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Telekommunikation : Neues Kommando an der Nordstraße

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

United Internet übernimmt Netzbetreiber Versatel komplett – was bedeutet das für den größten Standort Flensburg mit 230 Mitarbeitern?

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Der Internetanbieter United Internet („1&1“) will den Kommunikations- und Netzbetreiber Versatel komplett übernehmen. Seit knapp zwei Jahren ist das Unternehmen aus dem Westerwald mit 25,1 Prozent bei Versatel beteiligt, nun will es die restlichen 74,9 Prozent von der US-Finanzinvestorengruppe KKR (Kohlberg Kravis Roberts) übernehmen.

Diese Nachricht hat in Flensburg, am größten Versatel-Standort, gestern keine eindeutigen Reaktionen hervorgerufen. Noch vor zwei Jahren war an der Nordstraße die Angst umgegangen, als immer neue Sparrunden vor und nach der Übernahme durch KKR die einst 440 Mitarbeiter große Belegschaft bis auf 230 Beschäftigte schmelzen ließen: „Die Mitarbeiter sind informiert worden, dass die Geschäfte unverändert weiterlaufen und die Gesellschaft unter dem gleichen Namen weitergeführt wird“, sagt einer, der schon seit Komtel-Zeiten im Unternehmen ist. Manch ein Mitarbeiter findet sogar, die neuen Mehrheitsverhältnisse machen Sinn: „Die beiden Unternehmen ergänzen sich.“ Als Betreiber des zweitgrößten Glasfasernetzes in Deutschland (nach der Telekom) sei Versatel für United Internet besonders interessant, und zudem werde die Marktposition als zweitgrößter DSL-Anbieter gestärkt.

In Flensburg jedenfalls wurden nach etlichen schwierigen Jahren jüngst wieder positive Signale von Nordstraße und Hafendamm, wo bis zuletzt Personalabteilung und Regionalgeschäftsleitung arbeiteten, gesendet. Eindringlichstes Beispiel: In diesem August sind am Standort Flensburg erstmals wieder neue Auszubildende im Versatel-Konzern begrüßt worden. „Wer so etwas plant, hat ja zumindest einen Zeithorizont von drei Jahren“, so die Hoffnung in der Belegschaft.

Bereits seit vergangenem Sommer hat Versatel einen potenten Mieter – und Teile des bis dahin leer stehenden Gebäudes an die Flensburger Fachhochschule langfristig bis Sommer 2017 vermietet. Mit 30 Beschäftigten ist die FH vom Campus an das Ostufer gezogen. Teile des Präsidiums, das Institut für Windenergietechnik, das Gesundheits-Management sowie das Centre for Business & Technology in Africa residieren hier auf 1500 Quadratmetern samt vier Seminarräumen und einem PC-Labor. Längst prangt der Schriftzug der Flensburger Fachhochschule doppelt so groß an dem Gebäude wie der der stolzen Versatel.

Ein bisschen enger wird man bei Versatel wohl aber noch zusammenrücken müssen: Die vor sieben Jahren sanierte Villa am Hafendamm, wo Personal und Teile des Vertriebs arbeiten, wird derzeit von einem Flensburger Immobilienmakler zur Vermietung angeboten.

„Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam diese Erfolgsgeschichte fortsetzen und beschleunigen können“, zitieren die Nachrichtenagenturen United-Internet-Chef Ralph Dommermuth. Versatel sei profitabel und werde im laufenden Jahr rund 548 Millionen Euro umsetzen. In den Ausbau der DSL-Infrastruktur bei Versatel will er bis 2019 etwa 145 Millionen Euro stecken. Versatel bleibe als Marke erhalten und solle eigenständig vom Versatel-Management geführt werden. Weshalb auch Versatel-Sprecherin Ina Neuhaus gegenüber unserer Zeitung versichert: „Das bedeutet also auch keine Veränderung für den Standort Flensburg.“ So ganz sicher sind da in Flensburg nicht alle Beobachter. Warum zum Beispiel sollte United Internet in Flensburg langfristig eine zweite Finanzbuchhaltung aufrechterhalten, fragt ein Insider.

Für den noch ausstehenden Versatel-Anteil von 74,9 Prozent soll Finanzinvestor KKR übrigens 586 Millionen Euro in bar bekommen – womit sich der einstige Einsatz von 176 Millionen Euro fast verdreifacht haben soll.

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