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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 23:18 Uhr

Gesundheit : Neues Leben ohne Krebs und Rauch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei Ute Saß ist vor zwei Jahren ein fortgeschrittenes Lungenkarzinom entdeckt worden – heute ist sie ihren Lebensrettern im Krankenhaus dankbar

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2013 | 07:00 Uhr

Ute Saß hat nichts fürs Rauchen übrig – nicht mehr. „Wenn ich jemanden sehe, der raucht, denke ich: Bitte, bitte, hör’ auf“, sagt sie. „Es macht einfach krank.“ Am 11. November 2011 bekam sie ihren Befund. Ihr schwante schon Schlimmes, nachdem sie zum Arzt gegangen war, weil sie eine Bronchitis nicht los wurde und vereinzelt Blut im Auswurf entdeckte. Die Diagnose Lungenkarzinom entriss ihr den Boden unter den Füßen. Drei Bekannte waren erst kurz zuvor an Krebs gestorben. „Ich war in einem Loch“, erzählt Ute Saß. Ihr Hausarzt überwies die Husumerin nach Flensburg ans Malteser-Krankenhaus St. Franziskus.

„Dass ich noch da bin, verdanke ich auch den Ärzten“, sagt Saß, die gerade 63 geworden ist und dem Rauchen längst abgeschworen hat. Der Tumor habe sich bei Diagnose im fortgeschrittenen Stadium befunden, „IIIB“, präzisiert Prof. Dr. Nadezda Basara, Chefärztin der Medizinischen Klinik I am St.-Franziskus-Hospital. Danach folge nur noch 4, und Krebs in diesem Stadium sei nicht behandelbar.

Der Diagnose-Sicherung folge aufbauend die Therapie, erklärt Dr. Heinz Koerlings, leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik I. Wie die Behandlung weitergeht, wird in der Tumor-Konferenz entschieden. Dieses Instrument ist seit Jahren in Flensburg etabliert; inzwischen schalten sich dem interdisziplinären Fachkollegium auch die Kollegen aus Husum und Niebüll per Video zu und beraten gemeinsam über die beste Therapie ihrer Patienten, sagt Hans-Jürgen Brodersen. Das Geheimnis des Behandlungserfolges sei das Netzwerk, betont der Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und unterstreicht: „Man hat dann nur eine Chance, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Zudem verfüge das Krankenhaus nicht nur über die Experten, sondern auch über hochmoderne Geräte. Damit sei der Arzt in der Lage, eine hohe Dosis an Strahlen zu verabreichen, ohne das gesunde Gewebe zu zerstören, erläutert Brodersen. Eine Chemotherapie werde, wie bei Ute Saß, für gewöhnlich voran gestellt, um das Volumen des Tumors zu verkleinern. Dann könne die kombinierte Chemo- und Strahlentherapie folgen. Die erfolge in der Regel im Block, erläutert Nadezda Basara, mit der Chemotherapie wiederum am Ende. Nach sechs bis acht Wochen ergehe es den Patienten erstmal schlecht, weiß Hans-Jürgen Brodersen. Sie fühlten sich oft sogar schlechter als vor der Behandlung.

Sie habe das nie als so extrem empfunden, erinnert sich Ute Saß an den Beginn ihrer Therapie im Januar 2012. Und eine ihrer Töchter habe gestaunt, wie sie das wegsteckt. „Die Patienten, die eine Therapie gut vertragen, haben eine deutlich bessere Prognose“, beobachtet Radiologe Brodersen. Was die Patientin wohl erinnert, ist ihre angegriffene Speiseröhre und die Freude, als sie endlich wieder etwas essen durfte.

Die 63-Jährige fühlt sich gut, klopft immer wieder auf Holz. Wenn Rückfälle fünf Jahre lang nach der Diagnose ausbleiben, ist die Prognose gut. Ab Januar verkürzen sich ihre Intervalle zur Nachsorge – dann muss Saß nur noch einmal im halben Jahr zur Untersuchung. Neben den Ärzten hat auch ihre treue Familie die Genesung von Anfang an begleitet und beschleunigt. Auch damit: „Ich habe wieder eine Aufgabe“, sagt die gelernte Einzelhandelskauffrau Saß und meint ihre anderthalbjährige Enkeltochter.

 

 

 

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