Nördliche Altstadt Flensburg : Neues Leben in alten Höfen

Der Herr der Höfe: Denkmalpfleger Eiko Wenzel (mit Hut) erläutert den Hof von C.C.Petersen, Norderstraße 78. Fotos: Michael Staudt (2)
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Der Herr der Höfe: Denkmalpfleger Eiko Wenzel (mit Hut) erläutert den Hof von C.C.Petersen, Norderstraße 78. Fotos: Michael Staudt (2)

Wohnnutzung rechts und links der Norderstraße: Alte und junge Beispiele für gelungene Sanierung

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27. Juli 2018, 07:11 Uhr

Die nördliche Altstadt lebt. Und neues Leben kommt in jüngster Zeit dazu. So wird seit etwa zwei Jahren Haus und Hof des Flensburger Originals Peter Liebmann (Trödel-Pit, verstorben 2014) saniert und für neue Nutzungen fit gemacht. Auch in den Hof von C.C. Petersen direkt gegenüber zeugen Mini-Sandkiste, kleiner Rasen und allerlei Spielgeräte von neuem Leben in alten Gemäuern. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die aktuelle Höfe-Führung im Rahmen der Flensburger Hofkultur.

Dabei war die Flensburger Altstadt in den 60er Jahren fast schon mausetot. „Wir müssen die Altstadt eigentlich komplett abreißen“ – dieses Credo sei damals im Rathaus recht verbreitet gewesen, berichtet Denkmalpfleger Eiko Wenzel zu Beginn der Führung im Kaufmannshof Norderstraße 86. Er zeigt Planungsskizzen eines großflächigen Kahlschlags mit wenigen einzelnen zu erhaltenen Häusern. „Fünf- bis siebenstöckig sollte hier gebaut werden“, ergänzt Wenzels Kollege Henrik Gram, der dieselbe Führung kommende Woche noch einmal auf Dänisch leitet. „Aber Flensburg kriegte die Kurve“, so Wenzel – und zwar in genau diesem Hof Norderstraße 86.

Man musste eigens einen Architekten aus Dänemark holen, weil es in Deutschland keine gab, die sich mit Sanierung und Umnutzung aller Hofanlagen auskannten. Das war ein Glück, denn die Sanierung dieses Hofes mit reichlich Städtebauförderungsmitteln gilt bis heute als Modell für vieles, was dann folgte.

So begann die Neubesiedelung der alten Flensburger Höfe vor fast 50 Jahren. Nur ein paar Steinwürfe weiter kann man sehen, wie sie heute aussieht. Für die meisten Flensburger war Trödel-Pit mit seinem Kuriositäten-Kabinett auf mehreren hundert Quadratmetern Lagerflächen ein Begriff. Sein Wunsch, daraus ein Museum zu machen, blieb unerfüllt. Eine kleine Investorengruppe hat das Haus erworben und saniert es aufwendig. Die Hinterhäuser wurden nur als Lager genutzt und hatten keine Heizung und keine Wasseranschlüsse. Entsprechend groß war der bauliche (und finanzielle) Aufwand. Jetzt sind die ersten Bewohner eingezogen und verfolgten Eiko Wenzels Ausführungen von ihrer kleinen Terrasse aus. Der Hof wirkt hell und einladend und hat einen direkten Zugang zum Rummelgang und zur Schloßstraße.

In der zeigen Üze Oldenburg und Gundula Sommerer, was Leben und Arbeiten in der Flensburger Altstadt auch bedeuten kann. Sie haben ein kleines Ensemble heruntergekommener Häuser erworben und daraus eine Sammlung von Schmuckstücken mit einer der charmantesten Dachterrassen Flensburgs gemacht. Hier leben und arbeiten beide als Ton-Künstler – sie als Töpferin, er als Instrumentenbauer. Noch ist nicht alles fertig, doch viele Details zeugen schon heute von viel Hingabe und Gefühl für die alte Bausubstanz.

Dass das Haus von C.C. Petersen mit dem früher berühmten Wein- und Whiskyladen eigentlich ein Fachwerkbau ist, sieht man erst, wenn man einen Blick in den Hof und auf die Seitenwand wirft. Die Frontfassade wurde später mit rotem Klinker überdeckt. Viele Baudetails sind erstaunlich gut erhalten; so kragt das erste Obergeschoss über das Erdgeschoss, und aus dem Schiffbau übernommene Zierformen sind deutlich erkennbar. An einer Doppel-Wäscheleine hängt weiße Wäsche quer über den Hof. Tatsächlich: Hier wohnt wieder jemand. Eine junge Familie ist hier eingezogen und hat sogar einen Minirasen angelegt, der leicht zu wässern ist und mit derzeit rarem satten Grün protzt. In solche Familien setzt Denkmalpfleger Wenzel seine Hoffnung, dass wieder mehr Menschen – auch Familien – in die Flensburger Altstadt ziehen.

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