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Regionalexpress nach Flensburg : Offene Schranken - wie sicher ist der Bahnübergang in Tarp?

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Aus der Onlineredaktion

Schon wieder fuhren zwei Züge ohne Sicherung durch den Übergang im Ortszentrum. Reaktion der Deutschen Bahn: Alles nach Vorschrift.

Tarp | In Tarp im Kreis-Schleswig-Flensburg wächst die Angst. Es ist keine drei Wochen her, seit am Bahnübergang im Ortszentrum zwei Menschen in ihren Autos schwer verletzt wurden, weil die Schrankenanlage nicht geschlossen war, obwohl ein Güterzug durchfuhr. Am Mittwochmorgen fuhren erneut zwei Züge bei offenen Schranken durch den Übergang – mitten im Berufsverkehr und während die Schulkinder unterwegs zum Unterricht im Schulzentrum waren.

Es sei beinahe wieder zu einem schweren Unfall gekommen, berichtete ein Augenzeuge. Als gegen 7.30 Uhr der Regionalexpress durchfuhr, seien die Schranken nicht geschlossen gewesen. Wegen Bauarbeiten werden die dort zurzeit aufgestellten Behelfsschranken manuell bedient. Durch die schnelle Reaktion eines Autofahrers und einiger Schüler sei Schlimmerem vermieden worden. Keine halbe Stunde später kam der nächste Zug – diesmal ein Güterzug. Wieder blieben die Schranken oben. Wieder blieb das rote Warnlicht aus.

Um kurz nach 8 Uhr: Die Schranken am Bahnübergang sind hoch, die Warnlichter aus, der Güterzug fährt trotzdem durch.
Um kurz nach 8 Uhr: Die Schranken am Bahnübergang sind hoch, die Warnlichter aus, der Güterzug fährt trotzdem durch. Foto: Presse Nord/Schmidt

Am 7. November waren zwei Autos von einem Güterzug erfasst worden, nachdem Posten einer Berliner Sicherheitsfirma den Bahnübergang nach der Passage eines anderen Zuges wieder freigegeben hatten. In diesem Fall ermittelt die Polizei noch immer, ob menschliches Versagen oder ein technischer Fehler für den Unfall ursächlich war.

Als die Polizei Mittwochfrüh alarmiert wurde, schickte sie einen Streifenwagen. Auch die Bundespolizei sei mit einer Streife vor Ort gewesen, um den Vorfall zu klären, sagte Pressesprecher Hanspeter Schwartz. Es müsse jetzt geprüft werden, ob es zu einer „betrieblichen Fehlhandlung“ gekommen sei. Nähere Angaben machte er nicht – mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen.

Die Bahn selbst sieht kein Versäumnis und beruft sich auf geltende Vorschriften. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis erklärte, es habe in beiden Fällen eine Störung gegeben und Fahrdienstleiter und Lokführer hätten sich den Vorschriften entsprechend verhalten. Die Erklärung: „Wenn die Schranken am Bahnübergang aufgrund einer Störung nicht geschlossen werden können, erledigt der Lokführer die Sicherung wie folgt: Der zuständige Fahrdienstleiter erteilt dem Triebfahrzeugführer den schriftlichen Befehl, vor dem entsprechenden Bahnübergang zu stoppen. Durch das Andreaskreuz ist die Vorfahrt für Schienenfahrzeuge klar geregelt. Der Triebfahrzeugführer gibt ein Hupsignal und fährt langsam im Schritttempo auf den Übergang. Wenn die Lok auf dem Überweg steht, ist dieser gesichert. Der Zug fährt dann normal weiter.“

Aber wie sah die Störung aus? Nach Aussage des Bahnsprechers habe sich am Morgen ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma krank gemeldet, und mit nur einem Mitarbeiter sei der Bahnübergang nicht vorschriftsmäßig zu sichern. Dem widersprach Augenzeuge Oliver Schmidt. Nach seinen Angaben waren zum Zeitpunkt, als der Güterzug die Kreuzung passierte, beide Mitarbeiter der Sicherheitsfirma am Ort. Auch sei der Zug nicht mit Schrittgeschwindigkeit, sondern mit erheblich höherem Tempo gefahren und habe seine Fahrt erst später verlangsamt. „Autos machten eine Vollbremsung, zwei Fußgänger mit Hund wichen schlagartig vom Übergang zurück“, so der 26-Jährige. Die Mitarbeiter, die den Schranken-Posten Mittwochmittag besetzten, berichteten auf Nachfrage von einer „Anordnung der Fahrdienstleitung, dass zwei Züge ohne Absicherung durchfahren, dass wir nicht schließen sollten“.

Unterdessen wächst in Tarp die Besorgnis. In der öffentlichen Facebook-Gruppe „Tarpbook“ meldeten sich besorgte Bürger zu Wort und berichten von ihren Erlebnissen am Bahnübergang. Eine junge Frau schreibt: „Was muss da noch passieren? Mann Leute, da muss doch mal was gemacht werden. Wie viele Leute sollen da noch verunglücken, also ich trau mich da ja schon gar nicht mehr rüber.“

An der Alexander-Behm-Schule wurden die Kinder und Jugendlichen am Mittwoch im Unterricht erneut auf die Gefahr am Bahnübergang hingewiesen, einen entsprechenden Elternbrief bekamen sie mit nach Hause. Tarps Bürgermeister Peter Hopfstock erklärte, er spüre die Unruhe im Dorf seit dem schweren Verkehrsunfall vom 7. November. Er erwartet von der Bahn „zeitnah eine Erklärung, wie das hier in Tarp weitergehen soll“.

 

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erstellt am 25.Nov.2015 | 19:40 Uhr

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