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Flensburger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 07:52 Uhr

Perle am Hafen : Pacht-Poker um das Bellevue

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kieler Investor hadert mit Verhandlungspartner Stadt: Vorgaben beim Umbau des Objektes sind unwirtschaftlich und nicht mehr zeitgemäß

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2014 | 08:00 Uhr

Vertrackte Situation und ungewisse Aussichten. Wenn es ganz dumm läuft, könnte an der Hafenspitze ganzjährig die Herbst-Tristesse einziehen. Seit Herbst vergangenen Jahres ist das Bellevue wegen Insolvenz der Betreibergesellschaft geschlossen. Inzwischen hat sich vieles bewegt – aber offenbar nicht weit genug. Der Kieler Frank-Dieter Cohrt ist neuer Eigentümer des beliebten Lokals, das auf einem städtischen Erbbaupacht-Grundstück steht. Der Pachtvertrag wird zur Zeit gerade ausgehandelt. Und der Stand der Dinge lässt nichts Gutes ahnen. „Es sieht nach Rückzug aus“, sagt Cohrt.

Er trägt schwer an dem Erbe, dass er von seinem Vorgänger übernehmen muss. Ein Großteil der hölzernen Bauten nämlich steht ohne Baugenehmigung. Weder die Wasserterrasse noch der Wintergarten sind legal errichtet worden. Ende 2007 verdonnerte die Stadt den damaligen Pächter im Rahmen eines Bebauungsplans, zu umfangreichen Nachbesserungen, die bis heute allenfalls ansatzweise begonnen worden sind. Cohrts Problem: das dahinter stehende Konzept hält er für überholt. Große Teile der Anlage sind außerhalb der Saison nicht nutzbar und kosten den Pächter lediglich Geld. „ Es ist aber notwendig, dass ein Pächter auch außerhalb der Hauptsaison Umsätze erzielen kann. Das gegenwärtige Modell ist von einer wirtschaftlichen Betrachtung weit entfernt“, sagt Frank-Dieter Cohrt. „Der vorige Pächter ist ja nicht ohne Grund in die Insolvenz gegangen.“

Der B-Plan sieht beispielsweise den Rückbau des „Wintergartens“ vor, der in der Originalzeichnung lediglich eine Sonnenterrasse ist. Auch auf der Plattform im Hafenbecken waren die vorigen Pächter mit Festzelt und Stellwänden weit übers Ziel hinausgeschossen. Auch hier hat die Stadt klare (Rückbau-) Vorstellungen. Die – auch öffentlich nutzbaren – Sanitäranlagen haben noch nicht mal Rohbau-Stadium erreicht, die Behinderten-Parkplätze gibt es nicht. Kurzum: es ist viel zu tun.

Nun findet Cohrt nicht alles schlecht, was Flensburg für das Bellevue wollte. „Zu 95 Prozent ist es das, was wir auch gemacht hätten. Aber die letzten fünf Prozent zwingen uns in eine Maßnahme, die nicht mehr zeitgemäß ist. Ein solches Objekt mit hohen Investitionen geht nur, wenn die Parameter stimmen.“

Das beklagt auch Cohrts Alliierter – Andreas Tembrockhaus, Geschäftsführer der Flensburger Brauerei. Das Traditionsunternehmen sitzt hier mit im Boot, will die Marke Flensburger Pilsener an diesem Vorzugs-Standort als Hausmarke etablieren (vorher gab’s nur Beck’s) und ist bereit, dafür tief in die Tasche zu greifen. Allein. die Ansprüche der Stadt seien nicht zu erfüllen. Das jedenfalls sagt Tembrockhaus. „Man reicht ihnen den Finger, und sie wollen gleich die ganze Hand. Wir sind ziemlich frustriert.“

In der Tat scheint die Verwaltung entschlossen, die Eins-a-Lage entsprechend zu vermarkten. Einer der Streitpunkte soll beispielsweise die Anhebung der Pacht um 10 000 Euro auf künftig 13 500 Euro pro Jahr gewesen sein – zusätzlich zu den hoch im sechsstelligen Bereich angesiedelten Kosten, die Rück- bzw. Umbaumaßnahmen verursachen. Michael Draeger, als Fachbereichsleiter Kommunale Immobilien Verhandlungspartner, könnte, darf aber nichts zum Thema Bellevue sagen. „Es ist schwierig“, räumt er ein. „Aber ich bin ein optimistischer Mensch. Es gibt immer Spielraum.“

Die nächste, möglicherweise letzte Chance sieht Cohrt am 4. März heraufziehen. Dann präsentiert er Verwaltung und Politik im Finanzausschuss sein Betreiberkonzept. Am 6. März hat die Ratsversammlung das Wort. Wahrscheinlich eines mit großer Wirkung. Es könnte den Ausschlag dafür geben, ob an der Hafenspitze eine Ruine verfällt oder eine attraktive Gastronomie betrieben wird.

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