Flensburger Norden : Neustadt-Zentrum im Winterschlaf

Ob morgens oder abends, die Bauarbeiten am Stadtteilzentrum Neustadt an der Gasstraße ruhen seit Wochen komplett.
Ob morgens oder abends, die Bauarbeiten am Stadtteilzentrum Neustadt an der Gasstraße ruhen seit Wochen komplett.

Altlasten haben die Arbeiten am neuen Stadtteilzentrum wiederholt verzögert – jetzt sollen sie im Februar weitergehen.

shz.de von
29. Dezember 2014, 11:15 Uhr

Zwischen Werftstraße und Feldstraße ruhen die Arbeiten – und das liegt nicht in erster Linie an den Weihnachtsferien. Die Arbeiten am neuen Stadtteilzentrum Neustadt kommen nicht voran, schon seit Wochen nicht. Die Ursache für den Baustopp ist in etwa vier Metern Tiefe auf dem früheren Gewerbegrundstück zu suchen.

Dass hier Altlasten im Untergrund schlummern, ist seit Jahrzehnten bekannt. Dafür dürfte nicht zuletzt das frühere Gaswerk verantwortlich sein. Von 1854 bis 1910 haben die Stadtwerke respektive ihre Vorgängerin hier Gas produziert; wie seinerzeit nicht unüblich, wurden Abfälle und Produktionsrückstände einfach vergraben. Auch die Holzhandlung Brink auf der anderen Seite der Werftstraße war hier aktiv; deren Gelände ist aber vor einigen Jahren aufwendig saniert worden. Zuletzt wurde die Tankstelle abgerissen, die hier bis in die jüngere Vergangenheit angesiedelt war. Ein Boden-Gutachten aus dem Jahr 2007 beschreibt die im Boden vorhandenen Schadstoffe nach Art, Umfang und Lage, sagt Stadt-Sprecher Clemens Teschendorf

Bauherr des Stadtteilzentrums ist eine Firmengruppe, zu der neben dem Itzehoer Investor Michael May und dem Flensburger Bauunternehmer Hermann Höft auch das Flensburger Familienunternehmen C. C. Christiansen gehört, das seit 1802 im Viertel wirtschaftlich aktiv ist. Im Sommer hat der Bauherr mit den „Bodenverbesserungsarbeiten“ begonnen. Dabei werde mit Druck Kies in den Boden gepresst, um diesen zu stabilisieren, erklärt Architekt Werner Schaffer. Diese Arbeiten seien zu 60 Prozent erledigt. Im August sei man bei diesen Arbeiten auf eine Verunreinigung im Boden gestoßen; es traten – bedingt durch die bei der Kieseinbringung verwendete Druckluft – Ausdünstungen aus. Einem Bauarbeiter soll schwindlig geworden sein. Die Berufsgenossenschaft Bau wurde informiert; sie ist für die Arbeitssicherheit und für Prävention vor Unfällen zuständig. Heute trete nichts mehr aus, versichert Schaffer.

Die Berufsgenossenschaft überwacht seitdem das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren. Neben Analysen von Bodenproben müssen eine Vielzahl weiterer Dinge bedacht werden. „Das ist ein sehr langwieriges Verfahren“, so Schaffer. Eigentlich habe man gehofft, die Arbeiten fortsetzen zu können, doch es seien weitere Detailfragen aufgetaucht, die noch zu klären sind. Jetzt gehe er davon aus, dass im Februar weiter gearbeitet werden kann. „Dann werden wir unter anderem das Verfahren ändern und nicht mehr Kies, sondern Beton in die Bohrlöcher einbringen.“ Die mit der Bodensanierung beauftragte Fachfirma stehe Gewehr bei Fuß, sagt Sven Kleinschmidt, geschäftsführender Gesellschafter bei C.  C. Christiansen. Als Bauherr könne man derzeit nur warten.

Pfingsten wurde die neue Trasse der Werftstraße eingeweiht, die seitdem einen östlichen Bogen um das künftige Einkaufszentrum mit Aldi und Edeka macht. Seitdem wurden vor allem die Stellplatzanlagen nahezu fertig gestellt, berichtet Schaffer. Auf dem Gelände zwischen Werft-, Feld- und Gasstraße werden der Aldi- und der Edeka-Markt aus der Neustadt angesiedelt; dort sollen die Freiflächen für eine Umgestaltung und Aufwertung des Quartiers genutzt werden.

C. C. Christiansen beschäftigt sich bereits seit 1999 mit dem Projekt Neustadt-Markt, berichtet Sven Kleinschmidt. Das Unternehmen betrieb einst eine Kornbrennerei auf einem Teil der Flächen.

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