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Bauprojekt : Partner für ein Paradies gesucht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das denkmalgeschützte Ensemble Alt-Fruerlundhof soll für altersgerechtes Wohnen genutzt werden – doch niemand will investieren

Es ist ein kleines Paradies inmitten der Stadt. Eine grüne Oase. In Alt-Fruerlundhof scheint die Zeit stillzustehen. Eine uralte Eibe, in der einst Schleiereulen nisteten, vor dem 1832 erbauten Haupthaus. Ein Ententeich, über dem eine Trauerweide ihre Äste ausgebreitet hat. Gegenüber eine Streuobstwiese mit üppigem Baumbestand. Kein Wunder: Damals war es üblich, bei jeder Geburt einen Baum zu pflanzen.

Rückwärtig liegen die ehemaligen Stallungen. Rechter Hand eine 1901 errichtete, architektonisch ansprechende Scheune. Nur die Kühe, die von hier einst über Wiesen und ausgedehnte Ackerflächen bis nach Engelsby getrieben wurden, sucht man vergebens.

Alt-Fruerlundhof 1 ist der letzte eingetragene Bauernhof im Zentrum Flensburgs. Landwirt Hans Iwersen hat hier zeitlebens gewohnt, seine ältere Schwester Annedore betrieb eine bekannte Handweberei; sie verstarb im April dieses Jahres, ein knappes Jahr nach dem Tod des Bruders. Seitdem sind die Wohnungen bis auf einen vermieteten Trakt leer, gleichwohl voll möbliert. Auch hier ist die Patina vergangener Zeiten spürbar.

Noch zu Lebzeiten gründeten die Geschwister die Stiftung Alt-Fruerlund, die an dieser Stelle altersgerechtes Wohnen ermöglichen soll. „Diese Idee lag der Stiftung von Anfang an zugrunde – und sie tut es noch heute“, sagt der Vorsitzende Günter Voigt. Der Vorstand ist gehalten, den Willen der Stifter umzusetzen, nämlich das Kapital für kulturelle und soziale Zwecke sowie den Erhalt des denkmalgeschützten Ensembles zu verwenden. Doch die Pläne gerieten aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen ins Stocken.

Die Crux: Das Gebäude ist stark sanierungsbedürftig. Ein hoher sechsstelliger Betrag ist nötig, um das Ensemble dem Stiftungszweck gemäß zu restaurieren. Das Stiftungskapital reicht bei weitem nicht aus. Nur das Notwendigste wird derzeit in den Erhalt investiert. „Also brauchen wir Partner, die sich für die Pläne begeistern können“, sagt Günter Voigt. Und sein Stellvertreter, Rechtsanwalt Jörg Schriewer, fügt hinzu: „Gleichzeitig muss natürlich der Ertrag stimmen.“ Interessenten gebe es durchaus. „Doch die würden die Gebäude am liebsten abreißen und eine große Wohnanlage hinsetzen.“ Das aber ist alles andere als im Sinne der Stiftung. Überdies würde der Denkmalschutz unverzüglich sein Veto einlegen. Einzig die ehemaligen Stallungen sind davon ausgenommen.

Insgesamt 15  000 Quadratmeter umfasst das Anwesen. Die ehemalige Streuobstwiese mit einer ausladenden Rotbuche ist ein Juwel für Naturliebhaber. Auch die vis à vis gelegene Werkstatt, in der Annedore Iwersen wirkte, gehört dazu. Einige „Dienstleister“ haben bereits ein Auge darauf geworfen. Allerdings haben sie eine Klientel der jüngeren Generation im Visier. „Das würde passen“, findet Günter Voigt. Ihm schwebt ein Ort der Begegnung vor. Alt und jung – Hand in Hand.

Fehlt nur noch ein Investor. Und sollte der nicht kommen, könnten sich dunkle Wolken über das kleine Paradies legen. Der Stiftungsvorsitzende deutet es an: „Ein Verkauf des Areals wäre für uns die allerletzte Möglichkeit, die wir ins Auge fassen würden. Die wirklich allerletzte.“


Die Stiftung Alt-Fruerlund, Alt-Fruerlundhof 1, 24943 Flensburg, ist erreichbar über Günter Voigt: Telefon 0461-73095, E-Mail cornelia-moden@t-online.de

 

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erstellt am 10.Nov.2015 | 07:47 Uhr

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