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Flensburger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 11:22 Uhr

Øl gegen Bares

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2013 | 07:22 Uhr

Kontrollen mit Ansage: Der deutschlandweit inszenierte „Blitz-Marathon“ war im Vorfeld medial derart offensiv aufbereitet worden, dass gut informierten Autofahrern eigentlich nichts Schlimmes mehr hätte widerfahren dürfen. Zudem ist in Flensburgs Baustellen-Chaos ohnehin kaum noch eine Straße sportlich befahrbar.

Die Warnungen zeigten Wirkung: In der vorab wiederholt genannten Merkurstraße kam binnen gut zwei Stunden kein einziger potenzieller Raser vom rechten Weg ab, während eine Woche zuvor dort noch 27 Sünder in die Falle getappt waren. Im Marrensdamm gar, wo perfider Weise unangekündigt geblitzt wurde, fuhr man in Scharen ungebremst ins Verderben.47 Fahrzeuglenker werden demnächst Post von der Bußgeldstelle im Briefkasten vorfinden. Punkte nicht ausgeschlossen. Die Auswertung dauert an, doch die Stadtkasse jubiliert schon jetzt.

Chronische Zeitungsverweigerer, Menschen ohne Rundfunk , Internet- und TV-Boykotteure mit einem Faible für den flotten Fahrstil hatten schlechte Karten. Und nicht nur die: Auch in unserem Nachbarland hatte sich die konzertierte Aktion offenbar noch nicht herumgesprochen. Kurz vor der Grenze waren es zur Hälfte Dänen, die unliebsame Bekanntschaft mit der gefürchteten Radarpistole machten. Die meisten zeigten sich einsichtig und zückten stante pede ihre Brieftasche, blätterten brav die Scheine auf den Tisch oder fuhren mit ihrer Dankort kurz zum Automaten, ohne die Möglichkeit der Flucht auch nur im Ansatz in Erwägung zu ziehen.

Doch auch unter den hyggeligen Dänen gibt es Rebellen. In diesen Fällen wird dem bundesdeutschen Geschwindigkeitsmesser ein Höchstmaß an Verhandlungsgeschick abverlangt. Denn wenn ein Delinquent sich hartnäckig weigert zu zahlen, gibt es zwar die Option eines Ersuchens an die dänischen Kollegen, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen, sondern sie unbarmherzig weiter zu verfolgen. Die Crux jedoch: Das Bußgeld landet dann in der dänischen Staatskasse – die deutschen Behörden gucken in die Röhre.

Warum also nicht den Führerschein (sofern vorhanden) so lange einbehalten, bis er gegen Bares ausgelöst wird? Auch das funktioniert nicht immer. Dagegen gibt es ein todsicheres Mittel, den renitenten Nachbarn zur Zahlung zu bewegen. Man öffnet kurzerhand den Kofferraum, konfisziert die dort verstauten Paletten Bier und hat damit ein Pfand erster Güte in der Tasche. So trifft man den trinkfreudigen Wikinger an seiner empfindlichsten Stelle. Die Erfahrung der Beamten: Sie kommen wieder und zahlen – garantiert!

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