Schafsherde : Öko-Rasenmäher für das Twedter Feld

Schäfer Stefan Bargmann führt die Wanderherde an: 'Sie sind  echte Gourmets. Besonders gerne mögen sie  Eicheln und Kastanien.'  Foto: Dommasch
Schäfer Stefan Bargmann führt die Wanderherde an: "Sie sind echte Gourmets. Besonders gerne mögen sie Eicheln und Kastanien." Foto: Dommasch

Spaziergänger mit Hunden, aufgepasst! Auf dem Twedter Feld blöken und grasen die Wanderschafe.

shz.de von
25. September 2009, 11:49 Uhr

Flensburg | Ein schriller Pfiff hallt über das Twedter Feld, die Hütehunde preschen los: Emma, Yellow und Shiva kreisen die trampelnden Schafe und Ziegen ein, treiben sie zusammen - alles unter den wachsamen Augen von Schäfer Stefan Bargmann. Mit eiserner Stimme ruft der Mann seine Hunde zurück, sobald sie nach den Schafen schnappen. "Griff nennen wir das", erklärt er. "Wenn die Hunde das nicht täten, hätte die Herde keinen Respekt vor ihnen."

Über 250 Schafe und 60 Ziegen hütet der Schäfer mit dem wettergegerbten Gesicht seit Dienstag in dem Naturschutzgebiet. Rund eine Woche lang werden die Tiere über die Trocken- und Magerrasenflächen grasen und so Gehölze und Gräser an den Waldsaum zurückdrängen. Die Stadt Flensburg hat die Wanderherde "engagiert", um mit ihrer Hilfe das Naturschutzgebiet zu pflegen. Das Ziel: Die licht- und wärmebedürftigen Biotope offenzuhalten und dem Boden Nährstoffe zu entziehen.
Gourmets für Grünzeug
Dadurch kommen seltene Pflanzenarten wieder zum Zuge, die an die nährstoffarmen Böden angepasst sind, sich aber gegenüber stark verbreiteten Arten nicht durchsetzen können. "Dass Ziegen in der Herde sind, ist wichtig für den Verbiss von hohen Sträuchern und Bäumen", sagt Stefan Bargmann. Denn was den Schafen über den Kopf wachse, das rührten sie nicht an. "Sonst sind sie echte Gourmets. Besonders gerne mögen Schafe Eicheln und Kastanien."

Dass die Herde den Schäfer bei dem reichhaltigen Angebot des Twedter Feldes nicht überrennt, verhindert Hütehund Emma, die Schafe und Ziegen hinter den Schäfer zurücktreibt. "Hütehunde sind Hochleistungssportler. Gewöhnlich laufen sie 60 bis 70 Kilometer am Tag." Ärger gebe es nur, wenn mancher Spaziergänger seinen Hund nicht an die Leine nehme. "Die Hütehunde akzeptieren keine anderen Hunde bei der Herde." Das Bellen verunsichere die Schafe und Ziegen, die zu grasen aufhören. Und das sei nun einmal ihr Job. "Die Rücksicht der Hundebesitzer hat leider abgenommen", findet Stefan Bargmann und stützt sich auf seinen Schäferstab. Am Wochenende kann er ausspannen. Dann übernimmt wieder Kollegin Angela Dornis, die Besitzerin der Wanderherde ist.

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