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Flensburger Kommunalpolitik : Oberbürgermeister Faber: Letzter Halt Marineschule

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Abschied von der Ratsversammlung mit großer, abschließender Debatte zur Bahnstruktur – ohne Happy-End

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2016 | 16:05 Uhr

Es war ein würdiger Ort für einen letzten Auftritt in der Ratsversammlung: In der Aula der Marineschule verabschiedete sich Oberbürgermeister Simon Faber vom höchsten Beschlüsse fassenden Gremium der Stadt und wurde seinerseits von der Stadtpräsidentin mit freundlichen Worten verabschiedet. Zu ihrem Applaus erhoben sich alle Fraktionen und die Vertreter der Verwaltung. Bei der nächsten Ratssitzung am 12. Januar ist Faber zwar noch offiziell drei Tage im Amt, doch dann werde er nicht mehr dabei sein können, ließ er den Rat wissen. Bis dahin werde er seine Amtsgeschäfte noch leidenschaftlich weiterführen.

Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar sagte, man habe sehr viel erreicht in den sechs Jahren von Fabers Amtszeit. „Flensburg ist heute eine andere Stadt als 2011.“Sie erwähnte die von Faber auf den Weg gebrachte Flensburg-Strategie und eine neue Qualität der Bürgerbeteiligung. Auch die Klausurtagungen von Rat und Verwaltung, unter anderem in Aalborg und Neumünster, seien sehr wertvoll gewesen.

An seinem letzten Tag im Rat musste Faber aber nochmal in die Bütt. Ein letztes Mal stand das Thema Bahn auf der Agenda, ein letztes Mal kämpfte Faber für seine große Idee eines neuen Fernbahnhofs Weiche, für eine Aufwertung und Beschleunigung der Jütland-Linie zwischen Aarhus und Hamburg mit einem modernen Bahnhof Flensburg am Stadtrand – ohne die lange Schleife durch die Innenstadt. Erneut erinnerte er die Entscheider im Rat daran, dass im südlichen Landesteil eine Milliarde Euro in die Bahninfrastruktur investiert werde, vor allem in die Hinterland-Anbindung der erwarteten Fehmarnbelt-Querung.

Doch Faber stellte auch Dinge klar – ohne laut zu werden, mit der ihm innewohnenden Ruhe. Natürlich habe man auch mit der Deutschen Bahn gesprochen, wies er einen Vorwurf zurück und nannte den Oktober 2015, als er mit einem hohen Vertreter des Konzern gesprochen habe. Für die Zeit der Umleitung der Züge von der Vogelfluglinie auf den Jütland-Korridor gebe es mehrere Szenarien – „leider auch eines, bei dem die Fernverkehre an uns vorbei fahren“.

In diesem Punkt ist die Mehrheitskoalition aus CDU, SPD und Grünen Faber entgegengekommen. Nach der Sitzung des Hauptausschusses am Dienstag und nach einem Brief aus Dänemark zum Thema (wir berichteten) wurde der Antrag zur Beendigung von Fabers Bahn-Visionen noch einmal modifiziert. Zum möglichen Haltepunkt – nicht Bahnhof – in Weiche für die Zeit der Umleitungen von Fehmarn möge die Verwaltung Verhandlungen mit den dänischen Partnern und der deutsch-dänischen Verkehrskommission im Sinne Flensburgs führen. Doch man bleibt bei den Kernzielen: Aufwertung des heutigen Bahnhofs, Reaktivierung der Linie nach Niebüll, Entwidmung der Hafengleise, Umnutzung des Bahndamms – am Ende ein Votum gegen Fabers Fernbahnhof.

CDU-Ratsherr Arne Rüstemeier warf Faber indirekt vor, mit dem Brief aus Dänemark eine „deutsch-dänische Dissonanz herbei reden zu wollen“ – was dieser empört zurück wies. Den Haltepunkt am Zob nannte er ein „Gespenst, das immer noch herumgeistert“. Helmut Trost (SPD) wandte sich gegen „verkehrspolitische Träumereien“ und richtete den Appell an Dänemark, die Strecke von Flensburg nach Aarhus zu beschleunigen. Glenn Dierking (SSW) entwarf die Vision einer lebhafen Ost-West-Verbindung von Kiel über Flensburg nach Niebüll und Sylt, während Pelle Hansen (Grüne) dem heutigen Bahnhof viel Potenzial attestierte.

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