Strandranger : Patrouille weg: Stadt spart am Strand

Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit: Dafür standen die Strandranger in Flensburg. Nun fehlt das Geld für die Strandpatrouillen. Foto: Staudt
Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit: Dafür standen die Strandranger in Flensburg. Nun fehlt das Geld für die Strandpatrouillen. Foto: Staudt

Weil die Bundesmittel für Ein-Euro-Jobber gekürzt werden, müssen die Strandranger ihre Uniformen an den Nagel hängen

shz.de von
30. Juni 2011, 06:42 Uhr

Flensburg | Die Sommerferien stehen vor der Tür - und die Flensburger Fördestrände haben sich für die sonnen- und erholungshungrigen Besucher herausgeputzt: Die Brücke am Strand in Solitüde ist startbereit, der Sand wurde aufgeschüttet.

Auch am Ostseebad ist eigentlich Saisonstart. Die Kioske sind geöffnet, die Spielplätze warten auf Kinder, aber irgendetwas fehlt. Die netten Leute mit den blauen T-Shirts, die Strandranger sind weder am Ostseebad noch in Solitüde vertreten. Sie kümmerten sich um die Ordnung am Strand, sammelten Glasscherben, machten Hundebesitzer auf das Hundeverbot aufmerksam, sorgten für Ruhe und achteten auf die Sicherheit. Sie waren einfach präsent.

In dieser Saison fallen die rund 20 Ranger, die als Ein-Euro-Jobber, so genannte Arbeitsgelegenheiten, angestellt waren, den Budgetkürzungen der Bundesregierung zum Opfer. 35 Prozent weniger finanzielle Mittel werden an die Grundsicherungsträger in Deutschland und damit auch an das Flensburger Jobcenter ausgeschüttet. Das Jobcenter ist zuständig dafür, geeignete Kunden für Ein-Euro-Jobs auszuwählen, die anschließend von Trägern betreut werden. Im Falle der Strandranger übernahm die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Bequa) diese Aufgabe. "Von den rechtlichen Voraussetzungen wie der Gemeinnützigkeit und der Wettbewerbsneutralität her hätten wir Strandranger einsetzen können", erklärt Jobcenter-Geschäftsführerin Claudia Remark. Stadt und Bequa setzen jedoch andere Schwerpunkte, wie Zweiter Bürgermeister Jochen Barckmann auf Tageblatt-Nachfrage erklärt. "Wegen der Mittelreduzierung mussten wir entscheiden, welche Arbeitsgelegenheiten wir fördern." Da es drängendere Bereiche für den Einsatz von Ein-Euro-Jobbern gegeben habe, seien die Strandranger rausgefallen.

In dieser Saison soll nun die DLRG, ohnehin zuständig für Badeaufsicht an den Stränden, die Aufgaben der Ranger teilweise übernehmen. "Wir werden das beobachten und am Ende der Saison gucken, wie wir im nächsten Jahr weiter machen", so Barckmann.

Ob es dann wieder Strandranger geben kann, erscheint allerdings höchst unwahrscheinlich. Der Grund liegt wieder beim Bund. Die Regierung plane, so Jobcenter-Chefin Remark, die rechtlichen Voraussetzungen für den Einsatz von Ein-Euro-Jobbern enger zu ziehen. "Der Einsatz von Strandrangern ist dann wohl nicht mehr möglich", sagt Claudia Remark.

Am Harrisleer Strand Wassersleben dagegen können sich die Besucher der Dienste der Stadtranger weiterhin erfreuen. Hier sind sie noch auf Patrouille.

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