Vereine in Flensburg : Neues EU-Datengesetz: TSB finanziell betroffen

Überstunden für den Datenschutz: Die aktuelle EU-Verordnung bereitet Geschäftsführerin Imke Blossei Sorgen.
Überstunden für den Datenschutz: Die aktuelle EU-Verordnung bereitet Geschäftsführerin Imke Blossei Sorgen.

Sportverein rechnet jährlich mit mindestens 5000 Euro Zusatzkosten / Keine Beitragserhöhung geplant

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20. Juni 2018, 06:12 Uhr

Am 25. Mai 2018 wurde eine weit reichende Veränderung für alle Firmen und Vereine eingeführt: die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung. Was bedeutet das für kleine Organisationen und Sportvereine? Der TSB Flensburg ist mit 5000 Mitgliedern zwar alles andere als klein – die finanziellen und organisatorischen Konsequenzen bekommt der Verbund trotzdem zu spüren.

„Um Probleme mit dem neuen Gesetz zu vermeiden, haben wir zu Anfang unsere Internetseiten heruntergefahren“, erklärt Geschäftsführerin Imke Blossei. Die erste Baustelle nach Inkrafttreten der Verordnung: die Websites des TSB. Die kompletten Homepages wurden von einer lokalen Werbeagentur an die aktuellen Vorschriften angepasst. Eine teure Angelegenheit: „Allein in die Websites mussten wir 3000 Euro investieren.“

Auch organisatorisch musste der TSB-Flensburg aufgrund des Datenschutzgesetzes umdisponieren. Denn: Viele Mitglieder bedeuten viele Informationen – Bankdaten, Wohnort, Geburtstag. In der Praxis hat die neue Verordnung zur Folge, dass eine genaue Dokumentation im Umgang mit den Daten erfolgen muss: „In einer riesigen Tabelle müssen wir exakt aufzeigen, welcher Mitarbeiter mit welchen Daten arbeitet.“

Eine zeitintensive Tätigkeit, die bisher nicht nötig war. „Vorher gingen wir mit den Daten unserer Mitglieder nicht weniger gewissenhaft um“, betont Blossei, „Das ist alles Zeit und Geld, das wir ebenso in den Sport stecken könnten.“

War die plötzliche EU-Datenschutzverordnung nicht abzusehen? War sie überhaupt plötzlich? Nein: Am 14. April 2016 wurde das Gesetz vom EU-Parlament verabschiedet. „Natürlich wusste ich im Vorfeld davon Bescheid“, schildert Blossei, „ich habe Seminare besucht und mich informiert. Was die neuen Richtlinien für uns genau bedeuten, war uns dennoch lange Zeit unklar.“

Klar ist, dass das neue Gesetz jedes Jahr finanziellen Aufwand mit sich bringt – zum Beispiel für einen Datenschutzbeauftragten. An laufenden Zusatzkosten geht Blossei jährlich von mindestens 5000 Euro aus. Außerdem sei das neue Gesetz dem täglichen Sportbetrieb ein echtes Ärgernis. „Ohne Unterschriften beider Seiten ist etwa eine WhatsApp-Gruppe zwischen den Spielern und dem Trainer unmöglich.“

Hat die EU-Verordnung auch sinnvolle Seiten? Ein klares Jein. Blossei meint: „Am Ende trifft das neue EU-Gesetz die Falschen mit einem großen Verwaltungsakt – viele kleine Betriebe und Vereine.“ Gleichwohl erkennt sie, dass in Zeiten von Facebook und Co. der korrekte Umgang mit Daten unumgänglich sei.

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