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Wegen Kontrollen in Dänemark : Orga-Team am Bahnhof droht Transithilfe einzustellen

vom
Aus der Onlineredaktion

In Dänemark haben sich Flüchtlinge bei einer Kontrolle nur widerwillig registrieren lassen. Das sorgt für Unruhe in Flensburg.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2015 | 16:55 Uhr

Flensburg | Sechseinhalb Wochen lang war Flensburg Startpunkt für die letzte, sicherere Etappe von Flüchtlingen auf ihrem lebensgefährlichen Weg in ein neues Leben. In stiller Übereinkunft hielten Schleswig-Holstein und Dänemark die Reisenden im Schengener Raum nicht auf, Flensburgs Bahnhof war nicht mehr als ein freundlicher Zwischenstopp auf dem Weg nach Schweden. Mit dem Entspanntsein ist es seit Mittwochnachmittag vorbei. Seit eine dänische Polizeistreife kurz nach der Abfahrt in Pattburg einen Bus mit 53 Flüchtlingen an Bord stoppte, gilt die Route über Flensburg plötzlich als unsicher. Die meisten der Flüchtlinge ließen sich in Dänemark widerwillig registrieren – ein Zwischenfall mit Konsequenzen.

Bisher konnten die Flüchtlinge weitestgehend ungehindert von Flensburg über Dänemark weiter nach Norden reisen. Bei den stichprobenartigen Kontrollen handelte es sich der Form nach um typische Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung. Die jetzigen Kontrollen deuten die Flensburger Flüchtlingshelfer als Abschreckungsmaßnahmen.

Die Flensburger Flüchtlingshilfe kündigte an, die aktive Transithilfe künftig zu unterlassen. „Wir haben unzähligen Flüchtenden beim Kauf von Fahrkarten, bei der Zusammenstellung der Route, der Koordination von Bus und Bahn geholfen. Das werden wir künftig nicht mehr tun“, erklärte die Flensburger Landtagsabgeordnete Simone Lange. „Unser Ansatz war immer Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber den Transitflüchtlingen. Wir können aber die Sicherheit dieses Fluchtwegs vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse nicht mehr garantieren.“

Nicolas Jähring von der Initiative „Refugees Welcome – Flensburg“ ergänzt: „Das Verhalten der dänischen Polizei kündigt das bisherige Vertrauensverhältnis auf. Unter diesen Bedingungen können wir die Transithilfe nicht mehr mit unserem Gewissen vereinbaren. Die Menschen kommen in ihrer Not zu uns. Wir können sie nicht ins Ungewisse schicken.“ Die Hilfe am Bahnhof werde derzeit auf die Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung begrenzt.

Nach Informationen der Flüchtlingshilfe solle es auch am Donnerstag in Dänemark zu intensiven Kontrollen in Bus und Bahn gekommen sein. Patrick Tiede, Sprecher von Innenminister Stefan Studt, erklärte auf Anfrage: „Wir gehen nach Rücksprache mit unseren dänischen Partnern davon aus, dass es sich um eine polizeiliche Stichprobenkontrolle gehandelt hat, wie sie auch in den vergangenen Wochen immer wieder vorgekommen ist.“ Hinweise auf politisch angeordnete Maßnahmen habe man im Moment nicht. Die stichprobenartigen Kontrollen in Dänemark wurden wie in der Vergangenheit vorgenommen, betonte Polizei-Pressesprecher Helle Lundberg.

Die Kontrollen auf dänischer Seite führen zu Verunsicherungen in Flensburg, wo viele Flüchtlinge auf dem Weg in Richtung Norden zwischenlanden. Viele zögern, sofort weiter zu ziehen, weil die Meldung von dänischen Kontrollen die Runde macht, berichtet der Nordschleswiger. Der Flüchtlingsstau in Flensburg sorgte dafür, dass die Stadt vorsorglich weitere Aufnahmelager bereitstellte. Um auf die Situation vorbereitet zu sein „und gegebenenfalls auch eine größere Zahl an Personen über Nacht beherbergen zu können, hat die Stadt Flensburg deshalb zusätzlich zu den Hallen der Gemeinschaftsschule West und der Hanna Ahrendt Schule auch die Fördehalle für Übernachtungszwecke vorbereitet. Die Maßnahme zeigt, dass die Stadt auf eine Veränderung des Reiseverhaltens der Transitflüchtlinge vorbereitet ist, und sich in relativ kurzer Zeit auf neue Entwicklungen einstellen kann. Es gibt Bemühungen, die Fördehalle so schnell wie möglich wieder dem Sport zur Verfügung zu stellen. Es wird weiterhin mit Hochdruck daran gearbeitet, eine Alternative für die beiden anderen Hallen zur Verfügung zu stellen, damit auch hier demnächst der Schul- und Vereinssport wieder stattfinden kann“, heißt es in der Mitteilung der Stadt Flensburg.

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