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Nach Filmdreh für Youtube : Opfer berichten: Das Trauma mit der Kettensäge

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei junge Flensburgerinnen stehen nach Begegnung der unheimlichen Art unter Schock – jetzt schildern sie ihre Sicht der Dinge.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2014 | 08:21 Uhr

Flensburg | Für die einen ist es nicht mehr als ein Scherz – für andere geschmacklos, unverantwortlich und makaber. Für Sarah und Janin (24) ist es ein Trauma. Ein Erlebnis, das die Flensburgerinnen in Todesangst versetzt hat. „Wir dachten, unsere letzte Stunde hat geschlagen“, sagen die beiden. Sie wurden im Rahmen eines Video-Drehs nachts mit einem maskierten Schüler, laufender Kettensäge und einem scheinbar blutüberströmten Opfer konfrontiert – und ergriffen Hals über Kopf die Flucht.

Es ist zwei Uhr in der Nacht zum vergangenen Sonntag, als die jungen Frauen sich auf dem Nachhauseweg befinden. Die St.-Jürgen-Treppe dient ihnen als Abkürzung. Plötzlich kriecht ein Mann direkt vor ihnen aus dem Gebüsch und ruft um Hilfe, seine Kleidung ist blutrot verschmiert. „Zunächst dachte ich, es sei ein Betrunkener“, sagt Janin.

Doch dann schält sich ein weiterer Schatten aus der Dunkelheit. „Wir hörten nur noch das kreischende Geräusch einer Kettensäge und stürzten die Treppen hinunter.“ Dabei fällt Janin der Länge nach bäuchlings auf das Pflaster. Prellungen an Arm und Becken. Sie ignoriert den Schmerz und läuft und läuft – hinter ihnen ein Verfolger. Der ruft : „Stopp! Wir haben alles auf Band“, als die beiden Frauen schon fast an einem rettenden Hotel angekommen sind. Dort alarmieren sie die Polizei, wählen mit zitternden Fingern 110. Ihr Verfolger, offenbar der „Kameramann“, versucht zu beschwichtigen. Es handele sich lediglich um einen Versuch, um die Reaktion von Passanten zu testen. Die meisten hätten sich darüber amüsiert.

Das sieht in dem auf der Internet-Plattform Youtube hochgeladenen Horror-Prank-Video („Prank“, engl. Streich) allerdings ganz anders aus. Dort ergreifen verschreckte Bürger am Hafen oder in der Innenstadt reihenweise die Flucht. „Solche Szenen zu drehen, ist fahrlässig, zumal an einer Treppe“, sagt auch Janin, „es hätte auch einen Herzkranken oder eine Schwangere treffen können.“

Nachdem eine Streife am Hotel eingetroffen ist, kehren Beamte mit der Gruppe an den Tatort zurück. Die Frauen mit klopfendem Herzen. Dort warten die unheimlichen Gestalten, jetzt zivil gekleidet. An der Treppe wird ein Filmverbot erlassen, die Schüler sehen einem Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung entgegen.

Ihre Opfer werden unterdessen von Schlafstörungen, Albträumen und Verfolgungsängsten geplagt. „Ich hatte nie Angst in der Dunkelheit, damit ist es jetzt vorbei“, sagt Sarah. „Wir haben uns auch von der Polizei nicht richtig ernst genommen gefühlt.“ Sie hat vom Hausarzt eine Überweisung zum Psychiater bekommen, mit dem sie das Geschehen verarbeiten soll.

Achim Trautmann, Leiter der Handelslehranstalt (HLA), hat in seinem Urlaub von den Vorgängen erfahren und weiß, dass Schüler seiner Einrichtung verantwortlich sind. Er dementiert, dass es sich, wie anfangs kolportiert, um ein schulisches Kunstprojekt gehandelt habe. „Das haben sie in Eigenregie gemacht.“ Das Video selbst empfinde er als „grauenhaft“, auch wenn die Säge ohne Kette benutzt worden sei. „Erschreckend auch, dass der Clip schon 7000 Mal angeklickt worden ist.“ Er werde nun nicht nur das Gespräch mit den Betroffenen suchen, sondern das Thema auch in den Unterricht einbringen. An eine Bestrafung sei nicht gedacht. Zu denken gebe jedoch, dass die Schüler im Alter zwischen 18 und 22 sich bis jetzt uneinsichtig gezeigt hätten. Tatsächlich kündigen sie im Internet an, weiter drehen zu wollen. „Wir haben kein Filmverbot, weitere Videos werden folgen.

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