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Flensburger Tageblatt

20. November 2017 | 10:46 Uhr

Lindewitt : Pattex für die Dorfgemeinschaft

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit mehr als 40 Jahren engagieren sich die Ortsbeiräte in den Gemeindeteilen Lindewitts für das soziale Miteinander.

Lindewitt | „Hoffentlich gehen wir in diesem großen Gebilde nicht unter!“ So oder so ähnlich mögen kleinere Gemeinden denken, wenn sie mit einem oder mehreren größeren Partnern eine Fusion eingehen. Ähnlich war es auch 1974, als sich Riesbriek, Linnau, Kleinwiehe, Lindewitt-Lüngerau und Sillerup zur „Großgemeinde“ Lindewitt zusammenschlossen. Um dieser Befürchtung entgegenzuwirken, nutzte man eine Möglichkeit des Gemeindeverfassungsrechts: Es wurden Ortsbeiräte ins Leben gerufen. Sie erhielten nur eine, aber sehr inhaltsvolle Aufgabe: Sie sollen sich um die kulturellen Belange ihres Dorfes kümmern oder besser gesagt, um das Dorfgemeinschaftsleben. Und es funktionierte. Es funktioniert auch heute noch, nach mehr als 40 Jahren, prächtig.

Der Ortsbeirat ist in den Dörfern Lindewitts ein Gremium mit jeweils neun Mitgliedern, nur Sillerup hat als größtes Dorf 13. Aber so formal wird es nicht gesehen. Wer Lust hat, mitzuwirken, ist herzlich willkommen. In Lindewitt war es bislang immer möglich, insgesamt 49 Ehrenamtliche zu finden, die bereit sind, sich für das Dorfgemeinschaftsleben zu engagieren. „Aber auch das wird schwieriger werden“, sagt Ronny Green, Ortsbeiratsvorsitzender in Riesbriek.

Die Beiräte kümmern sich um viele Belange ihrer Dörfer. Natürlich beraten sie auch viele Dinge, aber vor allem setzen sie sie auch immer gleich praktisch um. Sie organisieren die fünf Kinderfeste in ihren Dörfern, die Erntefeste, die Dorfreinigung im Frühjahr im Außenbereich, die Pflege mancher Verkehrsinsel und Beete, Besuche zu Geburtstagen und Jubiläen und sie werfen ein Auge auf die Spielplätze. Bei dieser Vielfalt ist eines besonders wichtig: Sie mobilisieren andere mitzuwirken. Da ist es wenig überraschend, dass sie auch die fünf Wahlvorstände von der Kommunal- bis zur Europawahl bilden. Eine mühselige Suche nach Freiwilligen ist nicht notwendig.

Die Ortsbeiräte befassen sich mit den Belangen des Gemeinschaftslebens, in die die Gemeinde nicht mehr hineinwirkt. Dabei arbeiten sie eng mit den Vereinen im Dorf zusammen und vor allem mit den fünf Ortsfeuerwehren, die sich nebenbei ebenfalls für das Gemeinschaftsleben engagieren. Der Bürgermeister und die Gemeindevertretung schlagen die sprichwörtlichen drei Kreuze, dass die Ortsbeiräte so gut funktionieren. „Ohne sie müsste bei unserer Gemeindestruktur vieles im Dorfleben leiden. Die Gemeinde wäre nicht in der Lage, diese Arbeit für die einzelnen Dörfer zu leisten“, weiß Bürgermeister Wilhelm Krumbügel nur zu gut.

Die finanzielle Unterstützung für die Arbeit der Beiräte hält sich in Grenzen, die meisten Aktivitäten können eigenwirtschaftlich durchgeführt werden. Die Ortsbeiräte sind aber auch genau das Verbindungsglied zwischen den Dörfern und der Gemeindevertretung mit ihrem Bürgermeister. Über sie können die individuellen Interessen des Dorfes vertreten und Anträge an die Gemeinde gerichtet werden. Umgekehrt hat auch die Gemeinde immer direkte Ansprechpartner und kann dadurch kurze Wege nutzen.

Die Arbeitsweise ist in den Dörfern unterschiedlich. Es gibt bewusst nur ganz wenige Regularien. So arbeiten die Beiräte nach ihren Gewohnheiten und Traditionen. Im kleinsten Dorf der Gemeinde, in Riesbriek mit 200 Einwohnern, findet alljährlich eine gut besuchte Dorfversammlung statt. Dann berichtet der Bürgermeister über die Gemeindepolitik und steht Rede und Antwort. Eine alte Tradition wird hierbei ebenfalls seit Urzeiten gepflegt: die Wegeversteigerung. Für jeweils ein Jahr können die Bürger das Recht ersteigern, die entsprechenden Wegeränder zu nutzen, zum Heumachen, Beerenpflücken, Dinge, die früher tatsächlich mit einem wirtschaftlichen Ertrag verbunden waren. Heute setzt so mancher vieles daran, seinen „Stammweg“ zu ersteigern. So bis vor einigen Jahren noch Steffen Rabitz, der besonderen Wert auf ein Teilstück des Weges „Norderfeld“ legte. Dort führte er jeden Sonntag seinen Hund, seine Katze und sein Schwein spazieren, allesamt an der Leine.

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