Ehemaliges Bürogebäude : Neuer Schandfleck am Flensburger Hafen

In bester Lage: Der zweistöckige Bau neben dem Werftkontor (l.) verfällt seit Jahren zusehends, die Stadt unternimmt – bisher – nichts.
In bester Lage: Der zweistöckige Bau neben dem Werftkontor (l.) verfällt seit Jahren zusehends, die Stadt unternimmt – bisher – nichts.

Das Gebäude Ballastkai 10a verfällt zusehends. Der Plan, ein Hotel aufzubauen, wurde nicht umgesetzt.

shz.de von
24. Februar 2018, 07:04 Uhr

Flensburg | Der Eindruck ist verheerend. Am Anfang war es ein Fenster, mittlerweile sind mehrere zertrümmert. Das Gras ist mit Scherben übersät. Die Eingangstür im typischen 60er-Jahre-Design ist in einem erbärmlichen Zustand. Die gesamte Fassade im Erdgeschoss wurde von Graffiti-Sprayern „verziert“. Das zweistöckige, ehemalige Bürogebäude Ballastkai 10a hat die frühere Kneipenmeile an der Schiffbrücke als Hafen-Schandfleck Nr. 1 abgelöst. Inzwischen übernachten hin und wieder Obdachlose in der Ruine.

Und diesmal liegt es nicht an einem pleite gegangenen Immobilienbesitzer. Das Grundstück gehört den Stadtwerken, das Gebäude der Firma DLG (Dansk Landbrugs Grovvarelseskab A.M.B.A.) mit Sitz in Kopenhagen. Sie hat einen Erbpachtvertrag, der bis 2034 gilt. Der zweistöckige ehemalige Bürobau wurde vor 16 Jahren zuletzt genutzt – als Baubüro für den benachbarten Werftkontor-Komplex.

Eingeworfene Scheiben.
Markus Dewanger
Eingeworfene Scheiben.

Seit Jahren zahlt die Pächterin brav ihre Pacht, ohne das Gebäude zu nutzen. Der Grund könnte finanzieller Natur sein: Wenn die Stadt hier Wohnungsbau etabliert, gewinnt das Grundstück schlagartig an Wert. Die Pächterin könnte sich den Verzicht auf die Weiternutzung des Grundstücks bis 2034 teuer von der Stadt (oder den Stadtwerken) bezahlen lassen.

Eigentlich könnte auf dem kleinen Areal zwischen Werftkontor und Silos schon längst ein kleines 80-Zimmer-Hotel stehen. Das hatte Werftkontor-Investor Kay-Uwe Petersen hier geplant, war sich jedoch mit der Stadt über ein grundsätzliches Planungsdetail nicht einig geworden. Während er auf Grundlage eines üblichen Bebauungsplans das Hotel errichten wollte, bestand die Stadt auf einem Vorhaben-bezogenen Bebauungsplan, der den Investor mehr bindet. Als beide Seiten auf ihrem Standpunkt beharrten, legte Petersen das Projekt 2014 zu den Akten – der Verfall nahm seinen Lauf.

Das Gebäude liegt mitten im Planungsbereich Hafen-Ost, das unter Umständen in Kürze Sanierungsgebiet wird; dann gelten hier besondere gesetzliche Bestimmungen. Im letzten Jahr wurden Ideen für ein modernes Bürohaus und alternativ für ein Haus mit Wohnungen öffentlich präsentiert – allerdings unverbindlich. Der benachbarte Silo-Komplex steht weitgehend unter Denkmalschutz; auch hier gibt es die Idee, Wohnungen in den alten Silos unterzubringen.

„Die derzeitige Nutzung entspricht dem Vertrag, da keine Betriebspflicht [...] besteht“, teilen die Stadtwerke auf Anfrage mit. Allerdings: „Der Erbbauberechtigte hat das Grundstück in einem ordnungsgemäßen und die errichteten Gebäude in einem guten baulichen Zustand zu erhalten.“

Das ist eindeutig nicht der Fall. Am benachbarten Silo, für den der Vertrag auch gilt, stürzte schon vor Jahren ein großer Teil der Ziegelfassade zu Boden; die Absperrung steht immer noch.

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