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Notfall auf dem Spielplatz: Karussell verletzt Kind

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aufgeheiztes Spielgerät: Einjähriger Junge trägt Brandverletzungen an Händen und Armen davon

Manuela Sturm (Name von der Redaktion geändert) ist vielleicht keine Helikopter-Mutter, aber schon nah dran. Darf sie auch, denn ihre beiden Jungs sind gerade mal ein Jahr und zwei Jahre alt. Und als Frühchen besonders sensibel, sagt die Flensburgerin.

Anderthalb Meter war sie dem Kleineren neulich auf den Fersen („damit er sich nichts in den Mund steckt“), als sich die Familie auf einen schönen Nachmittag auf dem Spielplatz nahe des Wasserturms freute. Kaum waren Vater, Mutter und Kinder vor Ort und hatten ausgepackt, krabbelte der Zwerg auch schon voran zur Sandkiste. Auf halbem Wege änderte er seine Route und steuerte auf ein metallenes Karussell zum Draufstellen um. Manuela Sturm konnte gar nicht so schnell gucken, da habe sich ihr Sohn auch schon an dem Gerät hochgezogen. „Im selben Moment hat er geschrien“, berichtet die 32-jährige Hausfrau. Sie habe ihn sofort auf den Arm genommen, zunächst aber nicht erkennen können, was der Grund für das Geschrei war. Doch dann habe sie Brandblasen an beiden Armen des Einjährigen entdeckt. Papa Sturm half, Wasser zum Kühlen heranzuschaffen.

Den Gedanken, sich mit dem Auto (am Tag des Entenrennens) durch die Innenstadt zum Krankenhaus zu wühlen, verwarfen die Erwachsenen und riefen stattdessen einen Rettungswagen. Oberflächliche Verbrennungen an Armen und Händen des Jungen sind das Ergebnis des Vorfalls, die während eines viertägigen Krankenhausaufenthalts behandelt werden mussten. Dass die Verletzungen durch Reibungswärme entstanden seien, verneint Sturm. „Das Karussell war schon heiß und steht in der prallen Sonne.“

Tatsächlich lässt sich bei einem Ortsbesuch auf dem Spielplatz beim Wasserturm feststellen, dass sich die Metall-Bügel des Spielgeräts bei einer Lufttemperatur von milden 17 Grad Celsius kalt anfühlen, während die runde Bodenplatte schon deutlich aufgewärmt ist.

Seit dem Vorfall sei ihr Kleinster um den Schlaf gebracht, verarbeite das Erlebnis vor allem nachts, schreie dann wie nie zuvor und verunsichere damit seinen „großen“ Bruder, erzählt Manuela Sturm. Der Verband an den Armen des Kleinen sei zwar entfernt worden, allerdings stünde ein Jahr lang „Narbenpflege“ bevor.

„Als Elternteil macht man sich Vorwürfe. In jedem Fall darf es anderen nicht passieren“, begründet Manuela Sturm ihre Motivation, an die Öffentlichkeit zu gehen und wehrt sich zugleich gegen eventuelle Vorwürfe anderer Eltern, ihre Fürsorgepflicht vernachlässigt zu haben. „Ich habe mein Kind nicht unbeaufsichtigt gelassen“, schwört sie, sagt aber auch: „Mein Kind ist ein Jahr alt und soll die Welt entdecken. Wer rechnet mit so etwas auf einem Spielplatz?“

Im Rathaus habe sie vom Vorfall berichtet, gedenkt indes gegen die Stadt keinen Schadenersatz zu erheben. Allerdings hat die zweifache Mutter einen Brief an die Verwaltung formuliert, um auf das Problem hinzuweisen. Ans Rathaus verweise sie auch ihre Krankenkasse, die ihr auf den Zahn fühle und die Kosten für die Versorgung aufgrund des Unfalls einfordere.

Clemens Teschendorf, Pressesprecher der Stadt, hat erst auf Nachfrage der Zeitung von dem Unglück erfahren. Weder Kinder- und Jugendbüro noch das Technische Betriebszentrum hätten bis dahin davon gehört, sagt Teschendorf. Er appelliert an andere Eltern, derartige Vorfälle sofort Stadt oder TBZ zu melden. „Damit wir reagieren können. Wir sind diejenigen, die das beseitigen“, erklärt er.

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erstellt am 29.Jun.2016 | 12:34 Uhr

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