Auf dem Prüfstand : Pannenserie: Viele Biogasanlagen weisen bedeutende Mängel auf

Biogasanlage

Aus wasserrechtlicher Sicht wurden 15 Biosgasanlagen als so bedenklich eingestuft, dass sofortiges Handeln erforderlich war.

Immer mehr Biogasanlagen funktioniere nicht einwandfrei. Das Umweltministerium will seine Kontrollen verschärfen.

Margret Kiosz von
11. Mai 2018, 19:54 Uhr

In Brokenlande bei Neumünster liefen kürzlich erneut zwei Millionen Liter Gärflüssigkeit aus einer Biogasanlage aus – eine Dichtung war abgerissen. Ein aufgeschütteter Erdwall verhinderte – anders als 2014 –, dass in der benachbarten Au Fische sterben mussten. Weil binnen fünf Jahren mehr als 100 Gülle-Unfälle bei Biogasanlagen registriert wurden, hat das Umweltministerium die Kontrollen verschärft.

„50 der 450 Anlagen wurden 2017 unter die Lupe genommen“, sagte Ministeriumssprecher Joschka Knuth. Das Ergebnis: Nur zwölf waren „nahezu mangelfrei“. Bei 26 Anlagen wurden „nicht sicherheitsrelevante Mängel“ festgestellt, zwölf mussten jedoch der Kategorie „bedeutende Mängel mit erheblicher immissionsschutzrechtlicher Relevanz“ zugeordnet werden.

Aus wasserrechtlicher Sicht wurden 15 Anlagen als so bedenklich eingestuft, dass sofortiges Handeln erforderlich war, um einen Gewässerschaden abzuwenden. Inzwischen sind einige Betriebe ein Fall für die Staatsanwaltschaft. „Alle Kontrollen wurden nur ein bis zwei Tage vorher angekündigt, um einen unverfälschter Eindruck zu gewinnen“, erklärt Knuth.

Angesichts der Ergebnisse ist im Ministerium seit längerem klar, dass mehr Kontrollen durchgeführt werden müssen. „Dafür haben wir mehrfach bei den Haushaltsberatungen zusätzliche Planstellen beantragt, allerdings ohne Erfolg“, bedauert Knuth. Dabei hatte Noch-Minister Robert Habeck schon 2015 angekündigt, Betrieben häufiger einen Besuch abzustatten, damit der Stand der Technik eingehalten wird.

Beim Fachverband Biogas wiegelt man ab: „Wo gearbeitet wird, geht auch mal was daneben“, erklärte Schleswig-Holsteins Verbandssprecher Hans-Ulrich Martensen. Hauptproblem sei ohnehin der Regen, „der, wenn es vom Himmel schüttet, Gärsäfte aus der Silage auswäscht, die dann schwer einzufangen sind und dann auch schon mal in einen Graben laufen“. Zusätzliche Kontrollen und Gesetze beheben dieses Problem nicht, ist Martens überzeugt. „Da kann man nichts machen“. 

Energiewende sieht anders aus Mängel bei Biogasanlagen

Wer eine Kuh füttern kann, ist nicht automatisch in der Lage, auch eine Biogasanlage so zu füttern, dass Flora und Fauna keinen Schaden nehmen. Diese Erkenntnis  setzt sich nicht nur bei Landwirten in Schleswig-Holstein, sondern auch bei Politikern, viel zu langsam durch. Wer als Abgeordneter  und Haushaltssouverän dem Umweltminister Planstellen für Kontrolleure verweigert, die auf den Höfen nach dem Rechten schauen, handelt fahrlässig. Die Tragweite ist nämlich enorm, wenn Ventile platzen, Anlagen falsch gesteuert oder Regenwasser nicht ordnungsgemäß abgeleitet werden. Tausende tote Fische sind dafür trauriger Beweis.

Der Akzeptanz von Biogasanlagen sind solche Zwischenfälle abträglich. Ohnehin sind die maishungrigen Kleinkraftwerke, die die Artenvielfalt zerstören  und den Strompreis in die Höhe treiben, längst ins Gerede gekommen. Selbst öko-bewusste Zeitgenossen hinterfragen heute, ob wir mit Bauern, die lieber ihre Biogasanlagen als Tiere füttern, nicht auf dem Holzweg sind. Für Landwirte mag die Energiegewinnung eine lukrative Alternative zur nicht auskömmlichen Milchviehhaltung sein, doch die Nebenwirkungen sind zu hoch. Energiewende mit Augenmaß sieht anders aus.

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