"Nur das Schaukeln fehlt"

Nicht windschief, sondern originalgetreu: Der Übungsmast vor der Marineschule. Foto: Michael Staudt
Nicht windschief, sondern originalgetreu: Der Übungsmast vor der Marineschule. Foto: Michael Staudt

Gorch-Fock-Übungsmast an der Marineschule steht / Ab August sollen Kadetten das Aufentern trainieren

shz.de von
25. April 2012, 05:59 Uhr

Flensburg | Die "Gorch Fock" schaut zwar nur selten in Flensburg vorbei. Doch ein Stückchen des Traditionsseglers ist fortan immer in Mürwik anzutreffen - denn nicht nur der gestern gesetzte Übungsmast selbst ist dem ockerfarbenen Original getreu nachgebildet, sondern auch die blau-weißen "Schanzkleider" (der Laie würde sie als Reling bezeichnen) am Boden des Übungsbereiches. "Wir haben alles so umgesetzt, wie die Marine es haben wollte", erklärt Gunnar Speck, der gestern als Projektleiter vom Bundesbau die Aufstellung begleitete. Und dazu gehört auch die originalgetreue Farbgebung. "Das sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert für die Auszubildenden, wenn sie später auf der ,Gorch Fock’ unterwegs sind", erklärt der Presse-Offizier der Marineschule, Tim Gabrys. Auch die Ausrichtung des Mastes nach Nordost bei in Flensburg dominierenden Westwinden ist bewusst gewählt, damit wie auf See die Luft meist von hinten bläst.

Sichtbar stolz beobachtete Thomas Ernst, Kommandant der Marineschule, wie der große Kran gestern Morgen den neun Tonnen schweren Mast in die richtige Position manövrierte. "Wir schaffen hier einen wichtigen Baustein in der Ausbildung unserer Kadetten", kommentierte er das Geschehen vor zahlreichen Kamerateams und Journalisten. 35 Jahre ist es her, da hat er selbst an Bord des Schulschiffes die Segel gesetzt - und ist sich der Tücken bewusst. "Da ist Routine unbezahlbar, und die sollen die Kadetten hier erlangen". Als "Schwindel-Test am lebenden Objekt" bezeichnet er die Möglichkeiten, welche die neue Anlage links vor dem Eingangsportal der Marineschule am Wasser bietet. Waren bisher nur medizinische Tests im Vorhinein möglich, könne jetzt jeder Kadett seine Schwindelfreiheit bei der Trockenübung testen - mit einem Seil gesichert. "Jeder wird dann von mir persönlich mit einer Enterbefähigung versehen", so Ernst.

Geübt wird nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei schlechtem Wetter und nachts. Scheinwerfer machen das möglich. "Nur das Schaukeln fehlt da noch", sagt Marine-Sprecher Gabrys. Er weiß: Eine 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben. "Es ist und bleibt ein gefährlicher Job. Aber wir versuchen, die Gefahr zu minimieren." 100 zusätzliche Sportstunden pro Schüler sollen ihr Übriges tun. Künftig dürfe kein Kadett mehr an Deck, der nicht 30 Sekunden im Klimmhang aushält. "So lange kann es dauern, bis einem jemand zu Hilfe kommt, wenn man abrutscht und sich festklammert", weiß Gabrys.

Bevor sich Ende Juni zunächst die Ausbilder mit dem Mast vertraut machen, bekommt der Boden noch einen sportplatzähnlichen Tartan-Belag. Am 2. Juli startet ein neuer Jahrgang Offiziersanwärter - diese werden Gabrys zufolge ab August mit den Trockenübungen beginnen. Und auch Kommandant Ernst fiebert einem Test der neuen Ausbildungsstation entgegen. "Natürlich werde ich auch selbst den Mast erproben - das lasse ich mir nicht nehmen."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen