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Flensburger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 15:39 Uhr

Maasholmer Tradition : Ohne Gilde geht es nicht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Erst „Stimmabend“, dann „Lustigkeit“, und zum Schluss „Richtigkeit“ – die jungen, unverheirateten Maasholmer wollen ihre Traditionen nicht missen. Und sie sind auch stets auf der Suche nach neuen Gildebrüdern.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2013 | 07:45 Uhr

„The same procedure as every year“ ist seit gestern in Maasholm angesagt: Die seit 1757 bestehende Junge-Leute-Gilde feiert. Dazu gehörte am gestrigen zweiten Weihnachtstag der Tradition entsprechend der „Stimmabend“, und es folgen am 29. Dezember die „Lustigkeit“ und schließlich am 1. Januar die „Richtigkeit“ – sprich Kassensturz und Prüfung der Frage, ob alle eingenommenen Strafgelder reichen, um die Kosten zu decken. Und alle drei Ereignisse wurden und werden an den genannten Tagen vormittags pünktlich um 10 Uhr mit dem üblichen „Flagg utstecken“ vor dem Gilde-Lokal angezeigt – so wie gestern.

„Zwischen den Jahren“ – also Weihnachten und Silvester – sind Maasholms Junggesellen in ihrem Element: So war es und so soll es bleiben, sind sich die jungen Männer einig. Und deshalb ist es für sie Ehrensache, wenn sie mindestens 17 Jahre alt sind, Maasholmer Wurzeln haben oder mindestens seit drei Jahren in der Schleigemeinde leben, sich der Junge-Leute-Gilde anzuschließen. So war es beispielsweise für den 24-jährigen Florian Laß eine Selbstverständlichkeit, vor sieben Jahren Mitglied zu werden. Das versteht sich für ihn von selbst, denn so war es in seiner Familie von altersher. Sein Vater musste als aktiver Gildebruder ausscheiden, als er heiratete. Für ihn als Junior war klar, dass er in die väterlichen Fußstapfen treten würde. Denn: „Das macht Spaß und gehört zur Maasholmer Tradition.“ Und außerdem: Florian Laß’ 84 Jahre alte Oma ist Jahr für Jahr Beobachterin des „Lustigkeits“-Festes und will ihren Enkel sehen.

Aktuell zählt die Gilde 23 Aktive, „nachdem wir die Mitgliederliste bereinigt haben“, so Erster Ältermann Helge Hartmann. Er steht seit mittlerweile 22 Jahren an der Spitze der Gilde, gehört ihr seit seinem 17. Lebensjahr an. Der Bootsbauer hat inzwischen die 40 überschritten und möchte sein Spitzenamt nicht missen. Er ist gewissermaßen „auf Lebenszeit“ gewählt. Denn Ältermann-Wahlen gibt es immer nur dann, wenn der jeweilige Amtsinhaber, aus welchen Gründen auch immer – wie zum Beispiel Heirat – aus der Gilde ausscheidet. Das alles kommt für Hartmann derzeit nicht in Frage: Er möchte die Zeremonien nicht missen.

Ausgesprochen wohl fühlte sich in der gestrigen Runde der Flagg-Utstecker im dritten Jahr seiner Gilde-Zugehörigkeit der 19-jährige Malte Mischke – er setzt die Aktiven-Tradition von Vater Thomas fort. Der wechselte nach seiner Heirat ins Ex-Gildebrüder-Lager und gehört seitdem zu jenen derzeit rund 100 Ehemaligen, die alle fünf Jahre zur „Lustigkeit“ eingeladen werden – so wie vor einem Jahr, als dieses „große Fest“ zum 255. Mal gefeiert wurde.

Diesmal bleiben die Aktiven am Sonntag gewissermaßen unter sich. Natürlich laden sie sich Maasholms „holde Weiblichkeit“ zum Feiern und entsprechend der Statuten zum Reihentanz ein. Und natürlich wird es wieder viele Zaungäste geben. Ob die „Nötiger“, die gestern am frühen Abend in der Gemeinde unterwegs waren, um fünf möglichen Aspiranten die Mitgliedschaft in der Gilde anzutragen, erfolgreich waren, wird sich am Sonntag zeigen. Versucht haben sie dies mit dem Spruch: „Moin, frohes Fest für’n Rest, soll schön grööten vun de Öllerlüüd – schneer un schnar, Gebimmel un Gebammel – un wülln di recht hartlich inlaaden, woll’n fragen, op du mitmakst“.

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