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Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 13:54 Uhr

Pamplona

vom

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Die Flensburger mögen Feste. Besonders, wenn es hell ist und nicht so viel regnet, treibt es den Flensburger nach draußen, wo gleich hinter dem Bierpilz die große weite Welt beginnt: Das Meer. Natürlich reichen Bierpilze und Salzwasser für ein zünftiges Fest nicht aus. Das ist einfach viel zu wenig. Der Mensch will wissen, warum er steht. Und das war seit 2004 alle zwei Jahre im August auch der Fall. Da feierten wir die Nautics und das wird - vielleicht - noch einige Jahre länger der Fall sein. So entschied es der Hauptausschuss, den die Verwaltung mit dem Alternativ-Vorschlag des Rum Regatta-Erfinders Rainer Prüß überraschte. Der hieß ganz anders, nämlich Flensburg Maritim, fand aber keine Mehrheit, weil, die Mehrheit wollte ja weiter die Nautics. Immer, wenn Flensburgs Politik glaubt, zu kurz gesprungen zu sein, erteilt sie noch einen Prüfauftrag oder - wenns nichts kosten darf - gibt sie gerne auch noch etwas Unverbindliches zu Protokoll. Man erwäge, die Veranstaltung künftig auszuschreiben, heißt es in diesem Fall.

Aha. Ausschreiben. Gefährlich, ganz gefährlich! Denn Ausschreibung bedeutet, dass man am Ende das günstigste Angebot nehmen muss. Diese Wirkungskette hat uns bereits das Campusbad beschert und könnte auch unsere maritime Kultur so gehörig durcheinanderwirbeln, dass der eine oder andere Fahrensmann ohne Kompass nicht mehr über sein vertrautes Festgelände findet. Was zum Beispiel, wenn die Tourismuszentraler Pamplona nicht zu unterbieten ist? Wird das bei den Flensburgern einschlagen, so ein Stierrennen die Toosbüystraße hoch und die Rathausstraße wieder runter? Was, wenn der führende Eventanbieter der griechischen Insel Chios den Zuschlag bekommt und zwischen St. Marien und St. Nikolai ein zünftiges Rouketopolemos veranstaltet, in dem sich beide Kirchen stundenlang mit Feuerwerks-Raketen beschießen? Merke. Wer Stadtfeste ausschreibt, sollte stets bedenken, das fremde Städte fremde Sitten haben. Da wäre gerade noch erträglich, der Zuschlag ginge nach München. Eine Wiesn haben wir bekanntlich schon. Die Europa-Wiesn.

BREAKING NEWS! Soeben wurde aus meist gut informierten Milliardärskreisen mitgeteilt, die steinreiche Einwohnerversammlung der kreuzfahrenden Kleinstadt "The World" habe sich, überwältigt von der Anmut des Westufers, entschieden, ihr schwimmendes Appartementhaus dauerhaft am Ostufer zu vertäuen und die örtliche Stadtbürgerschaft zu beantragen. Vor dem schicken Designerhaus "Klarschiff" war gerade was frei. Das Problem wäre also auch gelöst. Hier kommt kein Schmuddeldampfer mehr hin.

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