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Lufthansa-Entführung 1977 : Niemand will für die „Landshut“ zahlen – Flensburg wieder im Spiel?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Finanzierung einer Halle in Friedrichshafen ist unklar. Flensburger Thomas Liebelt wäre bereit sie zu finanzieren.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 06:51 Uhr

Seit einem Monat ist die frühere Lufthansa-Maschine „Landshut“ wieder in Deutschland und wartet in einem Hangar in Friedrichshafen auf das, was da nun kommen mag. Bis sie im Rahmen einer Ausstellung zu den Ereignissen vor fast genau 40 Jahren öffentlich gezeigt werden kann, dürfte noch viel Zeit vergehen. Denn es gibt Unstimmigkeiten über die Finanzierung der weiteren Schritte, offenbar vor allem der Halle, in der das Flugzeug präsentiert werden soll.

Anders in Flensburg: Hier gibt es mit Thomas Liebelt nach wie vor einen Luftfahrt-Enthusiasten, der bereit ist, eine entsprechende Halle zu finanzieren. Er hat sogar schon einen ersten Entwurf dafür. Liebelt, der regelmäßig die Berichte aus Friedrichshafen verfolgt und in Sachen Landshut gut informiert ist, findet den Streit um die Finanzierungsfrage „unwürdig“ vor dem Hintergrund der Geschichte des Flugzeugs, das im Herbst 1977 entführt und später von der GSG 9 in Mogadischu befreit wurde.

Die Rückholung aus Brasilien, wo das Flugzeug jahrelang unter freiem Himmel vor sich hin rottete, hatte Außenminister Gabriel initiiert. Das Auswärtige Amt hat den Rücktransport finanziert. Das Dornier-Museum in Friedrichshafen hat dann ohne Ausschreibung oder Wettbewerb den Zuschlag bekommen. Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM), Monika Grütters, will die Restaurierung des Flugzeugs finanzieren. Doch wer baut die Halle? Hierfür gebe es im Haushalt des Auswärtigen Amtes keinen Titel, schreibt der Spiegel in seiner neuesten Ausgabe.

Während in Flensburg die Stadt von Beginn an an der Seite Liebelts stand, setzt sich die Stadt Friedrichshafen deutlich von den Landshut-Aktivitäten des Museums ab: „Die Landshut ist ein Projekt des Dornier-Museums, des Auswärtigen Amtes, der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien sowie der Bild-Zeitung“, so Oberbürgermeister Andreas Brand. „Für uns ist damit sehr klar: Das Landshut-Projekt, die Restaurierung, Konzeption und die laufende Präsentation mit allen damit verbundenen Kosten muss von den Projektpartnern finanziert werden. Das ist eine nationale Aufgabe, keine kommunale. Die Stadt Friedrichshafen ist daher nicht am Projekt beteiligt.“

Das ist deutlich. Zwar hat auch die Stadt Flensburg bisher keine finanziellen Zusagen gemacht. Das war aber bisher auch nicht nötig. Der Spiegel schreibt von fünf Millionen Euro, die in Friedrichshafen für die Halle zu berappen seien. Das Museum selbst geht von zehn Millionen Euro für das Gesamtprojekt aus – und dass der Bund für diese Kosten aufkommt, sagte Pressesprecher Patrick Lindner gestern. Laut Spiegel wollen aber weder die BKM noch das Auswärtige Amt die Kosten für die Halle übernehmen.

Die am 13. Oktober 1977 entführte 'Landshut' nach der Landung in Mogadischu.  Archiv
Die am 13. Oktober 1977 entführte "Landshut" nach der Landung in Mogadischu.  Archiv Foto: dpa
 

Aus Berlin kommen widersprüchliche Aussagen zur Finanzierung: „Das Auswärtige Amt [...] wird für die Finanzierung des Baus einer Ausstellungshalle Sorge tragen“, heißt es aus der Pressestelle der BKM. Im Auswärtigen Amt ist man zurückhaltender: „Auf Grund des frühen Stadiums kann über die Kosten derzeit noch keine verbindliche Aussage getroffen werden.“

Für solche Unklarheiten hat Liebelt kein Verständnis. „Ich hätte vor der Rückholung genaue Verträge darüber gemacht, wer was am Ende finanziert“, sagt Geschäftsmann Thomas Liebelt. Die Höhe der Kosten kann er nicht nachvollziehen und ist sich sicher, das Projekt in Flensburg zu einem Bruchteil dieser Kosten finanzieren zu können. Er ist nach wie vor bereit, die Finanzierung sicher zu stellen.

Überrascht von der neuen Entwicklung zeigte sich Oberbürgermeisterin Simone Lange, die das Thema eigentlich abgehakt hatte. Vor wenigen Wochen habe sie der Museumsleiter David Dornier angerufen, um etwaige Verstimmungen Flensburgs aus dem Weg zu räumen. Lange hatte sich Ende Juli deutlich über das Verhalten des Auswärtigen Amtes mokiert, das ohne Rücksprache mit Flensburg völlig überraschend dem Dornier-Museum die Landshut gegeben hatte.

Liebelt hatte im Sommer auf Sylt zufällig Außenminister Gabriel getroffen und ihn deswegen zur Rede gestellt. Der Minister habe ausweichend geantwortet, erinnert sich Liebelt.

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