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Ärger an der Flensburger Förde : Ochseninsel im Chaos: Keine Fähre, Streit vor Gericht und eine neue Interessentin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Abgesagte Veranstaltungen und juristische Auseinandersetzungen: Kann eine Flensburger Gastronomin die Insel retten?

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2015 | 13:00 Uhr

Flensburg | Der Ärger um die Große Ochseninsel setzt sich fort – und ein Ende ist derzeit nicht in Sicht: Der Fährbetrieb ist weiter eingestellt, dänische Behörden befinden sich in juristischen Auseinandersetzungen mit aktuellen und ehemaligen Pächtern und Mitarbeitern, die sich zudem gegenseitig wegen Körperverletzung angezeigt haben und vor Gericht stehen. Dagegen hat sich die Lage auf der Insel in den vergangenen Wochen offenbar gebessert.

Aber der Reihe nach: Ob Hochzeiten, Volkshochschulkurse oder das Okseø-Filmfestival – Veranstaltungen auf der Großen Ochseninsel müssen bis auf weiteres ausfallen oder andernorts stattfinden, da der Fährbetrieb seit dem 20. Juni unverändert eingestellt ist. „Und daran wird sich erst etwas ändern, wenn Rüdiger Fleck die Insel nicht mehr bewirtschaftet“, sagt Olaf Kienke, einer der vier ehemaligen Pächter, über seinen einstigen Freund und Co-Geschäftsführer. Er beruft sich dabei auf eine Stellungnahme seines Vaters Uwe, dem Eigner des Fährschiffes. Wegen „erheblicher Unstimmigkeiten mit dem Inselpächter Fleck, ausstehender Zahlungen von mehreren Tausend Euro und des gekündigten Pachtvertrages für die Insel“ habe er hat das Boot nach Flensburg bringen lassen.

Den Pachtvertrag hat die dänische Naturbehörde tatsächlich zum 1. Juli gekündigt – aufgrund des eingestellten Fährverkehrs. Denn mit den Betreibern ist vertraglich fixiert, dass ein Fährbetrieb aufrechterhalten und die Insel als Ausflugsziel mit Gastronomie öffentlich zugänglich gemacht wird. Dass davon derzeit keine Rede sein könne, räumt auch Fleck ein, der von einem „zwischenmenschlichen Drama“, einer „Bootsentführung“ und einer „ökonomischen Katastrophe“ spricht. „Rund drei viertel aller Besucher kommt per Fähre, die fehlen nun.“

Doch den Kopf in den Sand steckt der einzig verbliebene von ursprünglich fünf Pächtern deshalb nicht. „Er macht einen sehr bemühten Eindruck und sorgt sich mit neuem Personal um das Wohl der Gäste“, berichtet Günther Wulf, einst Vorsitzender des mittlerweile aufgelösten Fördervereins „Øens Venner“ (Freunde der Insel) und nach eigenen Angaben noch immer ein großer Freund der Ochseninseln. „Ich kenne einige Leute in Flensburg, darunter ein wichtiger Geschäftspartner der Ochseninseln, die dort sofort wieder helfen und investieren würden, wenn die negativen Schlagzeilen ein Ende haben.“

Das Geld kann Fleck nach eigenen Angaben dringend gebrauchen. „Ich könnte von einem Hamburger Unternehmer eine Barkasse zu einem angemessenen Preis kaufen, die mit Sicherheit auch als neues Fährschiff zugelassen werden würde.“ Doch ihm fehle das Geld für die Anschaffung. Dass es Fleck ernst zu meinen scheint, bestätigt ein Flensburger, der seit Jahren häufig auf den Ochseninseln zu Gast ist, aber nicht namentlich genannt werden will. „Die Insel ist in einem ordentlichen Zustand“, sagt er. „Fleck will wohl wirklich etwas bewegen.“

Offen ist allerdings, wie lange dies noch der Fall sein wird: Die dänische Naturbehörde hat den 25 Jahre laufenden Pachtvertrag nach nicht einmal der Hälfte der Laufzeit gekündigt, wogegen Fleck jedoch Widerspruch eingelegt hat. Daher darf er die Insel bis zu einem endgültigen Gerichtsurteil weiter bewirtschaften. „Das kann bis zu mehreren Jahren dauern“, berichtet sein Anwalt Tim Leckl. Tiefergehend wollten sich beide Seiten mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Potenzieller Ersatz für Fleck steht schon bereit: Eine Flensburger Gastronomin, die ebenfalls ungenannt bleiben will, bestätigte auf Anfrage des Flensburger Tageblatts ihr seit Jahren bestehendes Interesse an einer Pacht. Nach eigenen Angaben steht sie in Kontakt mit der Leiterin der Naturbehörde Nordschleswig, die für die Ochseninseln zuständig ist.

Parallel zu dem Kündigungsprozess gegen Fleck beginnt am Dienstag in Sonderburg eine Verhandlung wegen Verstößen im Fährverkehr, bei der sich Kienke vor Gericht verantworten muss. Bei Kontrollen während mehrerer Überfahrten stellten Ermittler fest, dass einmal die erforderliche Genehmigung fehlte und die Fähre ein andermal mehr Passagiere beförderte als erlaubt. Die Vorwürfe räumt Kienke ein, sieht ihnen aber gelassen entgegen: „Das ist schon einige Zeit her und war eher ein Kommunikationsfehler seitens der dänischen Behörden.“

Die dänische Justiz beschäftigen Kienke und Fleck nicht nur mit diesen beiden Fällen: Da er einen ehemaligen Fährkapitän geschlagen haben soll, wurde Fleck zu 40 Tagen Haft verurteilt, die für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt wurden. Gegen das Urteil hat er Einspruch eingelegt und zuvor umgekehrt das vermeintliche Opfer wegen Körperverletzung angezeigt. Wie für die Ochseninsel, gilt auch hier: Ausgang offen, Fortsetzung folgt.

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