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Umfrage : Nur selten körperliche Gewalt in Flensburger Ämtern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Trotz eines Bündels von Sicherheitsmaßnahmen gibt es keinen hundertprozentigen Schutz vor Übergriffen.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2014 | 10:20 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen auf einen Rendsburger Finanzbeamten erklärte Innenminister Andreas Breitner gestern, die Sicherheit in den Behörden gehöre auf den Prüfstand. Das Flensburger Tageblatt hat sich deshalb bei den Ämtern der Stadt umgehört, wie häufig Übergriffe auf die Mitarbeiter vorkommen – und welche Schutzmaßnahmen es gibt.

Für das Flensburger Finanzamt werden Übergriffe nicht katalogisiert, gibt Eugen Witte Auskunft, Sprecher des Finanzministeriums in Kiel. Besonders kritisch seien Bereiche wie Steuerfahndungs- oder Bußgeldstelle. Wo Publikumsverkehr herrscht, könne über Alarmknöpfe Hilfe angefordert werden.

Nur ganz wenige kritische Situationen gibt es laut Pressesprecher Clemens Teschendorf im Flensburger Rathaus. Höchstens, wenn es um Bußgelder oder zurückgewiesene Anträge gehe, würden einige Kunden verbal ausfallend. „In solchen Bereichen arbeiten wir zum Beispiel mit Notrufeinrichtungen, damit die Kollegen zur Hilfe gerufen werden können“, sagt Teschendorf. Bewusst gäbe es im Rathaus keine Sicherheitsschleusen wie im Gericht oder am Flughafen: „Die Menschen müssen ihre Anliegen vorbringen können, ohne den Eindruck zu bekommen, in einen Sicherheitsbereich einzudringen.“ Bis 2005 gab es noch einen Sicherheitsdienst im Rathaus. „Das war, bis das Jobcenter ausgelagert worden ist. Das ist der schwierigste Bereich.“

Was das konkret heißt, weiß Claudia Remark, Geschäftsführerin des Flensburger Jobcenters: „Seit 2005 hatten wir häufiger Fälle von verbaler Gewalt. Ein paar Mal ist es auch zu körperlicher Gewalt gekommen.“ So habe ein Kunde des Jobcenters einen Mitarbeiter geohrfeigt, ein anderer habe einen Gegenstand auf seinen Berater geworfen. Im Jobcenter geht es oft um die Existenz der Menschen. Wenn ein Mitarbeiter eine finanzielle Leistung nicht gewähren könne, führe das manchmal dazu, dass eine Situation eskaliere.

Für solche Fälle gibt es im Jobcenter ein Bündel von Maßnahmen, um die Mitarbeiter zu schützen – „auch wenn wir eine hundertprozentige Sicherheit nie erreichen können. Wenn jemand mit einer Schusswaffe kommt, können wir nichts machen.“ In Deeskalationstrainings wird den Mitarbeitern beigebracht, wie sie beruhigend auf Kunden einwirken können. Außerdem gibt es auch hier Alarmknöpfe. Zusätzlich kann der Sicherheitsdienst in kritischen Situationen oder vorbeugend dazugerufen werden. Laut der Geschäftsführerin steht aber auch im Jobcenter das Bedürfnis nach Sicherheit dem Wunsch nach einem offenen Haus gegenüber. „Wir wollen für die Kunden da sein – und uns nicht abriegeln.“

 

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