"Nordertor wird zurück gedrängt"

Neues Stadtbild: Der knallblaue Erweiterungsbau der Phänomenta steht im rechten Winkel zu Flensburgs Wahrzeichen, dem Nordertor. Im Vordergrund das Wasserband, das in mehreren Becken zum Hafen führt. Foto: Dewanger
Neues Stadtbild: Der knallblaue Erweiterungsbau der Phänomenta steht im rechten Winkel zu Flensburgs Wahrzeichen, dem Nordertor. Im Vordergrund das Wasserband, das in mehreren Becken zum Hafen führt. Foto: Dewanger

Am Freitag wird der Phänomenta-Anbau eingeweiht. Nicht alle sind davon begeistert. Der Verschönerungsverein hatte sich vehement gegen den Anbau ausgesprochen - und sieht sich nach Fertigstellung bestätigt.

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14. März 2008, 10:20 Uhr

Flensburg | Als einzige Flensburger Institution hatte sich der Verschönerungsverein schon in der Planungsphase gegen den Erweiterungsbau der Phänomenta in seiner jetzigen Form ausgesprochen. Jetzt ist das gläserne Gebäude fertig - und der Verein sieht sich in seiner ablehnenden Haltung bestätigt. "Unsere Befürchtungen haben sich bewahrheitet", sagt Vorsitzender Friedrich Schreiber. Der Bau sei "erdrückend", er "schiebt die Bedeutung des Nordertors in den Hintergrund", fügt Cordelia Feuerhake hinzu. "Er stiehlt dem Nordertor die Show."

Schreiber betont, dass man sich nicht gegen die moderne Architektur des Hamburger Architekten Klaus Sill wende. Schon gar nicht habe man etwas gegen die Erweiterung der Phänomenta. Es gehe einzig und allein um den Umgang mit Flensburgs Wahrzeichen, dem Nordertor. Durch den direkten Anbau des modernen Gebäudes mit der gläsernen, grellblauen Fassade an das historische Mauerwerk entstehe ein zu harter Kontrast. Feuerhake: "Das architektonisch eigentlich anspruchsvolle Bauwerk passt hier nicht hin." Auf einer freien Fläche etwas weiter im Norden, zum Beispiel an der Neustadt, hätte der Sill-Bau eine positive "Leuchtturm-Wirkung" entfaltet.
Bausünden rund um das Flensburger Wahrzeichen

Schreiber wirft der Stadtplanung vor, das Thema des Anbaus nicht genügend öffentlich diskutiert zu haben. Man hätte in dem Wettbewerb explizit einen Mindestabstand als Bedingung fordern können. Indem die Wahl auf den Vorschlag von Klaus Sill fiel, sei es quasi durch eine Zufallsentscheidung zu der aus seiner Sicht schädlichen Anbaulösung gekommen. Der Verschönerungsverein hoffe, dass man in Zukunft wesentlich bedachter mit vergleichbaren Entscheidungen umgehe.

Aus Sicht des Vereins ist der Anbau an das Nordertor die jüngste einer Reihe von Bau- und Planungssünden rund um Flensburgs Wahrzeichen. Die hätten schon mit dem Abriss des ehemaligen Wohlfahrtsamtes, einem Bau des renommierten Architekten Paul Ziegler, begonnen, das zwischen Tor und Volksbad stand. Die Pflasterung auf beiden Seiten des Tors habe nie zu der gewünschten Wirkung eines urbanen Platzes geführt. Das Rad der Geschichte wollen Cordelia Feuerhake und Friedrich Schreiber nicht zurückdrehen. Dennoch finden sie, dass die Gestaltung des Nordertor-Platzes mit Wegen und Grünanlagen sowie einem frei stehenden Tor - nach dem Vorbild des Lübecker Holstentores - einen besseren Zustand darstellte als heute.

Bei aller Kritik sieht sich der Verschönerungsverein nicht in erster Linie als "Nein-Sager". Nach wie vor verstehe man sich als Förderer und Geldgeber für diverse Projekte, so Schreiber, behalte sich aber vor, das öffentliche Wort zu ergreifen, wenn es aus ihrer Sicht zu Fehlentwicklungen in der Stadtplanung komme.

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