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Noch eine starke Frau mit Sinn für Sinnlichkeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Förderprogramm Spice 2.0: Neun Gründerinnen wie „Fräulein Spitz“ bekommen Mentorin an die Seite

Ihr Leitspruch lautet: „Liebe ist einzig, nicht artig.“ Sie handeln mit Augenbinden, stimulierenden Ölen und Vibratoren. Fräulein Spitz heißt die Gründung vom Flensburger Campus und versteht sich als „flüsterleise Beraterin, die sich in die lustvolle Welt ihrer Kunden hineinversetzt.“ Hinter dem Online-Erotik-Shop stehen Jennifer Eilers und Stefanie Höller. Eiler, 31, kommt aus der Werbung und befindet sich auf der Zielgeraden ihres Studiums an der Europa-Universität Flensburg in Germanistik und Textil und Mode. Diesen Studiengang hat Höller, 39, aus ihrem Hobby heraus auch auf ihren Betriebswirtschaftsabschluss an der FH aufgesattelt.

Beide waren hochschwanger, als sie sich kennenlernten. Beim genauen Blick auf den Markt stellten sie fest, dass dieser keinen Sinn für Sinnlichkeit hatte und es etwa an ästhetischer Reizwäsche mangelte. Stattdessen stießen sie auf Hardware wie „Dildo Kings“. Weil Frauen gern shoppen, hat sich Fräulein Spitz anfangs als Dienstleisterin von Frauen für Frauen gesehen, sagt Höller. Doch seit ihr Erotik-Shop Ende 2014 online ging, zählen längst viele Männer zu ihren Kunden. „Die nehmen wir erstmal an die Hand“ und beraten sie individuell bei der Suche nach dem richtigen Geschenk für die Frau, gibt Eilers ein Beispiel. Während sich Stefanie Höller als sachlich beschreibt und für die Zahlen zuständig ist, kümmert sich Eilers um Kommunikation und denkt sich Dinge aus wie den Blog „Essen macht scharf“.

Seit wenigen Wochen bildet Fräulein Spitz einen Part von insgesamt neun „Tandems“. Ihr Counterpart heißt Inga Wiele und ist selbst Gründerin von „gezeitenraum“ – mit etwas längerer Erfahrung. Daran sollen ihre Schützlinge teilhaben, sagt Wiele. Im Augenblick überlege sie mit den Flensburgerinnen, wer zur Zielgruppe von Fräulein Spitz gehören soll, wer als Netzwerkpartner in Frage kommt. Die 46-jährige Innovationsberaterin aus Baden-Württemberg gehörte früher zum Aufsichtsrat von SAP und hat sich vor zweieinhalb Jahren in Nordfriesland niedergelassen. Sie attestiert Schleswig-Holstein ein „gutes Gründerklima“ und nimmt einen Trend wahr: „Menschen verrichten die Arbeit dort, wo sie leben möchten.“

Fräulein Spitz und als Mentorin Inga Wiele sind ein Tandem geworden auf einer Veranstaltung im Rahmen des Interreg-5a-Projekts „Spice 2.0“ (wir berichteten). „Alle haben sich noch kennengelernt – wir haben schon gearbeitet“, erinnert sich Stefanie Höller an jenen ersten Workshop, dem im Laufe des Jahres noch drei folgen werden. Höller und Eilers sind schon jetzt des Lobes voll für ihre Mentorin, die sich viel Zeit für die Gründerinnen nehme und deren Blick von außen neue Ideen anrege.

Beim Auswählen der passenden Paare habe insbesondere die Persönlichkeitsebene eine Rolle gespielt, erklärt Kirsten Mikkelsen von der Europa-Universität. Unter den erfahrenen Mentorinnen finde sich zum Beispiel die Gründerin des ersten deutschen „Unverpackt-Ladens“. Eines der Forschungsthemen von Kirsten Mikkelsen ist „Women’s Entrepreneurship“. Langfristig wünscht sie sich in Flensburg ein „Center for Women’s Entrepreneurship and Leadership“ – über den Projektzeitraum von drei Jahren hinaus. „Wir sind überzeugt, dass unser Programm der Region und insbesondere dem Campus Flensburg ein Benchmark verleihen kann, das es so noch nicht in Norddeutschland gibt“, betont Mikkelsen. Als kleiner Campus suche man die Nische. „Das ist unsere, und wir haben hier die gute Situation Forschung und Praxis, direkt miteinander zu verbinden.“

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erstellt am 14.Jun.2016 | 12:23 Uhr

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