Um 3 Uhr kommt die Zeitungszustellerin : Nur die Zeitungen begleiten sie

'Flensburger Tageblatt 160': So nennt sich die Tour, auf der Maria Hauck 100 Zeitungen in die Briefkästen der Stadt steckt. Foto: Klingsporn
1 von 2
"Flensburger Tageblatt 160": So nennt sich die Tour, auf der Maria Hauck 100 Zeitungen in die Briefkästen der Stadt steckt. Foto: Klingsporn

Maria Hauck verteilt jede Nacht das Flensburger Tageblatt - seit 25 Jahren. Mit vielen Lesern ist sie bekannt. Wir haben sie auf einer Tour durch das Morgengrauen begleitet.

shz.de von
04. Juli 2012, 05:09 Uhr

Flensburg | 100 Zeitungen stehen vor Maria Haucks Haus. Pünktlich wurden sie, eingepackt in Plastikfolie, geliefert und an ihrer Hintertür abgelegt. Die 65-Jährige verteilt sie auf zwei Taschen, eine schmückt ihr Fahrrad, eine hängt um ihren Hals. Zeit, die Arbeitsnacht zu beginnen. Doch halt: Yellow, die Katze ihrer Schwester, jammert um ein wenig Futter. "Ja, Yellow, hier hast du was - wir müssen jetzt los!", sagt Maria Hauck und zieht die Tür zu.
Immer das Fahrrad vor sich her schiebend geht es an die Mathildenstraße über einen Hinterhof. Und schon ist die erste Zeitung im Postkasten - Nummer 32 ist der glückliche Leser.
Treppensprint für 95-jährige Leserin
Die Mathildenstraße nennt sich Tour "Flensburger Tageblatt 160". Seit 25 Jahren stellt Hauck hier zu. "Damals machte ich mal eine Urlaubsvertretung. Und als die Tour frei wurde, schlug ich zu", erzählt sie. Nun kennt sie sie in- und auswendig, ist mit einigen Lesern bekannt. Bei einem legt sie die Zeitung sogar selbst ans Fenster. "Das haben wir irgendwann mal abgemacht", erzählt die 65-Jährige. In einem anderen Flur läuft sie die Treppe hastig hoch und wieder runter. "Dort oben wohnt eine 95-jährige Dame - da kann ich doch wirklich mal kurz für sie die Beine heben."
Normalerweise macht sie die Tour jede Nacht allein. "Früher hatte ich noch Katzen und einen Hund, die sind dann mitgelaufen", erinnert sich Hauck. Mittlerweile seien die Tiere nicht mehr am Leben, aber Hauck genießt ihre Tour morgens im Dunkeln. "Keiner stört mich, hier ist es schön ruhig, und im Sommer zwitschern die Vögel schon."
Nur Gewitter hält sie auf
Das norddeutsche Wetter macht Maria Hauck dabei keinen Strich durch die Rechnung - nur bei Gewitter wagt sie sich nicht nach draußen. "Das wird aber auch nicht verlangt - dann kommt die Zeitung eben mal erst um fünf", erzählt die Zustellerin. Viele wird es wohl nicht stören, nur ein einziger Mann begegnet ihr in dieser Nacht auf der Straße. Auch kein Auto ist zu hören, geschweige denn zu sehen.
Ob man wohl auch mal was Schlimmes erlebt nachts? "Nein, nur mein Fahrrad wurde schon drei Mal geklaut." Wenn die Tasche um den Hals so leicht wird, dass sie alle Zeitungen schleppen kann, stellt sie es einen Moment ab. "Und da haben so einige Besoffene sich einen Spaß draus gemacht."
Das Prozedere ist immer gleich: Gehen, aufschließen, Zeitungen in die Postkästen werfen. Doch Hauck mag ihren Job. "Ich kann ganz entspannt durch die Straße gehen und danach heim und frühstücken." Die Arbeit hat sich in den letzten 25 Jahren kaum verändert. "Doch es sind immer weniger Zeitungen, die ich zustelle." Zwar geht sie schon in jedes Haus hinein, doch längst nicht jeder Postkasten wird gefüllt. Maria Hauck meint: "Das ist schade, man sollte sich für das Lokale interessieren." Und das tut sie auch selbst. Zuletzt liegen noch drei Zeitungen in ihrer Tasche. "Über zwei von ihnen darf sich die Berufsschule freuen und eine gehört mir", sagt Hauck, nimmt ihr Fahrrad und stapft zu ihrem Frühstück. Während die Welt eigentlich noch schläft.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen