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Flensburger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 04:02 Uhr

Nur das Verzeihen führt zu neuer Freiheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Seelsorgerin Melanie Wolfers stellt im sh:z-Medienhaus den Weg zu Vergeben und innerem Frieden vor

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 11:00 Uhr

„Die Kränkung ist ein hohes Gut“, sagt Melanie Wolfers. Die aus Flensburg stammende Seelsorgerin liest aus ihrem in diesem Jahr erschienen Buch „Die Kraft des Vergebens“. Die Gäste, die in das sh:z-Medienhaus gekommen sind, wirken unbeeindruckt vom Orkan Christian, der zu der Zeit noch abflaut.

Beziehungswunden sind die tiefsten, sagt Wolfers herausfordernd. Doch wohin mit einer Wunde, die tief sitzt? Die promovierte Theologin gibt die Lösung vor: „Das Lebensglück hängt entscheidend davon ab, ob wir verzeihen können.“ Bei dieser Aussage ratlos gewordenen Hörern schenkt die Ordensfrau umgehend Zuversicht: Frieden könne wachsen. Und vergeben zu können, führe den Menschen in eine neue Freiheit, offenbart die Salvatorianerin aus Wien.

Den schmerzhaften Weg zu Freiheit und Vergebung umreißt Wolfers mit kurzen Passagen ihres Buchs – es ist ihr sechstes Werk. Unangenehme Gefühle wie Scham, Wut oder Ohnmacht hätten dem Gekränkten etwas zu sagen. Wohlmöglich ist eine alte Wunde getroffen worden? Den Schmerz zu bagatellisieren helfe nicht: „Mein Ärger mit dem Ärger wird immer ärger, und am Ende ärgere ich mich darüber, dass ich mich ärgere“, erntet Wolfers erstes Schmunzeln im Publikum.

Die Salvatorianerin führt das Gespräch als den Königsweg bei einer seelischen Verletzung an. Der objektivere Blick auf sein Gegenüber helfe dabei. Aber auch eine unabhängige versierte Person erleichtere die Entwicklung, wendet sich Wolfers an sh:z-Chefredakteur Helge Matthiesen, der durch den Abend führt. Ärger und Schmerz herunter zu schlucken schaffe nur eine innere Müllhalde. Matthiesens Frage, ob gemeinsames Aufarbeiten Sinn mache, lässt Wolfers innehalten. Dann unterscheidet sie zwischen Vergeben/Verzeihen und Versöhnen: „Das Vergeben ereignet sich immer in mir. Die Versöhnung ist abhängig von meinem Gegenüber.“ Doch schon das Vergeben führe zu neuer Freiheit. Es könne selbst die belastende Verbindung zu einem Verstorbenen auflösen und Frieden bringen.

Im anschließenden Gespräch mit den Zuhörern leitet Wolfers den Begriff Kränkung sprachlich ab und legt damit den Grund des vordergründigen Übels frei: Gekränkt zu sein heiße, im Selbstwertgefühl verletzt zu sein. Denn wer in sich ruhe, nehme Kritik gelassen an. Eine Zuhörerin benennt ihr Selbstwertgefühl: „Ich denke immer: Ach, ist doch nicht so wichtig, die Familie ist wichtiger.“ Ein Zuhörer führt den „Arschengel“ ins Feld, der einem immer wieder zeige, wo man innerlich wachsen könne. Wolfers ermuntert, sich nicht vor neuen Beziehungen zu verschließen, sondern sich immer wieder darauf einzulassen. Sie schließt mit Worten Hilde Domins, die selbst nach erlittener Not noch von der Rinde des Vertrauens spricht, die stets wieder wachse.

Melanie Wolfers: Die Kraft des Vergebens – Wie wir Kränkungen überwinden und neu lebendig werden. Verlag Herder, 2013. ISBN 978-3-451-32631-8.

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