zur Navigation springen

Nach dem Ostseeman : Parkplatz-Not sorgt für Ärger in Glücksburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Glücksburger Ordnungsamt hat während des Glücksburger Ostseeman zahlreiche Autos abschleppen lassen oder Knöllchen verteilt.

Glücksburg | Über 20 abgeschleppte Autos und zahlreiche Knöllchen – der Ostseeman hat bei etlichen Besuchern einen faden Beigeschmack hinterlassen. „Mir kam zu Ohren, dass bei der Veranstaltung noch nie so viele Fahrzeuge abgeschleppt wurden“, sagt Organisator Reinhard Husen. Das Glücksburger Rathaus bestätigt, dass sie mehr Wagen als vergangenes Jahr abschleppen ließen. Und es hätten noch mehr sein dürfen, wenn es nach der Polizei gegangen wäre.

Frank Ritzau traute seinen Augen nicht. Als er gegen 19 Uhr mit seinem Skoda Yeti nach Hause fahren wollte, stand sein Auto nicht mehr dort, wo er es geparkt hatte. Auch seines sei im Auftrag der Stadt Glücksburg abgeschleppt worden, erzählt der Flensburger. Gegen zwölf hatte er es an der Uferstraße vor Quellental abgestellt, um die Athleten beim Ostseeman anzufeuern und Fotos zu machen. Auf beiden Seiten der Straße, auch dort, wo der Radweg sei, so berichtet er, parkten Fahrzeuge. Den Verkehr auf der Durchgangsstraße habe dies allerdings nicht beeinträchtigt.

„Für mich und für viele andere war nicht ersichtlich, dass dort Halteverbot bestand.“ Das hat aus seiner Sicht auch an der mangelhaften Kennzeichnung gelegen. Frank Ritzau beklagt, dass die Schilder, die auf das Verbot hinweisen sollten, transportabel und nur hüfthoch gewesen seien und daher zum Teil hinter den Autoschlangen verborgen waren. „Manche Schilder lagen im Graben“, stellte er hinterher fest. Er ließ seinen Wagen am Straßenrand stehen – so wie es seiner Beobachtung nach „alle Nationalitäten“ taten, darunter viele Besucher aus Dänemark und Norwegen. Am Nachmittag war Ritzaus Wagen abgeschleppt. Von der Polizei erfuhr er, wo er seinen Skoda auslösen konnte. „Nicht etwa in Wees, sondern in Jarplund“, kritisiert der Hobby-Fotograf die Entfernung. „Stell Dir mal vor, Du bist als Ausländer da, und dann finde Dich mal zurecht.“

Der Besuch des Ostseeman war für den Flensburger ein teures Vergnügen: Rund 270 Euro plus Notdienst-Gebühr kostete ihn das Auslösen seines Fahrzeugs. „Das einzige, was man mir vorwerfen kann, ist, dass ich in falscher Richtung geparkt habe“, räumt Ritzau ein.

Die genauen Gründe für das Abschleppen kennt Sebastian Dressel in Ritzaus Fall auch nicht. Aber die Kritik an der Stadt weist der Leiter des Ordnungsamtes entschieden zurück. „Wir haben nur die Wagen entfernen lassen, bei denen wir keine andere Möglichkeit sahen.“ Das bestätigt Lennart Koch, Leiter der Polizeistation Glücksburg. „Es hätten durchaus mehr Autos abgeschleppt werden können.“

Wie viele Wagen von einem Abschlepp-Unternehmen tatsächlich auf deren Hof in Weding gebracht wurden, kann Dressel nicht sagen. Aber mehr als 20 seien es definitiv gewesen. „Fast alle davon standen in der Zufahrt zum Parkplatz Quellental und blockierten die Laufstrecke.“ Wider besseren Wissens, wie einige Wagenbesitzer gegenüber Dressel gestern offenbar äußerten. „Sie sagten, dass sie nach dem Schwimmen die Autos wegfahren wollten – aber das konnten wir ja nicht wissen.“ Zwar dauert es nach dem Schwimmen noch über vier Stunden, bis sich die ersten Sportler auf die Laufstrecke begaben, doch diese Zeit habe Dressel den Falschparkern nicht einräumen können. „Das Unternehmen braucht nach eigenen Angaben für Fahrt, Auf- und Abladen eines Wagens rund eine Stunde.“ Obwohl zunächst drei, später dann vier Laster im Einsatz waren, hätte die Zeit nach dem Schwimmen nicht gereicht.

Ausreden, wie schlecht sichtbare Parkverbots-Hinweise, lässt Dressel nicht gelten. „Zugegeben, die Schilder waren nicht in optimaler Höhe angebracht, aber dennoch klar erkennbar.“ Von weggeworfenen Schildern sei ihm nichts bekannt. Dafür von gestohlenen in der Uferstraße. „Am Sonntagmorgen fehlten 15 Parkverbots-Schilder, die bis bis heute nicht aufgetaucht sind.“

Generelle Kritik am Parkangebot übt Organisator Husen. „In Glücksburg gibt es für Veranstaltungen dieser Art einfach zu wenige Parkplätze.“ Das räumt Dressel ein. „Auf Nachfrage würde ich einem Kommunalpolitiker empfehlen, zumindest zu überlegen, freie Flächen zu kaufen, um rund 500 weitere Parkplätze zu schaffen.“ Gut 800 gebe es derzeit. „Ohne den von uns angebotenen Bus-Shuttle wäre das Parkchaos noch viel größer gewesen“, sagt Husen. An dem Service habe er nichts verdient. Auch die Stadt verdient nach Angaben Dressels nichts an den Knöllchen. „Für uns wäre es günstiger gewesen, wenn wir am Sonntag gar nicht hätten kontrollieren müssen.“ Nach aktueller Lage der Dinge erscheint dies für den kommenden Ostseeman jedoch undenkbar.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen