zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 20:58 Uhr

Noch kein Urteil im West-Ham-Prozess

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verfahren gegen Fußballprofis James Collins und Jack Collison vor dem Landgericht Flensburg / Ruf der Spieler soll sauber bleiben

von
erstellt am 20.Feb.2015 | 17:31 Uhr

Es hätte der Schlussstrich unter einen lockeren Sommerkick mit unerwarteten Folgen werden können: Gegen Zahlung von 8000 Euro an den klagenden Taxifahrer hätte Richter Jörn Fehrs das Verfahren gegen die beiden Fußballprofis James Collins und Jack Collison vor dem Landgericht Flensburg eingestellt. Damit zeigte sich deren Anwalt Frank Markus Döring aber überhaupt nicht einverstanden. „Einen Vergleich wird es mit uns nicht geben.“

Die beiden walisischen Nationalspieler sollen im Juli 2013 spätabends nach einem Testspiel mit ihrer Mannschaft West Ham United gegen den Hamburger SV in Flensburg den Taxifahrer dermaßen am linken Arm verletzt haben, dass er siebeneinhalb Wochen berufsunfähig war (wir berichteten). Daher verklagt der Glücksburger Taxiunternehmer die Fußballer auf Schmerzensgeld, Verdienstausfall und Fahrtkosten in Höhe von rund 31  500 Euro. Das Angebot von Jan Smollich, der den klagenden Taxifahrer vertritt, sich außergerichtlich auf eine Zahlung von 20  000 Euro zu einigen, erschien Richter Fehrs zu hoch. „Ich halte 8000 Euro für angemessen.“

Das ist genau jener Betrag, den Collins und Collison ursprünglich bereit gewesen waren, zu zahlen. „Aber das war zu einem sehr frühen Stadium des Prozesses und ist nicht mehr aktuell“, betonte Anwalt Döring. Der Grund: Mit Zahlung der Summe hätte verhindert werden sollen, dass die Geschichte an die Öffentlichkeit dringt. Denn mittlerweile ist einer der beiden Fußballer vereinslos und auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber – dafür sei solch ein bekannt gewordener Fall wenig hilfreich, sagte Döring. Deshalb pocht er auf eine Einstellung des Verfahrens, damit seine Mandanten ihre weiße Weste bewahren.

Und seine Hoffnung ist durchaus berechtigt: Nach der rund einstündigen Anhörung des Klägers ließ Fehrs keinen Zweifel daran, dass ihm die Beweislage bislang deutlich zu dünn sei, zumal der Taxiunternehmer keine Zeugen für seine Version hat.

Dieser zufolge habe er vier West-Ham-Profis vom Glücksburger Strandhotel zunächst in die Flensburger Innenstadt und anschließend zu einer Mürwiker Cocktailbar chauffiert. Da die alkoholisierten Fußballer ihn während der Fahrt unflätig beleidigt haben sollen, hat er die Sprachaufnahme-Funktion seines Handy eingeschaltet. „Die Stimmung im Auto war sehr, sehr aggressiv“, sagte der Taxifahrer. „Ich hatte Herzrasen und Angst.“

Die will er auch bei der Ankunft an der Cocktailbar gehabt haben, als drei weitere Fußballer – darunter der englische Nationalspieler Andy Carroll – auf ihn warteten. Zu siebt haben sie offenbar versucht, ihn zu überreden, die Tonaufnahme zu löschen. Dies habe er auch machen wollen – aber erst, wenn die Fußballer sich ruhig verhalten und ihre Rechnung bezahlt haben. Die Fußballer seien jedoch weiterhin aufgebracht gewesen und bestanden darauf, dass er die Aufnahme unverzüglich lösche. Daher habe einer von ihnen – es soll Jack Collison gewesen sein – dem im Auto sitzenden Taxifahrer durch das geöffnete Fenster auf der Fahrerseite gewaltsam das Handy aus der Hand gerissen haben. Dabei soll Collison, der nicht im Auto saß, den Arm des Taxifahrers „nach hinten in Richtung Kofferraum“ gezogen haben und ihm dabei die Verletzung zugefügt haben.

Das Entreißen des Handy bestreiten die Fußballer auch keineswegs, sehr wohl aber, dem Fahrer die Verletzung zugefügt zu haben. Und das zurecht, wie ein unabhängiger Zeuge gegenüber unserer Zeitung berichtet. Er ist Barkeeper in der Mürwiker Cocktailbar und hat das Geschehen aus nächster Nähe miterlebt.

Als Zeuge war er dennoch nicht geladen. „Der Fußballer hat den Arm keineswegs nach hinten gezogen, von grober Gewalt kann keine Rede sein.“ Zudem seien die West-Ham-Profis bestenfalls leicht alkoholisiert gewesen und wirkten auf ihn keineswegs furchteinflößend oder gewaltbereit.

Das sieht auch deren Verteidiger Döring so. Er kündigte vor dem Landgericht an, bei Bedarf einen Zeugen zu benennen. Um den Barkeeper handelt es sich dabei vermutlich nicht. „Mich hat bislang noch niemand kontaktiert.“ Ob Richter Fehrs dies noch nachholt, ließ er offen. Am 13. März will er verkünden, ob es zu einem Urteil kommt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen