Ausschreibung in Flensburg : Offener Ganztag in der Grundschule: Betreut bald Europa?

Waldschule: Preisgekrönt, aber die Nachmittagsbetreuung platzt aus allen Nähten.
1 von 3
Waldschule: Preisgekrönt, aber die Nachmittagsbetreuung platzt aus allen Nähten.

Stadt kündigt dem Verein Betreute Grundschule zum Sommer 2017 – und muss künftig die Nachmittagsangebote EU-weit ausscheiben

shz.de von
06. Juli 2015, 11:58 Uhr

Das Schreiben des Vereins Betreute Grundschule traf die Eltern von weit über 600 betreuten Kindern wie aus heiterem Himmel: Man müsse mitteilen, dass die Stadt die Kooperationsverträge mit dem Verein zum Ende des Schuljahres 2016/2017 gekündigt habe. „Wir hoffen, dass wir den Qualitätsstandard bis zu diesem Zeitpunkt weiter halten können“, teilt Bettina Hub im Namen des Vereinsvorstands mit. An dem Verein hängen Jobs von weit mehr als 30 Mitarbeitern.

Flensburgs Bildungsmanager Wolfgang Sappert beeilte sich, in einem weiteren Elternbrief „das Gerücht“ zu zerstreuen, dass die Betreuung an den Grundschulen nicht mehr stattfinde oder nicht mehr gewährleistet sei. Dies sei nicht so – und ein anderer Anbieter für das Betreuungspaket in den zehn städtischen Grundschulen stehe auch nicht bereit. Die Stadt habe die Kooperationsverträge mit dem Verein aus „vergaberechtlichen Gründen“ gekündigt – betreut werde selbstverständlich auch über den Sommer 2017 hinaus.

Was war passiert? Der Betreuungsbedarf der Flensburger Grundschuleltern ist mittlerweile auf eine Quote zwischen 30 und 35 Prozent der mehr als 2200 Grundschüler gewachsen. Und irgendwann auf diesem Wachstumspfad in Richtung 700 Kinder in der Mittags- und Nachmittagsbetreuung ist der finanzielle Wert des gesamten Betreuungspaket nach Verträgen von 1997 offenbar über eine Hürde geklettert, die ab sofort eine europaweite Ausschreibung notwendig macht. Also wird der Verein Betreute Grundschule mit seinem Büro in Engelsby bald von Anbietern aus Polen oder Portugal verdrängt? „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Sappert. Solch ein Angebot verlange schließlich Präsenz vor Ort. Und anders als beim Haus- oder Brückenbau mache Wettbewerb, einst im Kampf gegen die Korruption europaweit angelegt, in diesem Segment nicht in jeder Hinsicht Sinn.

Dass man mit dem Verein Betreute Grundschule, der gute Arbeit mache, so lange wie möglich zusammenarbeiten wollen, verdeutliche die Kündigung erst für 2017.

Ohnehin werden zusätzliche Plätze in der Betreuung dringend gebraucht. Während für die Unesco-Schule Weiche und Adelby bereist Lösungen gefunden wurden, berichtet Sappert aus der Waldschule, Hohlwegschule und Friedheim nach wie vor von Aufnahmestopps in der Betreuung. Als Lösung soll nun bereist zum neuen Schuljahr im September neu möbliert werden: „Wir denken an Möbel, die Kinder schnell verrücken können und an flexible Klassenteiler.“ So sollen nach Unterrichtsende aus Klassenzimmern Räume für die Nachmittagsbetreuung werden.

SPD-Ratsherr Arne Gräfingschulte, der im Bildungsausschuss eine Initiative für mehr Qualität in der Nachmittagsbetreuung eingebracht hat, ist jedenfalls alarmiert: „Die Standards müssen künftig so hoch sein, dass das kein Anbieter aus Polen oder Portugal machen kann.“ Immerhin biete die neue Situation endlich auch die Chance, nun konkret hohe Standards fü die Betreuungsqualität festzuschreiben. In der Vergangenheit hatten sich Eltern immer wieder gewundert, dass die Betreuung über die reine Beaufsichtigung von Hausaufgaben ohne pädagogische Leistungen nicht hinausgehe. Am Mittwoch ist der SPD-Antrag Thema im Bildungsausschuss.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen