Flensburg : Not-Manöver soll die "Nautics" retten

Da liefs noch rund: Nach den erfolgreichen Nautics 2010 geriet die Neuauflage dieses Jahres in stürmische Gewässer. Foto: Staudt
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Da liefs noch rund: Nach den erfolgreichen Nautics 2010 geriet die Neuauflage dieses Jahres in stürmische Gewässer. Foto: Staudt

Weil sein Partner für das maritime Programm erkrankte, holte Flensburg "Nautics"-Veranstalter einen Nachfolger an Bord. Dieser war ihm über Monate in Feindschaft verbunden.

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13. Juli 2012, 10:10 Uhr

Flensburg | Als Michael Reinhardt am 3. Juli in einer Pressekonferenz seine maritime Großveranstaltung "Nautics" klar zum Auslaufen meldete, ahnte er wohl noch nicht, wie leck sein Dampfer geschlagen war. Tags zuvor war nämlich sein Hamburger Partner Jens-Uwe Tschorn (Spinnaker-Events) mit einer akuten Erkrankung ins Krankenhaus gebracht worden - und damit das komplette maritime Programm, das Tschorn verantwortete. Jetzt stechen die "Nautics" erneut in See. Als Tschorn-Nachfolger auf der Brücke: Hans-Jürgen Edelhoff. Reinhardts Ex-Partner, der ihm über Monate in Feindschaft fest verbunden war.
Es ging um die Frage, wer das Nautics-Logo für sich beanspruchen und als Marken-Inhaber die "Nautics" ausrichten darf. Beide beanspruchten die Rechte für sich, beide beschäftigten teure Anwälte zur Klärung dieser Frage. Jetzt ist alles Schnee von gestern. Reinhardt und Edelhoff erklärten am Mittwoch im Pressegespräch, dass alle Streitfragen einvernehmlich gelöst und sie bereits im Juni überein gekommen seien, die "Nautics" 2014 wieder gemeinsam auszurichten.
"Ich hake Schiff für Schiff ab"
Dass die alten Zahnräder zwei Jahre früher als beabsichtigt ineinander greifen müssen, ist der plötzlichen schweren Erkrankung Tschorns geschuldet. Die Bestandsaufnahme war schwierig, sagen die neuen alten Partner. Weil Tschorn aus gesundheitlichen Gründen vorerst jeden "Nautics"-Kontakt abgelehnt habe, fehle der Zugriff auf Verträge und andere wichtige Unterlagen. "Wir wissen beispielsweise nicht, wie viele Fahrgäste bereits bei ihm gebucht und bezahlt haben", so Edelhoff. "Wir müssen jetzt sicherstellen, dass alle das bekommen, was sie bezahlt haben."
Aus "rechtlichen Gründen" hatte Michael Reinhardt Anfang dieses Monats seinen Kontrakt mit Spinnaker Events gekündigt. "Wir müssen alle Fäden wieder in die Hand bekommen", sagt er. Edelhoff kündigte am Mittwoch an, dass er zu allen in der Teilnehmerliste geführten Schiffen Kontakt aufnehmen wird, um neue Verträge mit ihnen zu schließen. "Ich hake Schiff für Schiff ab und werde voraussichtlich Anfang nächster Woche einen Überblick haben."
"Es ist ein Glücksfall im Unglücksfall"
Beide können nur hoffen, dass es dabei keine weiteren bösen Überraschungen gibt. Denn die Viermast-Bark "Kruzenshtern", von Spinnaker-Events als Stargast angekündigt, entpuppt sich als Phantom-Schiff. "Wir haben mit einem Herrn Tschorn nie verhandelt", heißt es in der Hamburger Agentur, die für die Vercharterung des Tiefwasserseglers zuständig ist. "Die Kruzenshtern liegt in Brest und sollte ursprünglich über London nach Kaliningrad segeln. Von Flensburg war nie die Rede." Eine geradezu aberwitzige Fügung, dass der Viermaster nach einer Änderung des Tourplanes jetzt doch kommen könnte. Ein entsprechendes Angebot liegt vor. Aber Edelhoff winkt ab. "Viel zu teuer. So kurzfristig lässt sich dafür kein Sponsor mehr gewinnen."
Edelhoff und Reinhard sind zuversichtlich, die Veranstaltung mit diesem Manöver des letzten Augenblicks wieder in die Spur gebracht zu haben. Wesentliche Elemente - wie die Kurztörns und die Schatzsuche - seien bereits auf der sicheren Seite, unerledigte Punkte - Crew- und Kapitänsempfang, behördliche Anmeldung, Regattaorganisation - würde Edelhoff mit dem Partner Historischer Hafen kurzfristig organisieren. Edelhoff: "Es ist ein Glücksfall im Unglücksfall, dass Reinhardt und ich uns bereits wieder verständigt hatten. Wir bekommen das jetzt alles geregelt."

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