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Geschichte in Flensburg : Opa Christian sprang aus dem Zeppelin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Und unter uns die Welt“: Autorin Maiken Nielsen hat das „Hindenburg“-Unglück von Lakehurst bis in die US-Vernehmungsakten recherchiert.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2017 | 10:39 Uhr

Der Abend beginnt mit zwei Geständnissen. Erstens: Die Schriftstellerin Maiken Nielsen (51), gebürtige Hamburgerin mit Großvater von der Insel Sylt, seit 15 Jahren dem Unglücksflug des Luftschiffs LZ 129 „Hindenburg“ auf der Spur, war noch nie in Flensburg – der Heimatstadt von Hugo Eckener. Und das, obwohl Opa Christian Nielsen in Friedrichshafen für den Flensburger Luftschiffpionier gearbeitet hatte. Christian Nielsen ist der Held ihrer Romanbiografie „Und unter uns die Welt“, aus der Maiken Nielsen Dienstagabend bei Bücher Rüffer las. Und Flensburg bekommt von der Luftschifflesungsreisenden an diesem strahlenden Tag Bestnoten: „Ich dachte, das gibt’s doch gar nicht: Wie schön ist diese Stadt“, schmeichelt sie ihren rund 30 Zuhörern.

Maiken Nielsens Vater Rink verdankt Hugo Eckener übrigens seinen Vornamen. Der kommt in Friedrichshafen zur Welt – doch der schwäbische Standesbeamte weigert sich, auf „Rink“ eine Geburtsurkunde auszustellen. Das sei gar kein Name. Da bittet Opa Christian, Dr. Eckener anrufen zu dürfen – der dem Amtsmann bestätigt, dass Rink ein norddeutscher Name sei.

Christian Nielsen ist ursprünglich Seemann und auf seiner ersten großen Schiffsreise 1929 auf einem Chile-Segler in einen Hurrican geraten. Jahre später macht er sich seinen Traum wahr, die Welt von oben als Luftschiffoffizier zu erleben – es ist die Reise von LZ 129 Hindenburg – mit vier Kapitänen startet die Reederei von Frankfurt nach New York, kommt in eine Gewitterfront. Ohne Landeerlaubnis verharrt die Hindenburg wie ein Luftschloss in den Wolken. Und als sie Feuer fängt an diesem 6. Mai 1937, versucht Christian Nielsen sich zunächst auf die Luv-Seite des Zeppelins zu retten. Doch sie sind 15 Meter über dem Boden. Schließlich gelingt ihm und seinem Freund Eduard Boetius der rettende Sprung.

Autorin und Journalistin Maiken Nielsen hat für das Buch nicht nur im Friedrichshafener Museum recherchiert, sondern in den USA die Vernehmungsprotokolle der Lakehurst-Katastrophe eingesehen.

Opa Christian bleibt für sie eine mythische Figur – der Mann, der mit den Nationalsozialisten nichts am Hut hatte – aber auch ihrer Oma Maria am Ende die amerikanische Journalistin Lil Kimming vorzieht.

Auch Maiken Nielsen gibt an, sich auf Reisen am wohlsten zu fühlen. Womit wir beim zweiten Geständnis des Abends sind. Vergangene Woche hat sich Maiken Nielsen einen Wirbel angebrochen. Der Arzt hat ihr daraufhin die Lesereise verboten. Doch die Frau, die einen großen Teil ihrer Jugend auf Frachtschiffen verbracht hat, dort von den Eltern unterrichtet wurde und sechs Sprachen fließend spricht, lässt sich das Reisen nicht verbieten.

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