Deutsches Haus : Nie wieder Schrumpf-Region

„Meine Tröte ist schon ganz rostig“, beschwerte sich (Petuh-)Fru Christiansen – Prompt servierte Moderator Holger Heitmann ihr und Frau Karagüs (r.) Kaffee. Fotos: Michael Staudt
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„Meine Tröte ist schon ganz rostig“, beschwerte sich (Petuh-)Fru Christiansen – Prompt servierte Moderator Holger Heitmann ihr und Frau Karagüs (r.) Kaffee. Fotos: Michael Staudt

2000 Gäste hören selbstbewusste und optimistische Bürgermeister-Töne auf dem Neujahrsempfang der Stadt mit buntem Programm

shz.de von
12. Januar 2015, 08:01 Uhr

Erst zogen sie ihn durch den Kakao, und am Ende wollten sie dann noch ein Tänzchen. Fru Christiansen und ihr Petuh-Sidekick Frau Karagüs alias Hilke Rudolph und Nazli Süchting hatten auf Flensburgs Bürgerempfang gestern im Deutschen Haus das letzte Wort – den letzten Tanz aber bekamen sie nicht. Über 2000 Flensburger hatten dem Schietwetter getrotzt und waren zum 32. Neujahrsempfang gepilgert, wo gute Unterhaltung und gepflegter Klönschnack traditionell Bürger, Politik und Verwaltung einander näher bringen.

Drei Mal während Fabers Neujahrsransprache durften sich die Flensburger mit Fug und Recht selbst beklatschen. Der grandiose Championsleague-Sieg der SG Flensburg-Handewitt im Finale über den Erzrivalen THW Kiel war so eine Stelle; der Riesenerfolg der Flensburger Bürgerwette, die über 91 000 Euro für bedürftige Mitbürger erzielte, eine weitere und – ganz aktuell –Flensburgs Antwort auf die Pegida-Bewegung. Zwischen Weihnachten und Neujahr entstand ein umfassendes Bündnis von Bürgern, Parteien, Gewerkschaften und Unternehmen, das, so Faber, ein deutliches Zeichen gegen dumpfe Pegidas und für den Dialog vor Ort gesetzt habe. In Gang gesetzt wurde diese Bürgerbewegung durch einen Facebook-Aufruf, der die Gründung einer eigenen Flensburger Pegida zum Ziel hatte.

Faber also konnte es sich leisten, ein bisschen stolz auf eine Stadt zu sein, die auf dem jüngsten Demographiekongress des Landes von einem Berliner Institut das Etikett „aufstrebende Mittelstadt“ bekommen hat. Faber leugnete nicht die manchmal schwierige Entscheidungsfindung in einem Rat mit sieben Fraktionen, stellte all das aber vor den Hintergrund einer in vielen Dingen einzigartigen Stadt auf Wachstumskurs: Wachstum auf dem Campus (mit über 9000 Studenten so viele wie nie zuvor) , Wachstum in der Wirtschaft, Wachstum in der Bevölkerung („nach eigener, sorgfältiger Erfassung schon deutlich über 91 000“) – positive Entwicklungen, die auch im Dänemark Widerhall fänden. „Das gestiegene Interesse an der Jütland-Route in Hamburg und Aarhus, die dänische Regierungsainitiative zur Stärkung des Wachstums in unserer Region sind gute Signale“, meinte Faber. Wer sich an den mit solchen Prozessen verbundenen Reibungen stört: es sei doch allemal besser, Problemstellungen gut zu lösen als zu den Schrumpfregionen der Republik zu gehören. Bei einem in Flensburg zuletzt besonders heftig diskutierten Reibungsfall, läuft Faber zumindest bei Fru Christiansen offene Scheunentore ein. „Bei Hotel krieg´ ich langsam Nackenhaare.“

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