Kooperation zwischen Deutschland und Dänemark : Notrufe an der Grenze: Technik sichert Anruf-Weiterleitung

Rettungswagen im Einsatz.
Eine neue Technik soll die richtige Weiterleitung von Notrufen in der Grenzregion sichern.

An der dänischen Grenze landen deutsche Notrufe im dänischen Netz: Ein Interreg-Projekt schafft Abhilfe.

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11. Dezember 2014, 06:30 Uhr

Harrislee | Normalerweise liegt man mit der 112 richtig, wenn man in Deutschland Hilfe benötigt. Im Grenzgebiet ist das nicht unbedingt der Fall. Ein schwerer Verkehrsunfall auf der einsamen Betonstraße im Juli dieses Jahres zeigte die Schwachstellen auf. Weil der Helfer mit 112 immer im dänischen Netz landete, geriet ein Unfallopfer in akute Lebensgefahr. Die dänische Notfall-Leitstelle konnte mit den Angaben des Deutschen nichts anfangen. Wertvolle Zeit verstrich. Jetzt haben sich die Retter vom Dienst auf deutscher und dänischer Seite im Rahmen des Interreg4-Projektes „Gefahrenabwehr ohne Grenzen“ der Problematik angenommen.

Vertreter der deutschen und der dänischen Polizei und der Leitstellen tauschten sich in Harrislee über die zukünftige Zusammenarbeit aus. „Der Informationsaustausch erschien uns erforderlich, nachdem wir im Rahmen unserer Projektarbeit mehr und mehr die Unterschiede beim Notruf kennen gelernt haben“, erklärte Interreg-Projektmitarbeiter Sebastian Schildger.

In der Tat unterscheiden sich die Vorgänge bereits beim Absetzen eines Notrufs. Während in Deutschland der Notruf 112 für die Feuerwehr und den Rettungsdienst genutzt wird, gilt in Dänemark die 112 für alle Notfälle rund um Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste. Gerade in der Grenzregion führt dieser Umstand, vor allem wenn der Notruf per Mobiltelefon abgesetzt wird, regelmäßig zu Problemen. Denn Mobiltelefone bevorzugen immer das sendestärkste Netz und wählen sich deshalb entlang der deutsch-dänischen Grenze gerne in das dänische Mobilfunknetz ein. Wird jetzt ein Notruf auf deutscher Seite über den Notruf 112 abgesetzt, landet der Teilnehmer in einer der beiden polizeilichen Notfallleitstellen Dänemarks in Arhus oder in Slagelse 90 Kilometer westlich von Kopenhagen. Da dort die Örtlichkeiten im deutschen Gebiet nicht bekannt sind und es zu Verständigungsproblemen kommen kann,entstehen erhebliche Verzögerungen in der Notfallbearbeitung.

„Nach dem tragischen Ereignis in Jardelund haben wir als Leitstellen sofort reagiert und versucht einen Weg zu finden, der diese Risiken minimiert“, so Sacha Münster, stellvertretender Leiter der kommunalen Seite der Leitstelle Nord. In Absprache mit der polizeilichen Leitstelle in Dänemark seien Rufnummern ausgetauscht worden, um fehlgelandete Notrufe ohne Umwege weiterverbinden zu können. „Sollte ein Notruf in der falschen Notfallleitstelle ankommen, wird der Teilnehmer direkt und ohne Umwege an die jeweils zuständige Leitstelle weiterverbunden“, so Münster. Notrufe seien nach diesem Muster bereits erfolgreich abgearbeitet worden.

Im Rahmen des Treffens in Harrislee konnten auch Optimierungen dieses Vorgehens abgestimmt werden. So wurde erkannt, dass die ausgetauschten Rufnummern bei einer hohen Auslastung im jeweiligen Leitstellenraum in einer Warteschleife landen könnten. Um dies zu verhindern, gibt es jetzt Rufnummern, die von beiden Leitstellen mit höchster Priorität bearbeitet werden.

Interreg-Projektmitarbeiter Schildger zog am Ende der gemeinsamen Sitzung dieses Fazit: „Schon diese einfache Maßnahme zeigt, wie wichtig der Erfahrungsaustausch grenzüberschreitend ist. Allein der Austausch dieser Nummer kann in wichtigen Situation lebensrettend sein.“

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