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Junge Familien in Flensburg : Oma fehlt die Zeit zum Babysitten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Diskussionsabend der Schutzengel-Akademie im Culturgut Weiche zu Generationengerechtigkeit

„Die Vertreter der Generation 50plus wollen nicht immer ’nur’ helfen. Wir wollen uns aktiv beteiligen und diskutieren.“ Ute Morgenroth, Leiterin des Café 50plus, brachte auf den Punkt, was Volker Syring bereits in seiner Einleitung als neue Herausforderung für die Generationengerechtigkeit ausgemacht hatte: Das Zusammenleben der Generationen hat sich verändert – in den Familien und gesamtgesellschaftlich. Noch immer brauchen junge Familien Unterstützung, doch „die bisherigen Lösungswege funktionieren nicht mehr wie gewohnt“, so der Schutzengel-Chef. Als Ursachen dafür wurden an dem Diskussionsabend im Culturgut Weiche gleich mehrere ausgemacht: Die älteren Menschen von heute arbeiten länger – auch, um ihre Rente aufzubessern. Ihnen fehlt daher Zeit für Ehrenämter. Innerfamiliär stehen zudem oft unterschiedliche Wohnorte einer unkomplizierten und spontanen Unterstützung zwischen Eltern- und Großelterngeneration im Weg. Und: Die „jungen Alten“ sind nicht die, „die sich nur um die Kinder kümmern wollen“, so Morgenroth. Sie suchten auch den Austausch mit Jugendlichen. „Und sie wollen – und sollen! – genießen.“ Auch das sei Generationengerechtigkeit. Durch ihre veränderten Bedürfnisse und aktuellen Lebensbedingungen stößt diese neue Generation älterer und alter Menschen ein Umdenken im generationsübergreifenden Miteinander an.

Generationengerechtigkeit klinge unpassend, merkte Simone Lange an. Vielmehr müsse es um ein Generationenfüreinander oder -miteinander gehen. Zeit und Anerkennung für das Ehrenamt seien zentrale Aspekte, wenn es darum gehe, diese gesellschaftliche Herausforderung zu meistern. Und dabei gehe es nicht nur um Auszeichnungen für ehrenamtlich Engagierte. „Wir müssen zusätzlich über neue Modelle nachdenken. Auch das bedingungslose Grundeinkommen ist diskussionswürdig. Das wäre auch gut für das Ehrenamt“, so die Rathauschefin.

Ein Blick auf die Bedürfnisse der „Jungalten“ zeige zudem, dass diese „neue Generation von ehrenamtlich Engagierten“ anspruchsvoll sei und etwas dazulernen wolle, betonte Christiane Dethleffsen, Vorsitzende des Vereins Schutzengel. Mit der Schutzengel-Akademie, die auch diese Podiumsdiskussion ausrichtete, komme man diesem Bedürfnis entgegen. Von, über und miteinander zu lernen, könne zudem auf unterschiedlichen Wegen geschehen, etwa an Schulen. An der Ostseeschule stehe zum Beispiel „Servicelernen“ auf dem Stundenplan. „Eine gute Idee“, so Dethleffsen. Madlen Kikill, die als Mutter und Pädagogin auf dem Podium saß, unterstützte den Gedanken. Auch „Respekt vor dem Alter“ könne ihrer Ansicht nach in Schulen und Kindergärten wieder stärker eine Rolle spielen. Margarete Stachera vom Seniorenbeirat forderte zudem eine Anlaufstelle für Ehrenamtliche in diesem Bereich – und mehr finanzielle Unterstützung. Ein „Leih-Oma-Projekt“ sei heute kein Selbstgänger mehr.

Ein positives Beispiel für ein gelingendes Generationenmiteinander stellte eingangs Andrea Peter vom Kindergarten der Arche Flensburg in Weiche vor. An ihrem gemeinsamen Projekt mit der benachbarten Seniorenwohnanlage würden sich zwar nicht viele Senioren beteiligen, die Begegnungen, die stattfinden, seien dafür aber besonders intensiv.

Raum für generationsübergreifende Begegnungen will auch der SBV schaffen: mit seinem Neubauprojekt Mürwiker Garten. Neben 73 Seniorenwohnungen und einer Gästewohnung wird unter anderem eine Kita des ADS-Grenzfriedensbundes in den Wohnkomplex am Schottweg einziehen. „Das wird das Leben richtig bunt machen“, hofft Dirk Grünberg, Leiter Wohnservice beim SBV. Konkrete Ideen, wie dieses bunte Leben gestaltet werden könnte, gibt es bereits: „Wir werden in der Kita zum Beispiel ein plattdeutsches Sprachprofil haben – da ergeben sich sicher auch viele Anknüpfungspunkte zu den Bewohnern“, erklärt Gesa Görrissen aus der Kita-Abteilung von ADS.

Neue Blickrichtungen auf das Thema brachte während der Veranstaltung immer wieder das Improvistaionstheater „Improgramm“ auf die Bühne – von Zukunftsvisionen, in denen Pflegeroboter Hermann erstmals „seiner Patientin“ begegnet, bis zu kurzen Variationen zum Thema Einsamkeit.

Schutzengel-Geschäftsführer Volker Syring: „Wir müssen herausfinden, was die Generationen als wertschätzend empfinden. Dazu müssen wir sie fragen und an einen Tisch holen.“ Der gemeinsame Diskussionsabend war ein Auftakt dazu. Dass sich ehrenamtliches Engagement über alle Generationen hinweg lohnt, hatte Dr. Sabrina Korsch bereits in ihrem Vortrag zu Gesundheit und Ehrenamt gezeigt: „Die Helfenden leben länger.“

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