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Juwlier-Überfall in Flensburg : Opfer soll für Diebestour haften

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei Einbrecher stehlen den Polo eines Studenten und fahren damit in ein Juwelier-Geschäft. Für den Autobesitzer könnte das teuer werden.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2013 | 08:10 Uhr

Flensburg | Mit einem gestohlenen Polo sind Einbrecher vor zwei Wochen in der Flensburger Innenstadt durch die Panzerglastür eines Juweliers gefahren und haben über 100 Luxusuhren gestohlen. Ärgerlich nicht nur für Angela und Kurt Ohlsen, die Geschäftsinhaber, sondern auch für den Besitzer des Autos. Er wird möglicherweise in seiner Kfz-Haftpflicht höhergestuft – für einen Schaden, den er nicht zu verantworten hat.

Der VW Polo steht auf dem Schrottplatz. „Es ist ein Totalschaden“, sagt Besitzer Martin M. (29), angehender Sonderschullehrer aus Flensburg. Für den jungen Mann aus zwei Gründen eine Katastrophe: „Ich habe mir das Auto vom Mund abgespart und nur eine Kfz-Haftpflicht abgeschlossen.“ Für seinen 22 Jahre alten Wagen, der 500 Euro gekostet hat, kommt also keine Versicherung auf. „Ich jobbe neben dem Studium in der amublanten Familienhilfe, kann ohne Auto nicht mehr arbeiten. Nun steht aber auch im Raum, ob ich wegen des Schadens an dem Juweliergeschäft höhergestuft werde.“

Der Fall: Am Abend vor der Tat parkt der Student seinen Wagen abgeschlossen auf einem öffentlichen Parkplatz. „Meine Straße war wegen Bauarbeiten gesperrt.“ Als M. nachts um 2 Uhr mit seinem Hund noch einmal Gassi geht, sieht er: Der Polo ist weg. Er ruft die Polizei an, wird auf die Dienststelle gebeten. „Eine Beamtin erklärte mir, das Auto sei für eine Straftat genutzt worden, der Täter habe es zu Schrott gefahren.“

Mehr erfährt der Student in dieser Nacht nicht. „Am nächsten Morgen habe ich meinen Polo dann wiedergesehen. Auf shz.de gab es ein Foto des Einbruchs.“ Die Sorge des Studenten: Der Juwelier könnte sich an seine Kfz-Haftpflicht wenden, um den Schaden an seinem Geschäft zu begleichen. Versichert ist Martin M. bei der Huk-Coburg. Pressesprecher Holger Brendel sagt: „Der Fall ist uns gemeldet worden.“ Dann erklärt er: „Die Grundidee einer Kfz-Haftpflicht ist, dass ein Geschädigter nicht auf seinen Kosten sitzen bleibt.“ Deshalb hafte ein Halter unter Umständen auch, wenn er gar nicht der Fahrer gewesen sei. Brendel: „Bei Gebrauch geht von einem Kfz grundsätzlich eine sogenannte Betriebsgefahr aus.“ Und das Straßenverkehrsgesetz regelt, dass eine solche Betriebsgefahr zu einer „verschuldensunabhängigen Gefährdungshaftung des Halters“ führt.

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) teilt man die Sichtweise der Huk-Coburg nicht. Versicherungsexperte Stephan Schweda: „Die Ramm-Aktion war eine vorsätzliche Tat. Deshalb ist die Kfz-Haftpflichtversicherung zur Regulierung nicht verpflichtet.“ Im Gesetz heißt es: Die Haftung ist ausgeschlossen, wenn ein Dritter das Fahrzeug ohne Wissen und Wollen des Fahrzeughalters nutzt und dem Halter die unrechtmäßige Nutzung nicht vorgeworfen werden kann. Im Klartext: Der Juwelier hat keine Ansprüche an den Studenten, die Höherstufung in der Schadensfreiheitsklasse entfällt damit. Darauf angesprochen erklärt der Sprecher der Huk-Coburg: „Wir machen noch keine abschließende Aussage, da das Verfahren noch läuft.“ Er sagt aber auch: „Eine Höherstufung steht noch nicht fest, es braucht Zeit, diesen nicht alltäglichen Fall zu prüfen.“

GDV-Experte Schweda betont: „Verpflichtet zur Begleichung des Schadens sind auf jeden Fall die Täter.“ Einer der Männer wurde gefasst. „Von ihm könnte der Student die Erstattung des Zeitwertes seines Wagens einfordern“, so der Experte. Ob bei dem Schweden Geld zu holen ist, ist vollkommen unklar. Student Martin M. sagt: „Ich habe auf jeden Fall keins, kann mir also auch keinen Anwalt für einen Prozess leisten.“

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