Ohne Galerie, ohne Kopf und Flügel: Wann wird die Johannismühle zum Leben erweckt?

Richtig gesehen: Das grauschwarze Etwas mit dem Stab in der Mitte ist die Johannismühle - oder das, was davon übrig ist. Foto: staudt
Richtig gesehen: Das grauschwarze Etwas mit dem Stab in der Mitte ist die Johannismühle - oder das, was davon übrig ist. Foto: staudt

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11. Juni 2011, 03:59 Uhr

Flensburg | Montag ist Mühlentag - auch in Flensburg. Einer Stadt, auf deren Anhöhen sich Mitte des 19. Jahrhunderts noch 19 Wind-mühlen gedreht haben sollen. Heute dreht und mahlt nur noch die Bergmühle im Nordwesten der Stadt, und auch nur noch zu besonderen Anlässen wie eben Pfingstmontag von 11 bis 17 Uhr.

Ihr Gegenstück im Südosten der Stadt, die Johannismühle, ist seit Jahr und Tag ein unwürdiger Anblick. Seitdem der letzte Müllermeister vor sieben Jahren alle Versuche einstellen musste, die Mühle wiederzubeleben, herrscht Stillstand. Der Mühlenkopf steht immer noch vor dem historischen Müllerhaus und dient nur noch als Unterstand für ein paar überflüssig gewordene Geräte und den Grill der Mieter. Die letzten Mühlenflügelattrappen, die noch ein paar Jahre achtlos auf der Wiese lagen, sind längst verschwunden. Ersatz ist nicht in Sicht. Unmittelbar vor dem Jahreswechsel waren Inhaber Hans-Werner Urbschat, der die Mühle vor gut zehn Jahren als echtes Schnäppchen von der Wobau übernommen hatte, noch 3000 Euro aus dem Denkmal-Fonds der Stadt bewilligt worden, nachdem er angekündigt hatte, die Galerie der historischen Holländermühle von 1808 für 41 000 Euro renovieren zu wollen. Nicht zum ersten Mal hatte Urbschat einen kurzfristigen Baubeginn zugesagt. Zum Beispiel drei Jahre zuvor, als der stadtbekannte Investor versprochen hatte, die Mühle im Stadtteil Adelbylund werde bis Ende 2008 in neuem Glanz erstrahlen. Wohlgemerkt: Es ging zuletzt immer nur noch um die Renovierung der äußeren Hülle. Der Traum von der Wiedergeburt der St.-Johannismühle als Betriebsmühle war spätestens Ende 2004 ausgeträumt, als Müllermeister Walter Skau und seine Frau Sophie Mühlencafé und Mühlenladen aufgeben mussten, weil der Mühlenbetrieb zwischen klagendem Nachbarn, Justiz, Stadtverwaltung und dem zurückhaltenden Eigentümer unter die Räder kam, ohne dass am Ende klar wurde, wer das touristisch interessante und das Viertel belebende Projekt auf dem Gewissen hatte.

Nun hofft die Stadt wieder einmal, dass es zumindest mit der Außenrenovierung losgehen könnte. "Es ist nicht so leicht, eine Mühle instand zu setzen", gibt Stadt-Denkmalschützer Eiko Wenzel zu bedenken. Zuletzt ging es darum, die Galerie des achtseitigen Holländers historisch richtig zu rekonstruieren. Aber man solle doch lieber den Inhaber fragen.

Also Anruf bei Hans-Werner Urbschat in seinem Büro in Sonwik. Er ist sofort am Telefon, bedauert aber, dass er keine Zeit habe: "Eine Besprechung." Um 17.30 solle man sich wieder melden. Doch da musste der Geschäftsmann bereits wieder los. Am Freitagmorgen könne man sich ja melden. Da sei Urbschat auf jeden Fall zu erreichen, darf sein Büro melden. Doch gestern früh hat der Reporter wieder Pech. Urbschat hat wieder keine Zeit mehr.

Genau wie die Johannismühle mit ihrem holzverschalten Rumpf: Immer mehr Holzschindeln fehlen. Und überall gammelt und rostet es.

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