Baugebiete : OB stellt Weichen auf Wachstum

Aussicht: Vom Baugebiet Hochfeld geht der Blick nach Osten, wo die Stadt 415 neue Wohneinheiten plant. Foto: Staudt
Aussicht: Vom Baugebiet Hochfeld geht der Blick nach Osten, wo die Stadt 415 neue Wohneinheiten plant. Foto: Staudt

Grundsatzdiskussion über Bevölkerungsprognose und neue Baugebiete: Die WiF will die K8 und neue Areale in Tarup Südost stoppen.

shz.de von
10. November 2009, 11:39 Uhr

Flensburg | Vergibt Flensburg einmalige Wachstumschancen, wenn es auf das geplante Baugebiet am südöstlichen Stadtrand verzichtet? Oder erspart sich die Stadt einen riesigen finanziellen Flop? Es waren Grundsatzfragen, die gestern in einer eigens anberaumten Sitzung von Haupt- und Planungsausschuss im Ratssaal aufeinander prallten. Um seinen Standpunkt zu untermauern, hatte Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner nicht nur eine ausführliche Powerpoint-Präsentation vorbereitet, sondern auch eine Fachfrau aus dem Innenministerium dazu gebeten. Kristina Schuhoff, Expertin aus der Landesplanung, rechnete noch einmal die Bevölkerungsentwicklung für Flensburg vor. Demnach wächst die Stadt bis 2025 um rund 4 Prozent. Zwar wird sich das Wachstum über die Jahre abflachen, doch es bleibe ein günstiger Trend für Flensburg. Zudem wachse die Zahl der Haushalte stärker als die Zahl der Einwohner, was Auswirkungen auf die Nachfrage nach Wohnungen habe. Im Gegensatz zum Landestrend - und zu einer Aussage der WiF - wachse die Zahl der 30- bis 45-Jährigen in Flensburg, während sie im Umland zurück gehe.

Tscheuschner legte den Fokus auf die finanziellen Auswirkungen: Hätte Flensburg seit 2000 keinen Einwohnerzuwachs erlebt, fehlten heute jährlich 5,33 Millionen Euro. Dazu kämen positive Auswirkungen auf Abwassergebühren, die sich bei einem Zuwachs an Einwohnern einfach auf mehr Leute verteilen, sowie auf Festkosten bei Fernwärme, ÖPNV oder Theater.
Tarup-Südost als eine der verbleibenden Optionen
Die Prognosen hätten ergeben, dass in Flensburg bis 2020 ein Ersatzbedarf von 1640 Wohneinheiten zu decken sei. Von etlichen so genannter Prüfflächen im Stadtgebiet habe die AG Siedlungsvorsorge die meisten gestrichen, keine einzige sei bisher umgesetzt worden. Tarup-Südost sei eine der letzten Optionen in der Stadt.

"Wir haben als eine der wenigen Städte in Deutschland die Chance auf Wachstum. Wir sollten diese Chance nicht leichtfertig verspielen", appellierte er an die Kommunalpolitiker und forderte sie auf, den WiF-Antrag auf ein Stoppen der Investitionen für die weitere Planung abzulehnen.

Doch auch die WiF agierte mit großem Medienaufwand, präsentierte Grafiken und Zahlen. Ratsherr Andreas Rothgaenger bemühte andere Statistiken und führte an, dass die Zahl der kleinen Haushalte wachsen werde, die der großen, die Einfamilienhäuser brauchen, jedoch nicht. Zudem kämen nur wenige Grundstückskäufer von außerhalb. Die Erschließung des Baugebietes Tarup-Südost und der Bau der Tarup-Umgehung würden nach WiF-Berechnungen 41 Millionen Euro kosten. Das werde sich nicht rechnen, so Rothgaenger. Die WiF möchte lieber in die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt investieren. - Das Ergebnis der Abstimmung lag bei Redaktionsschluss nicht vor.

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