Notstand

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shz.de von
21. Juni 2014, 16:18 Uhr

Flensburgs Taxifahrer haben ein Luxus-Problem. Eine 60-jährige Chauffeurin drückte aus, wie schlimm es um die Zunft bestellt ist: „Unsere zwischenmenschlichen Beziehungen“, so klagt sie, „bleiben auf der Strecke!“

Das klingt nach Endzeitstimmung, zumal der gemeine Taxifahrer durchaus als geselliges Wesen gilt. Diese Geselligkeit pflegte man einst – der aus Zügen strömenden Fahrgäste harrend – direkt vor dem Bahnhof auszuleben. Dort standen Taxen stets dicht an dicht. Klönschnack, Kaffee und Kippe verkürzten die Wartezeit aufs Angenehmste.

Doch jetzt hat man die Schlange der Chauffeure brutal auseinander gerissen. Nur noch drei dürfen vor dem Gebäude stehen, das Gros aber hat man in eine 200 Meter entfernte Haltezone der Bahnhofstraße verbannt. Dort, sollte man meinen, kommen Geselligkeit und zwischenmenschliche Beziehungen nicht zu kurz.

Doch weit gefehlt. Mürrisch sitzen die Altgedienten am Steuer, verstecken sich hinter einer Zeitung und warten darauf, dass sie vorrücken können bis zur Pole Position. Das kann dauern – und man muss höllisch aufpassen, dass sich ein missgünstiger Kollege nicht schnöde nach vorn drängelt.

Sie schieben ganz offensichtlich Frust. Denn ihnen fehlt die Infrastruktur am Straßenrand; sie wissen nach eigenem Bekunden nicht, wohin mit ihrem Müll, schlimmer noch: Wenn sie ein dringendes Bedürfnis überkommt, müssen sie sich, der Not gehorchend, in die Büsche schlagen. Doch den abgekoppelten Fahrern kann geholfen werden. Wie aus dem Rathaus verlautet, wird man in absehbarer Zukunft am oberen Ende der Bahnhofstraße einen Kaffeeautomaten und einen Würstchenstand, einen Müllcontainer und ein Dixie-Klo installieren. Damit die Not ein Ende hat.

In Mürwik ist die Not schmerzlich und nachvollziehbar virulent. Denn es stinkt vom Twedter Plack bis zum Klärwerk wie lange nicht mehr. Den Buhmann sieht das Technische Betriebszentrum nach Gesprächen mit betroffenen Bürgern im inzwischen verarmten Glücksburg, wo es mit der geruchshemmenden Beimischung einer Chemikalie partout nicht klappen will. Ist die bitter notwendige Beigabe zu teuer? Die Stadt sollte zusehen, dass sie schleunigst prosperiert und wieder an bessere Zeiten anknüpft. Denn Geld stinkt bekanntlich nicht.

Derweil gelobt das TBZ Besserung – quasi stellvertretend für den benachbarten Kurort. Dort soll nun (mal wieder) das Steuerungsprogramm optimiert werden. Hoffentlich nicht nur notdürftig. Und viel Glück dabei! Die geplagten Mürwiker haben’s redlich verdient.

Böse erwischt hat es auch die Anwohner der Reepschlägerbahn. Dort hat sich schwarzer Ruß über Häuser und Autodächer gelegt. Man fühle sich in das verrußte Ruhrgebiet der 40er- und 50er- Jahre versetzt, grollt ein Hauseigentümer. Den Schwarzen Peter vermute er bei den Stadtwerken. Doch die dementieren. So weit, bis hinauf zur Westlichen Höhe, fliege ihr Ruß nimmer. Also, Hand aufs Herz: Welcher Schmutzfink hat hier gestern seinen Schornstein frei gepustet?

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