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Bauen in Flensburg : Noch mehr Einfamilienhäuser in Tarup

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Planungsausschuss beschließt B-Plan Groß Tarup-Dorf mit 36 neuen Baugrundstücken - und erntet Kritik.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2017 | 05:56 Uhr

Tarup wächst, aber stimmt die Richtung? Der Planungsausschuss winkte in seiner jüngsten Sitzung den Bebauungsplan Groß Tarup-Dorf durch, der auf beiden Seiten des Tastruper Wegs den Bau weiterer 36 Wohneinheiten ermöglicht. Dass diese Wohneinheiten ausschließlich aus Einfamilienhäusern bestehen werden, weckte Widerstand bei den Grünen und der Linkspartei, die WiF hatte aus anderen Gründen Einwände.

Stefan Thomsen, planungspolitischer Sprecher der Bündnisgrünen im Rat, stimmte gegen die Verwaltungsvorlage – aus ganz grundsätzlichen Erwägungen. Er und sein Vertreter Pelle Hansen sehen in dem jüngsten B-Plan die Fortsetzung einer planerischen Fehlentwicklung, die hinter den Lärmschutzwällen entlang der gesamten neuen Umgehungsstraße K 8 zu besichtigen ist: Eine Großkatalog-Ansammlung von Fertighäusern auf Rollrasen, erschlossen durch überdimensionierte Verkehrswege – der fortgesetzte Sündenfall am Stadtrand, wie Thomsen moniert. „Trotz eines enormen Verbrauchs natürlicher Ressourcen werden auch in Groß Tarup-Dorf nur 36 neue Wohneinheiten entstehen. Die Chance an dieser Stelle Naturräume zu erhalten und gleichzeitig dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, wurde erneut vertan“, bemängelt der Grünen-Ratsherr. Der Ratsbeschluss steht noch aus, aber angesichts des eindeutigen Stimmverhältnisses (3 gegen 9) im Ausschuss erwartet Thomsen in Kürze die Bulldozer, die am Taruper Ortsrand die Landschaft planieren werden. „So etwas dann auch noch einen dörflichen Charakter zuzuschreiben, ist völlig daneben.“ Thomsen hätte sich mehr Kreativität, einen gescheiteren Flächenverbrauch und einen schonenderen Umgang mit der Natur gewünscht. „Es gibt moderne, interessante Vorbilder für Wohnformen in Mehrfamilienhäusern. Und die müssen nicht höher als drei Stockwerke sein.“

Von der Linksfraktion kommt Zustimmung. „Wir brauchen Sozialwohnungen!“, mahnt Gabi Ritter. „Wenn geförderter Wohnungsbau momentan irgendwo in Flensburg vertretbar ist, dann in Tarup.“ Die planerische Festlegung auf Einfamilienhäuser mit ihrem hohen Flächenverbrauch konterkariere den unstrittig vorhanden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Die Neubaugebiete entlang der K  8 und die neuerliche Präferenz für Einfamilienhäuser lassen – sollte die Umgehung denn fertig gebaut werden – für den weiteren Verlauf der K  8 das Schlimmste fürchten, so Ritter.

Die WiF hatte ebenfalls gegen den B-Plan gestimmt – allerdings nicht wegen der Bevorzugung von Einfamilienhäusern. „Unserer Ansicht nach wurde eine große Chance vertan, die Nahversorgung für die Bewohner von Tarup-Dorf an dieser Stelle anzusiedeln“, sagt Hubert Ambrosius. Nach wie vor werde ein Nahversorger für den älteren Ortsteil schmerzlich vermisst. „Aber die Verwaltung will es einfach nicht“, meint Ambrosius. Kritisch sieht er auch den Plan, den Tastruper Weg dichtzumachen und die Erschließung über die K  8 abzuwickeln. Auch die Freiwillige Feuerwehr (das Quartier liegt im Tastruper Weg) müsste dann über eine Baustraße im Wohngebiet ausrücken.

Ob eingetragene Baulasten die Planung beeinträchtigen können, wird unterschiedlich bewertet. Wie berichtet, behauptet der Taruper Landwirt Ingo Knop, der wegen des Weiterbaus der K  8 mit der Stadt im Streit steht, dass er links und rechts des Tastruper Weges über alte Wegerechte verfüge. Im B-Plan hingegen heißt es, die für die Bebauung vorgesehenen Flächen seien davon nicht betroffen.

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