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Kundin aus Husby : Paketdienst Hermes: Von fünf Kisten Porzellan kam nur eine heil an

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gabriele Hintz aus Husby hatte Geschirr verschickt – den Empfänger erreichte ein Scherbenhaufen. Der Paketdienst weigert sich zu zahlen.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2017 | 12:00 Uhr

Husby | Gabriele Hintz aus Husby ist sauer. „Ober-, megasauer“, wie sie selbst sagt. Fünf Kisten mit Geschirr hat sie dem Paketdienst Hermes anvertraut. Heil beim Empfänger in Thüringen angekommen ist eine. Das Porzellan in den übrigen vier Kisten bot ein Bild des Jammers, war ein einziger Scherbenhaufen. „Das war nicht kaputt, das war völlig zerschlagen“, sagt die 57-Jährige. Die Empfängerin hatte ihr Fotos geschickt. Die Ladung ist versichert, dachte sich Hintz und wandte sich an Hermes. Doch der Paketdienst weigert sich, zu zahlen.

Von ihrem mehrere Hundert Teile umfassenden Service ist nur noch ein Scherbenhaufen übrig – die Empfängerin hat Gabriele Hintz Fotos von der Sendung geschickt; rechts: so sah die Sammlung vorher aus.
Von ihrem mehrere Hundert Teile umfassenden Service ist nur noch ein Scherbenhaufen übrig – die Empfängerin hat Gabriele Hintz Fotos von der Sendung geschickt; rechts: so sah die Sammlung vorher aus. Foto: Engelbert

Über 30 Jahre lang hat Gabriele Hintz das Geschirr mit dem Zwiebelmuster gesammelt. „Erst wollte ich das gar nicht haben“, sagt sie. Die ersten Stücke hat sie zum Abschied von einem ehemaligen Arbeitgeber bekommen. Vorratsgefäße für Pfeffer, Muskat, Nelken und Paprika. Die haben die Katastrophe überstanden, denn sie stehen noch bei ihr in der Küche. Dann bekam sie Teller geschenkt, kaufte Teile auf Flohmärkten hinzu, erstand eine Suppenterrine in Dänemark für umgerechnet rund 80 D-Mark. „So läpperte es sich“, erinnert sich Hintz. „Ich hatte alles davon.“ Die Sammlung habe vom Salzpott, der an der Wand hing, über Serviettenringe, diverse Vorratsgefäße bis zu Teller, Tassen und Terrinen gereicht.

Dann wurde Hintz krank, wollte ausmisten, etwas Geld für einen längeren Auslandsaufenthalt zusammen bekommen. Also bot sie das Service bei Ebay an. Mehrere Interessenten fragten nach. Bei einer Frau aus Thüringen hatte sie das Gefühl, ihr Geschirr in gute Hände abzugeben. Die Frauen wurden sich einig. Die Käuferin zahlte die Hälfte der vereinbarten 1100 Euro, die zweite Hälfte sollte nach Erhalt der Lieferung folgen.

 

Drei Tage hat Gabriele Hintz nach eigener Aussage gebraucht, um das Geschirr sicher zu verpacken, hat es zuerst in Zeitungspapier eingerollt und schließlich noch extra mit Luftpolsterfolie eingeschlagen, damit ja nichts zu Bruch geht. „Ich habe mich vorher erkundigt, wie ich vorgehen soll.“ Insgesamt zehn Pakete mit mehreren Hundert Teilen trug sie am 22. Februar zur Hermes-Annahmestelle in Satrup. Der Mitarbeiter dort packte je zwei Kartons in einen größere Kiste, schützte sie nach Hintz’ Angaben abermals mit Luftpolsterfolie. Diese fünf großen Pakete wurden schließlich auf allen Seiten mit der Aufschrift „Vorsicht Glas“ versehen.

Genützt hat es nichts. Ein großer Teil des Porzellans ist futsch und das Geld auch. Und der geplante Auslandsaufenthalt im warmen Süden im kommenden Winter steht in den Sternen, denn die erste Reaktion von Hermes auf die Schadensmeldung war eindeutig: Der Paketdienst ist nicht bereit, den Schaden zu regulieren. Ein Kundenservice-Mitarbeiter teilte schriftlich mit: „Es tut mir leid, dass die Sendung beschädigt ist. Die damit verbundenen Unannehmlichkeiten sind mir bewusst und ich bedauere es sehr.“ Und weiter: „Hermes ist es anhand der von Ihnen gemachten Angaben nicht möglich, eine Haftung für den Schaden zu übernehmen.“ Eine Beschädigung der Außenverpackung der Pakete sei nicht festgestellt worden, so dass man von einem ordnungsgemäßen Transportverlauf ausgehe. Für die Verwendung einer unzureichenden inneren Verpackung könne Hermes keine Haftung übernehmen, hieß es weiter. Des Weiteren wird auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Unternehmens verwiesen.

Es habe die Kommunikation mit der Kundin erschwert, dass sie nur auf dem Postweg erreichbar sei, erklärte Hermes-Pressesprecherin Claudia Schanz auf Nachfrage unserer Zeitung. Außerdem seien die Angaben der Kundin ungenügend gewesen. „Wir brauchen einen Wertnachweis“, so Schanz. „Dafür brauchen wir Belege, welche Teile beschädigt worden sind.“ Ungeachtet dessen, dass man im Unternehmen nach wie vor der Ansicht sei, dass die Sendung völlig unzureichend verpackt gewesen war, wolle man der Kundin auf Kulanzbasis anbieten, den Schaden nach Gewicht zu regulieren – vorausgesetzt, die entsprechenden Nachweise würden zur Verfügung gestellt. Ein entsprechendes Schreiben sei zu der Kundin unterwegs, versprach Schanz – mit dem Hinweis, künftig auf eine sorgfältige Verpackung zu achten. „An unserem Willen mangelt es nicht“, erklärte die Pressesprecherin.

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