtsbezirk, sondern auch als die schwierigste“, erklärte der bisherige zweite stellvertretende Bürgermeister Hanno Fintzen, der nach 28 Jahren Tätigkeit im Ortsparlament nicht erneut kandidiert hatte. Dass Fintzen jetzt noch einmal antreten musste, um die Sitzung zu eröffnen, lag am Nichterscheinen von Volker Lippert. Wencke Peutz nahm indessen stillschweigend in den Reihen der Zuhörer Platz. „Immerzu gab es in der Gemeindevertretung nur ein hitziges Hauen und ein Stechen“, monierte Hanno Fintzen. Bei der Suche nach Problemlösungen habe man sich stets nur „im Kreis gedreht“ und wenig erreicht. Trotz allem: „Lippert hat sich an der Spitze viel Mühe gegeben.“

Anschließend übernahm Gabriele Weinmann von den Freien Wählern Nieby (FWN) als älteste Gemeindevertreterin den Vorsitz und sprach rückblickend von „fünf turbulenten Jahren“, in denen aufgrund vieler Querelen einige Mandatsträger sogar ihren Rücktritt erwogen hatten. Sie bezeichnete es als „bedauerlich“, dass kürzlich gewählte Vertreter plötzlich durch ihren Mandatsverzicht das Vertrauen der Wähler enttäuscht und somit keine Verantwortung übernommen hätten.

In geheimer Wahl, bei der Amtschefin Rosemarie Marxen-Bäumer persönlich die Wahlzettel an alle sieben Gemeindevertreter überreichte, wurde der 53-jährige Dirk Hansen, von Beruf Viehhändler, mit fünf Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen zum neuen Bürgermeister gewählt. Hansen, ein kommunalpolitischer Newcomer, der bislang nur als bürgerliches Mitglied im Bau- und Wegeausschuss fungierte, sprach in seiner Antrittsrede von einem notwendigen Neuanfang. Die Unzufriedenheit in KWG und im Ortsparlament müsse überwunden werden. „Ich kann vermitteln und bin nicht aufbrausend“, sagte er.

Ohne Gegenstimmen wurden sodann Arndt Schnittger (FWN) und Martin Paulsen (KWG) zu den beiden Stellvertretern des Bürgermeisters gewählt. Ausschussvorsitzende sind künftig Raimund Stamm (Finanzen), Arndt Schnittger (Tourismus), Martin Paulsen (Bau und Wege) sowie Gabriele Weinmann (Kultur, Jugend und Soziales). Fazit: Nach überstandener Sturmflut soll das Fahrwasser in Nieby ruhiger werden.

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