Universität Flensburg : Nord und Süd schließen Partnerschaft

Unterschreiben den Vertrag: Alban Schraut, Rektor des Lehrerbildungsinstituts in Chile, und Werner Reinhart, Präsident der EUF.
Unterschreiben den Vertrag: Alban Schraut, Rektor des Lehrerbildungsinstituts in Chile, und Werner Reinhart, Präsident der EUF.

Die Flensburger Europa-Universität kooperiert mit dem deutschem Lehrerbildungsinstitut in Chile, um Studenten-Austausche zu ermöglichen.

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20. Januar 2015, 12:00 Uhr

Flensburg | Die Europa-Universität Flensburg, die nördlichste Universität Deutschlands, geht eine Partnerschaft mit der südlichsten deutschen Hochschule ein. Und die liegt nicht etwa in Bayern, sondern in Santiago de Chile. Das Deutsche Lehrerbildungsinstitut Wilhelm von Humboldt hat nur 60 Studenten und bildet Lehrer für die deutschen Schulen in Chile aus. Bislang ausschließlich, um Schüler in der Kindergarten- und Grundschulzeit zu unterrichten, die in Chile bis zur achten Klasse geht. „Aber bald dürfen wir jetzt auch für die gymnasiale Oberstufe ausbilden“, erklärt Alban Schraut, Rektor des Lehrerbildungsinstituts in Chile, „und dafür waren wir auf der Suche nach deutschen Partneruniversitäten. Denn jeder unserer Studenten geht während seines Studiums für einige Monate ins Ausland.“

Der Kontakt zur Flensburger Uni entstand durch Alexander Lemke aus Glücksburg, der jetzt in Chile als Dozent tätig ist. Dann ging alles ganz schnell: Noch nicht einmal ein halbes Jahr dauerte es bis zur gestrigen Vertragsunterzeichnung. Jetzt ist alles in trockenen Tüchern: Ab dem kommenden Jahr könnten die ersten Flensburger Studenten zu einem universitären Austausch oder im Rahmen ihrer Praxisphase nach Chile reisen. Der Austausch ist vor allem für die Studenten aus den neuen Studiengängen für die gymnasiale Oberstufe gedacht, die ab dem kommenden Wintersemester eingeführt werden. 2017 sollen die ersten chilenischen Studenten nach Flensburg kommen und den Alltag an einer deutschen Universität und an deutschen Schulen kennenlernen. „Wir wollen langsam anfangen, mit bis jeweils zu drei Studenten“, sagt Schraut.

Nur 3000 der insgesamt 18  000 Schüler an den deutschen Schulen stammen aus Deutschland. Die meisten wurden in Chile geboren und kommen meist aus der Oberschicht des Landes, denn die Schulen haben einen sehr guten Ruf. „Viele unserer Studenten kommen von den deutschen Schulen“, erklärt Schraut. „Und bis auf vier sind es alles junge Frauen.“ Das liege daran, dass der Beruf des Lehrers in Chile nur sehr schlecht bezahlt wird. Im Kindergarten verdienen die Lehrer etwa die Hälfte von dem, was eine Haushaltshilfe bekommt – und das ist bereits wesentlich mehr als das, was in staatlichen Einrichtungen bezahlt wird. „Aber die meisten unserer Studentinnen heiraten reiche Männer. Chile ist ein echtes Macho-Land“, sagt Schraut mit einem schiefen Lächeln. Er wurde vor sieben Jahren vom Auswärtigen Amt nach Chile geschickt und erzählt, wie seine Frau die gemeinsamen Kinder nicht an der Schule anmelden konnte. „Das muss dort alles der Mann machen.“

Mit dem Austausch der deutschen und chilenischen Studenten möchte Schraut die jungen Erwachsenen provozieren, sie dazu anregen zu hinterfragen. „Für die deutschen Studenten ist der Unterricht in Chile ganz anders als hier. Dort gibt es noch ganz klassischen Frontal-Unterricht“, erzählt Jens Winkel, Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerbildung an der Uni. Und Schraut ergänzt: „Ein guter Lehrer ist dort jemand, der die Schüler ruhig hält. Es wird in erster Linie auswendig gelernt.“ Das sei für die Studenten aus Deutschland spannend – und eine gut Möglichkeit, neue Ideen einzubringen. Sie werden in Chile sofort eingespannt. Spanischkenntnisse sind nicht nötig. Seine eigenen, häufig sehr behütet aufgewachsenen Studenten schickt Schraut auch für ein Praktikum in die Kindergärten in den Armenvierteln. „Dort sehen sie Einrichtungen, wo die Mitarbeiter ihre Aufgabe darin sehen, die Kinder vor ihren Eltern zu beschützen, weil die Zuhälter und Prostituierte sind und ihre Kinder misshandeln.“ Im gleichen Atemzug setzt Schraut hinzu: „Aber die Studenten aus Flensburg werden bei uns gut betreut und in den deutschen Schulen eingesetzt.“ Chile sei kein Land, in dem man sich fürchten müsse: „Viele Studenten aus Deutschland bereisen das Land nach ihrem Austausch – auch die Frauen.“

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