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Flensburger Gaben : Neues Team geht an den Start

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Flensburger Gaben wollen ihren schlechten Ruf vergessen machen. Dreimal pro Woche können Bedürftige Lebensmittel im Adelbyer Kirchenweg abholen.

Flensburg | Mit dem Alten abschließen und etwas Neues beginnen – der Vorstand des Vereins Flensburger Gaben wünscht sich nichts sehnlicher. Und dafür ist er auf einem guten Weg. Ende September hat sich die Vereinsführung neu aufgestellt, die alles dafür tut, um der Arbeit und vor allem dem Ruf des Vereins gerecht zu werden. Ein Gerichtsverfahren wegen Untreue und die Vorwürfe, die Gaben seien in russischer Hand, haben dafür gesorgt, dass die Kunden das Vertrauen in den Verein verloren hatten. Doch das soll nun Schnee von gestern werden. Sobald die Satzung geändert ist, geht es los.

„Wir wollen mit einem neuen Team neu durchstarten“, sagt die Vorsitzende Tanja Heerdt. Auch der Name des Vereins soll sich ändern. „Es gibt bereits eine Idee, doch darüber sind wir uns noch nicht ganz einig“, erklärt Heerdt. Sobald die Entscheidung nach einer Mitgliederversammlung gefallen ist, soll auch ein Schild über der Eingangstür aufgehängt werden. Zum Neustart in andere Räumlichkeiten umzuziehen, würde sich der Vorstand wünschen, doch es ist aus finanziellen Gründen nicht möglich. Deshalb werden die aktuellen Räume im Adelbyer Kirchenweg nun verschönert. „Wir sind dabei, die Wände zu streichen“, erzählt Norbert Obenaus erfreut. Zwei Räume seien bereits fertig.

Die Flensburger Gaben sehen sich nicht als Tafel, sondern eher als Sozialladen. Dreimal pro Woche können sich Bedürftige Lebensmittel gegen einen Betrag von zwei Euro (Kinder 50 Cent) abholen, bei Bedarf auch öfter. „Wir lehnen niemanden ab“, betont Heerdt, „auch niemanden, der kein Geld hat.“ Die gebürtige Hessin erinnert sich an eine alte Dame, die „auf der Straße vor Hunger fast zusammen gebrochen ist“. Sie hatte kein Geld für Lebensmittel übrig, doch die Mitarbeiter der Gaben haben sie trotzdem versorgt. Nicht nur junge Erwachsene ohne Arbeitsplatz suchen die Gaben auf, sondern auch alleinerziehende Eltern, Sozialhilfeempfänger, Rentner und hilfsbedürftige ausländische Mitbürger. Auch Studenten mischen sich unter die Kundschaft.

Neben Lebensmitteln und Hygieneartikeln können die Kunden auf einem kleinen Flohmarkt Deko-Artikel oder Kleidungsstücke für einen Obolus erwerben, der als Spende entgegen genommen wird. Das Geld stecken sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter aber nicht in die eigene Tasche, sondern verwenden es, um die Unkosten des Vereins zu decken. Dazu gehören die Warmmiete sowie die Ausgaben für die beiden Autos, mit denen die Mitarbeiter Lebensmittel von verschiedenen Supermärkten, Bäckereien, Drogeriemärkten oder Landwirten abholen. Winterreifen stehen zurzeit weit oben auf der Anschaffungsliste.

Die Arbeit der Ehrenamtlichen geht weit über die Lebensmittelausgabe hinaus. „Oft reden wir auch mit den Leuten über ihre Probleme und Sorgen“, sagt Obenaus. Er und seine Kollegen kommen gern in den Adelbyer Kirchenweg 85. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt er. „Außerdem hat man eine sinnvolle Beschäftigung.“

 

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erstellt am 13.Nov.2015 | 16:00 Uhr

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