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Flensburger Fundsache : Oluf-Samson-Gang: Der Millionenschatz vom Zwischenboden

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Zum Andenken an den größten Betrug Deutschlands.“ Handwerker stoßen bei Sanierungsarbeiten im Flensburger Oluf-Samson-Gangs auf eine wütende Botschaft aus der Vergangenheit.

Flensburg | Sven Pulka und seine Partner haben schon vielen alten Häusern auf den Zahn gefühlt. Und alle alten Häuser haben dem Team von der Weeser Zimmerei „Holzverbindung“ etwas über alte Zeiten erzählt. Kleine Botschaften von Handwerkern, die Jahrzehnte zuvor etwas für die Nachwelt hinterlegt hatten. Bier und Kornflaschen, die damals aktuelle Tageszeitung und Ähnliches. Der jüngste Fund im Zwischenboden des Hauses Oluf-Samson-Gang 16 aber war schon etwas Besonderes: In einer Zigarrenschachtel aus Blech (Marke Handikap) fanden die Handwerker einen Millionenschatz.

„Zur Ruhe setzen kann ich mich trotzdem nicht“, seufzt Pulka. Das wohl nicht. Der „Millionenschatz“, ein großes Bündel Geldscheine, bedruckt mit Schwindel erregenden Zahlen, stammt aus der Hyperinflation der Weimarer Republik (1918-1933), dem Währungsalptraum nach dem Alptraum des großen Krieges. Was die damaligen Bewohner des Hauses Oluf-Samson-Gang von dieser ihrer Zeit hielten, lässt sich aus der Hinterlassenschaft im Zwischenboden unschwer rekonstruieren. „Zum Andenken an den größten Betrug Deutschlands 1919 - 1924“ steht in Druckbuchstaben auf einem Zettel und auf einem zweiten offenbaren sich die Autoren: „August Prien, geb. 1898 und Christian Langerwisch, geb. 1866“.

Beide gehörten Generationen an, die mit ihrem total entwerteten Geldvermögen die Kriegs- und Reparationskosten des irrsinnigen Waffengangs beglichen. Sowohl der Kriegskaiser als auch die ihm folgende unglückselige Weimarer Republik zahlten ihre Schulden aus der Gelddruckmaschine. Ohne Zweifel: August Prien und Christian Langerwisch hatten alles andere als rosige Zeiten im Oluf-Samson-Gang.

Die Farbe Rosa kam erst später. Während des Teilabbruchs des Baudenkmals (notwendig wegen massiven Hausschwammbefalls) stieß das Team vom Bau auf psychedelische Tapetenmuster aus den siebziger Jahren und intensiv pinkfarbene Raufaser-Anstriche. Auch sie Zeichen einer Epoche. Vor vier Jahren zogen die zwei letzten Damen des Hauses Oluf-Samson-Gang 16 aus. Jetzt nicht mehr benötigte Accessoires lagerten in Tüten neben kostbaren barocken Fensterzargen noch auf dem Dachboden.

Über 80 Jahre, so der auf Altbausanierung spezialisierte Flensburger Projektentwickler Michael Krebs, war der „Oluf“ nach der Zeit der Priens, der Handwerker und der Seeleute fast vollständig Rotlichtbezirk, ehe in den späten 70-er Jahren mit der bürgerlichen Wiederbesiedelung die Sanierung der Häuser – und damit auch ihre Rettung begann. Für Krebs, der die bauhistorische Untersuchung (nicht nur dieses) Denkmals verantwortet, ist der Grund entlang des „Oluf“ eine weit zurück reichende und sehr facettenreiche Zeitreise: „Unter dem Boden fanden sich Fundamentspuren der vorherigen Bebauung, die ins 13. Jahrhundert zurückreicht.“

Im Spätsommer will das Team von der „Holzverbindung“ das Erdgeschoss bezugsfertig haben, Weihnachten soll der neue Mieter – Martin Schulz, Geschäftsführer des Museumshafens – im ehemaligen Haus der Sünde feiern. Vom Millionenschatz wird Schulz kaum Geschenke kaufen können. „Ich hab’ bei ebay nachgesehen: Eine Million Mark ist dort drei Euro fünfzig wert.“

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erstellt am 20.Mär.2015 | 08:01 Uhr

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