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Aus der Insolvenz : Offset Ketels: Rettung für 82 Drucker

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit Frank Ellerhold übernimmt ein gebürtiger Ringsberger den Betrieb – die Mitarbeiter zahlen dafür mit zweieinhalb Stunden Mehrarbeit. Damit endet für die Mitarbeiter ein halbes Jahr Angst um den Job.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2013 | 18:08 Uhr

Die mehr als 80 Mitarbeiter des insolventen Druckunternehmens Offset Ketels in Wees haben ihr Weihnachtsgeschenk bereits in der Tasche. Insolvenzverwalter Volker Römermann berichtete gegenüber unserer Zeitung, der sächsische Druckunternehmer Frank Ellerhold (Ellerhold AG/Radebeul, 490 Mitarbeiter, fünf Standorte bundesweit) übernehme den kompletten Druckbetrieb mit fast allen Beschäftigten. Lediglich die Übernahme einer Kraft aus der Weeser Buchhaltung sei nicht möglich. Diese Dienste steuert das Unternehmen zentral in Sachsen. Der Preis für die Belegschaft für dieses Happyend nach fast genau einem halben Jahr der Unsicherheit bestehe in künftig zweieinhalb Wochenstunden Mehrarbeit für jedes Belegschaftsmitglied – zu den gleichen Löhnen wie vorher, erklärte der Insolvenzrechtsexperte aus Hannover.

Zur positiven Wendung des Insolvenzdramas trug offenbar auch eine kleine Portion Heimatverbundenheit bei, was Frank Ellerhold gegenüber dem Tageblatt allerdings bestritt. Bei unternehmerischen Entscheidungen spiele so etwas keine Rolle. Richtig sei dennoch: „Ich bin in Ringsberg geboren, in Ulstrupfeld aufgewachsen und in Glücksburg zur Volksschule gegangen.“ Für das Unternehmen aus dem Gewerbegebiet Wees, gut anderthalb Kilometer entfernt von dem Dorf, in dem er einst aufwuchs, hat der Druckunternehmer nun eigens die Firma Ellerhold Glücksburg GmbH gegründet. Das Unternehmen sei am Montag beurkundet worden, berichtet Volker Römermann: „Wir haben neuneinhalb Stunden verhandelt.“

Da Ellerhold von der Belegschaft – mit den in Altersteilzeit wechselnden Mitarbeitern waren es knapp 100 – geänderte Arbeitsbedingungen mit besagter Mehrarbeit verlangte, musste jeder Mitarbeiter seinem neuen Arbeitsvertrag zustimmen. Die Zustimmung der 82 aktiven Mitarbeiter habe bei 100 Prozent gelegen, berichtet Römermann. Und der Investor erklärt: „Schon Ketels hatte die Arbeitszeit von 35 auf 37,5 Stunden angehoben. Wir haben im Unternehmen aber die 40-Stunden-Woche. Da kann ich keine Ausnahme machen.“

Mit Offset Ketels holt sich Frank Ellerhold nach Goetz + Müller Etiketten aus Berlin einen direkten Wettbewerber ins Unternehmen: „In der Sparte hochveredelte Plakate haben wir damit 45 Prozent Marktanteil.“ Dennoch äußert sich der Investor vorsichtig. Viele Druckereien seien in Schwierigkeiten: „Ich rechne schon damit, dass wir im ersten Jahr noch Verluste einfahren.“

Insolvenzverwalter Römermann, der nach den ersten drei Monaten mit Insolvenzausfallgeld selbst voll ins Risiko gegangen war, ist zunächst einmal froh, dass seine Rechnung voll aufgegangen ist. Er habe alle Kunden und Lieferanten bei der Stange gehalten – und am Ende hätten die gesicherten Gläubiger noch eine gute Quote bekommen. Auch die Gewerkschafter von Verdi hätten den Prozess bedingungslos unterstützt, sagt Römermann: „Und für die Mitarbeiter kommt bei zweieinhalb Stunden Mehrarbeit in der Lohntüte das Gleiche an wie vorher.“

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