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Seniorenheim in Flensburg : Ohne Telefon: Keine Verbindung mit Oma und Opa

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Seniorenheim Fördeblick sind die Bewohner schon seit vier Wochen telefonisch nicht mehr direkt zu erreichen – und Versatel darf nichts sagen.

Flensburg | Seit vier Wochen sind die 79 Bewohner des Seniorenheims Fördeblick von der Außenwelt abgeschnitten. Sie sind per Telefon nicht mehr erreichbar, jedenfalls nicht direkt. „Das ist ein unhaltbarer Zustand!“, schimpft Ursula Winkler (89), die seit einem Jahr hier lebt und auf das Telefon angewiesen ist.

Die Residenz an der Mürwiker Straße ist seit vielen Jahren Kunde der Versatel. Zu der fünfstelligen Stammnummer kommen theoretisch 999 Durchwahlnummern von 000 bis 999. „Davon sind etwa 100 vergeben“, schätzt Regina Bennewitz-Müller, Leiterin des Hauses. Neben den 79 Bewohnern haben mehrere Einrichtungen wie Wäscherei, Küche und Büro Direktanschlüsse – bis 7. März. Dann war plötzlich Schluss. „Diese Nummer ist nicht erreichbar“, sagt eine weibliche Stimme, wenn man zum Beispiel die Durchwahl der Pflegedienstleiterin Barbara Klein wählt. Dabei sitzt sie direkt vis-a-vis mit dem Telefon in der Hand – und lächelt grimmig.

Das Leitungsteam ist schwer genervt und hat jetzt sogar einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Ganz abgesehen davon, dass die Dame in der Telefonzentrale den Großteil ihrer Arbeitszeit mit dem Weiterleiten von Gesprächen verbringt, müssen sich die Mitarbeiter des Fördeblicks täglich viele Beschwerden von Angehörigen der Bewohner anhören. „Wir sind aber auch für mögliche Interessenten nicht mehr erreichbar“, gibt Regina Bennewitz-Müller zu denken – jedenfalls nicht, wenn die Kunden eine Durchwahlnummer gewählt haben.

Man habe natürlich sofort bei der Versatel angerufen, als das Problem Anfang März eintrat. „Ein paar Tage lang wurden wir nur veräppelt“, so die Leiterin. Niemand war zu erreichen oder aber nicht zuständig. „Ich habe einmal eine Stunde in einer Warteschleife verbracht“, ergänzt Barbara Klein. Am Ende war die Antwort knapp und ernüchternd: Der Nummernblock 000 bis 999 stehe nicht mehr zur Verfügung, habe die Versatel mitgeteilt. Dies habe die Telekom als Netzbetreiberin verfügt. Es blieb ein Geheimnis, warum man dies der Heimleitung nicht rechtzeitig mitgeteilt habe. Man könne aber gern einen neuen Nummernblock hinzukaufen.

Die Empörung steht Regina Bennewitz-Müller und Barbara Klein ins Gesicht geschrieben. Man habe alle Bewohner natürlich informiert und alle Angehörigen angeschrieben. Dennoch bleibe es nicht aus, dass Externe das Haus und seine Leitung für die Telekommunikationspanne verantwortlich machen. „Mein Sohn ist gerade in Spanien“, so Ursula Winkler, „der macht sich doch Gedanken, warum er mich nicht erreichen kann.“ Als Seniorchefin der Firma H.D. Winkler Kältetechnik, die ihr Mann gegründet hat, führe sie hin und wieder auch noch Gespräche mit Kunden, die sie jetzt nicht erreichen können, klagt die 89-Jährige.

Versatel darf zu dem Problemfall nichts sagen. Pressesprecherin Ina Neuhaus aus der Düsseldorfer Zentrale teilte auf Anfrage mit, dass sie zwar etwas sagen könne, der Kunde – also das Seniorenheim Fördeblick – der Versatel jedoch nicht erlaubt habe, mit der Presse über den Fall zu sprechen. Die Geschäftsführerin der Hamburger Trägergesellschaft Meritus, Sandra dos Santos, war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen

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