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Mensen an Schulen und Kitas : „Niemand muss essen, was er nicht mag“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kein Handlungsbedarf: Die Schweinefleisch-Debatte ist bei Flensburger Schulen und Kitas kaum ein Thema.

Flensburg | Schnitzeltag! An der Essensausgabe in der Mensa der Auguste-Viktoria-Schule haben sich nach dem Unterricht lange Schlangen gebildet. Die meisten Schüler bevorzugen das panierte Schweinefleisch, dazu Leipziger Allerlei, Kartoffeln und braune Sauce. Deftige Hausmannskost eben.

Schnitzel kann, aber muss nicht. Die AVS bietet Tag für Tag optional vier Gerichte an. „Ein ausgeklügeltes System“, findet Schulleiter Markus Eckert. Fleischliebhaber kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Vegetarier oder jene, die einen schnellen Snack bevorzugen. Das Bestellsystem ist über das Internet abrufbar, Eltern und Schüler finden dort vorab detaillierte Informationen, die relevanten Inhaltsstoffe der jeweiligen Mahlzeit sind deklariert.

Die Fleischerei Jepsen beliefert die Schule, „und das hat sich prima etabliert“, sagt Eckert, der keine Veranlassung sieht, an dem System etwas zu ändern. Er werde selbstredend Rücksicht genommen auf Veganer, Allergiker oder Muslime. „Bislang hat es keine Klagen gegeben“, sagt der Schulleiter. Insofern gebe es auch nach der umstrittenen Offensive der CDU-Landtagsfraktion, die sich dagegen wendet, dass Schweinefleisch sukzessive vom Speiseplan in Schulen, Kitas und Kantinen verschwinde, keinen Handlungsbedarf.

Das gilt auch für Schulen, die kein Schweinefleisch im Angebot haben, wie etwa die Waldschule, die 20 Nationalitäten unter einen Dach vereint. „Es macht keinen Sinn, Essen anzubieten, dass zu Konflikten führt“, sagt Schulleiter Volker Masuhr. Warum also solle man sich Probleme ohne Not ins Haus holen? Auch ohne Schweinefleisch werde man den verschiedenen Essensgewohnheiten gerecht. Fisch, Geflügel und Rind findet sich hier genauso im Angebot wie fleischlose Kost. „Die Hauptsache ist, dass alle Schüler satt werden und zufrieden sind“, betont Masuhr. Das politische Beiwerk ist ihm ziemlich „wurscht“.

Die Waldschule wird beliefert von der Rathaus-Kantine, die auch mit der Gemeinschaftsschule West, dem Fördegymnasium, der Falkenbergschule, der Rude-Schule, der Max-von-der-Grün-Schule und der Friholtschule kooperiert. „Seit Anbeginn haben wir kein Schweinefleisch im Programm“, sagen die Betreiber Andrea und Josef di Paola. „Wegen des hohen Anteils von Kindern mit Migrationshintergrund.“ Man beschränkt sich auf Rind, Pute und Hähnchen; alternativ gibt es ein vegetarisches Gericht, zudem eine Suppe oder einen Eintopf. Bei den Mitarbeitern im Rathaus sei das anders. „Die wollen auf Schweinefleisch nicht verzichten.“

Die Kitas von Adelby  1 üben in dieser Hinsicht auch keinen Verzicht. „Aber bei den beiden Menüs, die wir reichen, ist immer ein fleischloses dabei“, erklärt Nina Jebsen. Insofern werde man auch den zahlreichen Flüchtlingskindern gerecht. Aus ihrer Sicht ergibt es keinen Sinn, etwas verpflichtend im Angebot zu haben. „Wir wollen nichts ausschließen – die Kinder essen einfach, was ihnen schmeckt.“

Auch am Fördegymnasium hat der CDU-Vorstoß zu keinen großen Diskussionen im Kollegium, geschweige denn zu Änderungen im Speiseplan geführt. „Mir ist die mediale Aufregung etwas fremd“, sagt Schulleiter Frithjof Höhnke. „Bei uns muss niemand essen, was er nicht mag oder nicht darf.“ Die Schule wird täglich mit zwei Gerichten beliefert. „Und wer kein Fleisch isst“, so Höhnke, „lässt das Wiener Würstchen eben links liegen.“

In der Mensa der Goetheschule gab es gestern Wurstragout auf Reis von der Kindergarten- und Schulverpflegung MUS, die unter anderem das Alte Gymnasium, die Ostseeschule, die Käte-Lassen-Schule und die Zentralschule Harrislee bedient. Im Internet und per Aushang ist stets vermerkt, welche Sorte Fleisch sich in einem Gericht verbirgt. „Schwein in diesem Fall“, stellt Schulleiter Arndt Reinke nach kurzer Recherche fest.

Kein Problem. Wer nicht will, greift zum Gemüseragout. „Bei uns hat es in dieser Hinsicht noch nie Schwierigkeiten gegeben“, sagt Reinke. „Die Schüler sehen das ganz locker.“

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erstellt am 04.Mär.2016 | 12:00 Uhr

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