Streckennetz im Norden : Neues Bahnkonzept: Hoffnung für Pendler

52,7 Millionen Fahrgäste waren 2012 mit der Bahn im Land unterwegs. Foto: dpa
52,7 Millionen Fahrgäste waren 2012 mit der Bahn im Land unterwegs. Foto: dpa

Mehr Züge, mehr Tempo: Das Streckennetz der Bahn im Norden wird renoviert. Fahrtzeiten sollen sich verkürzen, zusätzliche Verbindungen für Entlastung sorgen.

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20. Juni 2013, 10:45 Uhr

Kiel | Das vergangene Jahr war gut für Bahnfahrer. Das nächste wird noch besser. "Die Fahrzeit der Züge zwischen Hamburg und Flensburg wird sich um sieben Minuten verkürzen. Zwischen Kiel und Hamburg sogar um acht Minuten", verkündete am Dienstag Bernhard Wewers von der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS). Zudem werde es mehr Züge geben, um den erwarteten Ansturm von genervten Autofahrern aufzufangen, die mit Beginn der Sanierungsarbeiten auf der A7 auf die Bahn umsteigen. 17 zusätzliche Zugverbindungen pro Tag soll es dann im neuen Halbstundentakt von Kiel aus an die Elbe geben, von Flensburg aus 13. Dort starten die Züge dann stündlich gen Süden.
Die Fahrzeitverkürzung wird nicht nur durch moderne, leistungsfähige Triebwagen erreicht, sondern auch durch einen neuen Fahrplan. Ab Elmshorn fahren die Züge künftig bis Hamburg durch, ohne Zwischenhalt in Tornesch und Pinneberg. Die Idee dahinter: Das Verkehrsangebot entflechten. Die schnellen Züge von DB-Regio sollen das Umland mit der Hansestadt verbinden, Pendler vom Hamburger Rand in die Innenstadt sollen die spurtstarken Züge der Nordbahn benutzen, die ab 2014 auf der Strecke Itzehoe - Hamburg und Wrist - Hamburg eingesetzt werden. "Dadurch werden wir in der Hauptverkehrszeit bis zu 30 Prozent mehr Sitzplätze anbieten als heute", verspricht Wewers. Zudem wird momentan geprüft, das Park-and-Ride-Angebot zu erweitern, um Autofahrern während der A7-Bauzeit das Umsteigen auf den Zug zu erleichtern und den Bahnbetreibern langfristig neue Kundschaft zu erschließen.

"Sozialistische Werte von 98 Prozent"

Dabei sieht die Fahrgastbilanz im Norden bereits jetzt mehr als rosig aus. Während bundesweit die Zahl der Zugfahrer um weniger als ein Prozent zunahm, legte sie in Schleswig-Holstein um 3,7 Prozent zu. Damit liegt der Marktanteil des öffentlichen Verkehrs im Norden konstant bei rund 7,2 Prozent. Zum Vergleich: 25 Prozent der Wege werden hierzulande zu Fuß erledigt, 58 Prozent mit dem Auto und neun Prozent mit dem Rad, das als Fortbewegungsmittel stetig an Bedeutung gewinnt.
Die 52,7 Millionen Fahrgäste, die 2012 mit der Bahn im Land unterwegs waren, zeigten sich mit Sauberkeit, Pünktlichkeit und Sicherheit zufrieden und vergaben die Schulnote 2,8. Bei der Pünktlichkeit verzeichnete die LVS laut Wewers auf einigen Vorzeigestrecken sogar "sozialistische Werte von 98 Prozent". Insgesamt hätten rund 93 Prozent der Züge ihr Ziel höchstens fünf Minuten zu spät erreicht - 2011 seien es nur 91 Prozent gewesen. Dort, wo es noch nicht so gut klappte, hilft die LVS mit harten "erzieherischen Maßnahmen" nach. Streckenbetreiber, die zu oft ihr Ziel mit Verspätung erreichen, müssen Strafe zahlen. Im vergangenen Jahr kamen so "Malusgelder" von über einer Million Euro zusammen.

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